Kritische Infrastruktur: Massive Probleme im europäischen Stromnetz

Das europäische Stromnetz hatte gestern mit größeren Problemen zu kämpfen. Eine Region wurde abgetrennt, teils kam es zu Stromausfällen.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Idylle ist trügerisch.
Die Idylle ist trügerisch. (Bild: Nicole Köhler/Pixabay)

Am 8. Januar gegen 14:05 Uhr kam es zu einer Frequenzabweichung von rund 250 mHz im synchronisierten europäischen Hochspannungs-Stromnetz, teilte der Netzbetreiber Amprion auf Twitter mit. In der Folge sei die Region Südosteuropa vom europäischen Verbundnetz getrennt worden. Insgesamt soll der Strom von drei Kraftwerken in Rumänien gefehlt haben.

Stellenmarkt
  1. IT-Projektassistenz (m/w/d)
    THOMAS SABO GmbH & Co. KG, Lauf / Pegnitz
  2. Systemadministrator (w/m/d) Applikationsbetrieb
    Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Karlsruhe
Detailsuche

Das europäische Hochspannungsstromnetz reicht im Norden bis Dänemark und südlich von Marokko bis in die Türkei und wird auf 50 Hz synchronisiert. "Frequenzabweichungen kommen immer vor, weil nie genauso viel Strom erzeugt wird, wie aktuell verbraucht wird", sagte Energieversorgungsexperte Felix Stöckmann zu Golem.de. Diese könnten meist schnell ausgeglichen werden. Gelinge dies jedoch nicht oder werde die Abweichung in angeschlossenen Netzen zu groß, müssten diese abgetrennt werden. Es könne zu Stromausfällen in Teilnetzen kommen, im schlimmsten Fall zu einem europaweiten Stromausfall. "Davon waren wir hier zum Glück ein gutes Stück entfernt", sagte Stöckmann.

Abweichung von 250 mHz triggert Stufe 1 des Maßnahmenkatalogs

Ein Abweichung von 250 mHz wie im aktuellen Fall ist allerdings weit entfernt von den normalen Schwankungen und fällt unter Stufe 1 der fünf Maßnahmen zur Kompensation beziehungsweise dem Schutz vor Unterfrequenz, die zwischen 49,8 und 49 Hz greift.

"Durch koordinierte Maßnahmen und eine sofortige Reaktion der kontinentaleuropäischen Übertragungsnetzbetreiber wurde sichergestellt, dass die Systemstabilität in den meisten europäischen Ländern nicht beeinträchtigt wurde", erklärte der Netzbetreiberverband Entso-E.

Resynchronisierung nach einer Stunde

Golem Akademie
  1. IT-Fachseminare der Golem Akademie
    Live-Workshops zu Schlüsselqualifikationen
  2. 1:1-Videocoaching mit Golem Shifoo
    Berufliche Herausforderungen meistern
  3. Online-Sprachkurse mit Golem & Gymglish
    Kurze Lektionen, die funktionieren
Weitere IT-Trainings

Ungefähr eine Stunde nach der Abtrennung erfolgte eine Resynchronisierung. Das europäische Stromnetz ist seitdem wieder geeint. Wie es zu dem schwerwiegenden Vorfall kam, ist bislang unbekannt. Eine Untersuchung zu der Systemtrennung dauere an. Weitere Informationen zu dem Vorfall würden zu gegebener Zeit veröffentlicht, schreibt Entso-E.

Sicherheitsexperte und CCC-Mitglied Manuel Atug twitterte, dass es in manchen Regionen sichtbare Probleme gegeben habe. Beispielsweise seien Lampen in Haushalten und auf den Straßen aufgeleuchtet oder ausgegangen. Auch elektrische Geräte seien an- und ausgegangen. Atug verweist auf den Radiosender RFI România, der von Stromausfällen in Teilen Rumäniens berichtet.

