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Kritik vom Bundeswehrverband: Marinesoldaten noch jahrelang ohne Internetversorgung

Laut Bundesverteidigungsministerium dauert WLAN per Satellit für Marinesoldaten noch Jahre. Fregattenkapitän Thiele nennt das "vernunftbeleidigend" .
/ Achim Sawall
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Nur an Bord der Fregatte Bayern gibt es auch auf hoher See Internetzugang. (Bild: Bundeswehr/Glenewinkel)
Nur an Bord der Fregatte Bayern gibt es auch auf hoher See Internetzugang. Bild: Bundeswehr/Glenewinkel

Der Bundeswehrverband hat den schleppenden Internet-Ausbau bei den Schiffen der Marine kritisiert. "Bis auf die Fregatte Bayern hat kein Schiff der Marine so richtig einen funktionierenden Internetzugang für die Menschen an Bord, um Verbindung mit den Familien zu halten, obwohl das bereits vor Jahren versprochen wurde" , sagte Vorstandsmitglied Marco Thiele vom Bundeswehrverband der Neuen Osnabrücker Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . Während der monatelangen Auslandseinsätze auf den Weltmeeren gebe es für die meisten Soldaten noch immer keine Möglichkeit, online Kontakt in die Heimat aufzunehmen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern würden Soldaten der deutschen Marine noch mit dem Satellitentelefon auf dem Oberdeck versuchen, eine Verbindung zur Heimat zu bekommen. "Das ist doch vernunftbeleidigend" , sagte Fregattenkapitän Thiele.

Die Möglichkeit, das Internet auch bei der Marine zu nutzen, würde zudem die Attraktivität steigern. "Ein junger Mensch läuft mittlerweile sein ganzes Leben mit dem Smartphone herum. Dem kannst du vielleicht noch erklären, dass er mehrere Monate nicht zu Hause ist, wenn er zur See fährt. Aber nicht, dass er monatelang auf das Smartphone und die Kommunikation damit verzichten muss. Auch das erschwert die Nachwuchsgewinnung" , sagte Thiele.

Es scheitert an der technischen Anbindung

Das Verteidigungsministerium begründete den langsamen Ausbau mit den technischen und operativen Einschränkungen bei der Nutzung der Satellitensysteme, die für das Internet an Bord dringend notwendig sind. Schon im Jahr 2018 wurde berichtet, dass die Ausschreibungsverfahren für die passenden Antennen zu komplex seien.

Thiele kritisierte bereits vor fünf Jahren(öffnet im neuen Fenster) die Betreuungskommunikation im Einsatz (BKE): "Viele Leute in der Bundeswehr verstecken sich hinter den Vorschriften, die sie selbst geschrieben haben. Es muss einfach schneller gehen, die Verträge für die BKE mit dem Anbieter für die Satellitenzugänge bestehen schon seit Jahren. Bereits 2015 hat die Ministerin angewiesen, dass die BKE auf allen Schiffen und Booten der Marine außerhalb deutscher Hoheitsgewässer genutzt werden darf. Nur scheitert dieses an der technischen Anbindung."

Der Ausbau von frei verfügbarem Internet für Marinesoldaten wird wohl noch Jahre in Anspruch nehmen, wie das Bundesverteidigungsministerium der Neuen Osnabrücker Zeitung mitteilte.


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