Potenzial für neue Monetarisierungsmodelle
"Da die Entwickler den Wert von NFTs für das Gameplay nicht sehen können, ist das Interesse gering", fasst Shams Jorjani diese Ablehnung zusammen. So wie Glaiel denken viele Entwickler und machen aus ihrer Ablehnung keinen Hehl. Für unabhängige Indie-Teams ist das kein Problem, aber bei großen Firmen entscheiden oft andere über das Geschäftsmodell.
Denn "andererseits bieten spielinterne Ökonomien wirklich viele interessante Möglichkeiten für zusätzliche Monetarisierung und weitere Einnahmen", ergänzt Jorjani. Dass Paradox mit seinen nischigen Hardcore-Strategiespielen Jahr um Jahr wachsende Umsätze erzielt, liegt auch an dem Geschäftsmodell mit digitalen Zusatzinhalten. Eigentlich sollte ein geschäftsorientierter Manager wie Jorjani voll hinter dem Potenzial von NFT-Games stehen.
"Genauso wie DLC und Free to Play nicht für jedes Spiel sinnvoll ist, ist es auch bei NFTs", sagt er und hat einen Ratschlag für alle Studios, die sich für die Blockchain interessieren. "Was sie tun sollten, ist, sich zusammenzusetzen und sich zu fragen: Wie könnte der Einsatz von spielinternen Wirtschaftssystemen den Spielspaß erhöhen und den Spielern einen Mehrwert bieten?" Für viele Spiele laute die Antwort aus seiner Sicht: "Gar nicht."
Die Lösung für ein nicht vorhandenes Problem
Zumindest im Moment haben NFTs dafür noch zu viele Probleme. Zum einen sei das Ökologische mit den immensen Energiekosten nach wie vor nicht gelöst. Zum anderen sieht er noch keine nachhaltigen Geschäftsmodelle, sondern vor allem "ausbeuterische, grenzwertige Schneeballsysteme", so Jorjani. Momentan dienen die Spiele als "eine schamlose Geldbeschaffung für die Miner und Early Adopter."
Trotz Problemen mit Betrug, Hacks und undurchsichtigen Geschäftsmodellen glauben manche NFT-Fans an das Metaversum - oder zumindest daran, dass ehemals auf ein Spiel beschränkte In-Game-Einkäufe sich mittels NFT auch auf andere Spiele übertragen lassen. Spieler wären so unabhängiger von Publishern, die unprofitable Server einfach abschalten können.
"Das Hauptproblem ist, dass spielübergreifend kompatible Gegenstände ein echtes technisches Problem mit vielen Überlegungen sind", sagt Tyler Glaiel. Dessen Lösung würde viel Arbeit und Kreativität erfordern. "Es ist nicht unmöglich", glaubt er. "Plattformen wie Roblox haben bereits Möglichkeiten, dies zu handhaben. Aber NFTs lösen keines der Probleme, die damit verbunden sind. Sie bieten keinen Nutzen und lösen keine Probleme, und sie sind nicht einmal gut darin, nichts zu tun! Wie kann man so ineffizient und energieaufwendig sein, wenn man nichts tut?"
"Das Metaverse ist die Hölle"
Dieses letzte bisschen Optimismus beim Blick auf das Versprechen des Metaverse fehlt Jira Trello gänzlich. "Das Metaverse ist die Hölle", sagt die Künstlerin. Trello war 2020 an dem Gemeinschaftswerk Utopias beteiligt. Für das Spiel haben alle Mitglieder des Künstler-Kollektivs AAA ihre eigene Vision einer utopischen Welt und damit ihr eigenes Indie-Metaversum entwickelt.
Von einem durch ein Unternehmen gesteuertes Metaverse hält Trello allerdings nichts. "Es ist ein Wort, das eigentlich nichts bedeutet, also sollte ich wahrscheinlich nicht so dramatisch sein", sagt sie. "Aber wenn wir darüber reden, ein Internet im Internet zu schaffen, in dem alles auf einer einzigen Plattform enthalten ist, die einer einzigen Firma gehört, dann ist das in keiner Weise utopisch oder sogar neu."
Sie ist davon überzeugt, dass das immer mit so vielen technischen Kompromissen verbunden wäre, dass es dem utopischen Traum des Internets widerspricht. Viele junge Menschen würden das Internet heute schon nicht mehr über verlinkte Webseiten, sondern durch proprietäre Apps erleben. Sie hofft, "dass selbstorganisierte Online-Communities und vor allem jüngere Generationen das Internet für sich selbst neu definieren werden."
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Wer das Kleingeld hat sich NFTs zu kaufen, der wird das Geld auch nicht vermissen. Für...
Wenn NFTs via "Echtgeld" bzw. "Krypto" gehandelt werden, kann der Spieleentwickler...
Ich würde diese Aussagen auch als alter Gamer pauschal mal unterschreiben. Aber davon...
Stimmt. Denn Strenggenommen ist der NFT-Mist "nur" eine alternative Form der Speicherung...