Das europäische Stromnetz zählt zur kritischen Infrastruktur (Kritis). Lassen sich Vorfälle wie am Freitag nicht in den Griff bekommen, steht Europa vor massiven Problemen. Den letzten kritischen Vorfall gab es 2018, der zwar über einen längeren Zeitraum andauerte, aber ohne größere Probleme behoben werden konnte.

Probleme wie 2006 verhindert

Im November 2006 hingegen kam es durch die Verkettung von mehreren Vorfällen zu Stromausfällen in mehreren europäischen Regionen, die teils bis zu zwei Tage andauerten. Damals schaltete RWE eine Stromleitung über der Ems ab, damit eine Werft ein Schiff ausliefern konnte. Gleichzeitig sorgte starker Wind für viel Strom von Windrädern aus Norddeutschland. Zugleich wurden Kraftwerkskapazitäten in Süddeutschland heruntergefahren, um die Stromzufuhr auszugleichen.

Die gekappte Stromleitung über der Ems triggerte die Abschaltung einer weiteren Leitung, was eine Kettenreaktion hervorrief und zu einer Netztrennung führte. Die Probleme reichten bis zu Stufe 3. Es dauerte mehrere Tage, um sie wieder in den Griff zu kriegen. Die Vorfälle zeigen, dass das europäische Stromnetz fragil ist - und damit letztlich auch die hiesige Stromversorgung.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Teeklee 11. Jan 2021

Jetzt Stand 20:00 Uhr sind es schon ca. 43%+ Windenergie Das Problem ist halt, dass wir...

863a4e2c82af03f... 11. Jan 2021

Weil du es nicht bezahlen kannst und willst Du brauchst dann nämlich sämtliche...

863a4e2c82af03f... 11. Jan 2021

Früher im Osten war aber auch nicht alles so technologieabhängig wie heute, speziell in...

minnime 11. Jan 2021

Ich fand es auch schlecht geschrieben, also rein vom Stil her. Erstmal konnte ich mit dem...

GangnamStyle 11. Jan 2021

Als "Falsch" würde ich nicht bezeichnen, denn es gibt ja in Europa auch deutlich...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Carvera
CNC-Fräse für den Tisch wechselt Aufsätze selbstständig

Die Carvera ist eine CNC-Maschine und Drehbank für Hobbybastler. Das System wechselt Aufsätze selbstständig, ist aber nicht günstig.

Carvera: CNC-Fräse für den Tisch wechselt Aufsätze selbstständig
Artikel
  1. Lightning ade: EU will USB-C als alleinige Handy-Ladebuchse vorschreiben
    Lightning ade  
    EU will USB-C als alleinige Handy-Ladebuchse vorschreiben

    Die EU-Kommission will eine einheitliche Ladebuchse einführen. USB-C soll zum Aufladen aller möglichen Kleingeräte verwendet werden.

  2. Infrastrukturgesellschaft: Wir haben noch kein Funkloch geschlossen, aber...
    Infrastrukturgesellschaft
    "Wir haben noch kein Funkloch geschlossen, aber..."

    Die MIG sei "im Ausbau " und komme "gut voran", verteidigte sich der Geschäftsführer und bat um Vetrauen in die Arbeit der Gesellschaft.

  3. Bundestagswahl 2021: Technik allein wird es nicht richten
    Bundestagswahl 2021
    Technik allein wird es nicht richten

    Die bürgerlichen Parteien setzen beim Klimaschutz auf Emissionshandel und technische Lösungen. Reicht das, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen?
    Eine Analyse von Christiane Schulzki-Haddouti

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Asus 27" WQHD 144Hz 260,91€ • Alternate-Deals (u. a. Acer Nitro 27" FHD 159,90€) • Neuer Kindle Paperwhite Signature Edition vorbestellbar 189,99€ • Black Week bei NBB: Bis 50% Rabatt (u. a. MSI 31,5" Curved WQHD 165Hz 350€) • PS5 Digital mit FIFA 22 bei o2 bestellbar [Werbung]
    •  /