Kritik des Ex-Opera-Chefs: "Opera hat sein Ansehen verschleudert"
Bei Opera habe sich vieles zum Schlechten entwickelt, kritisiert der Mitbegründer und langjährige Firmenchef Jon S. von Tetzchner. Er wurde vor vier Jahren von Lars Boilesen an der Spitze des norwegischen Browserherstellers abgelöst. Im Gespräch mit Cnet(öffnet im neuen Fenster) sagte von Tetzchner, Opera könnte deutlich besser dastehen, wenn der Browserhersteller nicht so lieblos mit seiner Browserengine Presto umgegangen wäre.
Opera könnte 500 Millionen Nutzer haben statt 300 Millionen, sagte er. In den vergangenen vier Jahren habe es keine neuen Funktionen mehr für den Browser gegeben. In den vorhergehenden vier Jahren seien dagegen viele neue Funktionen integriert worden.
Opera hätte bei Presto bleiben sollen
Nach Auffassung von Tetzchner hat Opera seinen "Ruf als Hersteller eines schnellen Browsers mit topaktuellen Funktionen verschleudert". Kritisch sieht der frühere Chef die Abkehr von der Presto-Engine, also Operas eigener Browser-Engine. Im vergangenen Jahr wurde der Wechsel von Presto auf die Chrome-Engine vollzogen. Allerdings fehlen der Chrome-Variante von Opera noch immer viele bekannte Opera-Funktionen, die es weiterhin nur in der Presto-Ausführung gibt.
Auf dieses Problem ging von Tetzchner allerdings gar nicht ein, er sieht den Fehler darin, dass Opera in den vergangenen Jahren Presto sträflich vernachlässigt habe. Weil nicht mehr in die eigene Engine investiert worden sei, habe Opera nicht mehr mit den Wettbewerbern mithalten können. Als "Konsequenz wurde sie weggeschmissen", beklagt von Tetzchner.
Baldiges Aus von My Opera ist für von Tetzchner ein Fehler
Der erste Nicht-Presto-Browser von Opera erschien für die Android-Plattform, und Opera tauschte die bisherige Version einfach durch die neue aus. Das erregte bei Opera-Mobile-Nutzern viel Unmut, und Opera sah sich gezwungen, die Presto-Version von Opera Mobile weiterhin in Googles Play Store anzubieten.
Opera widerspricht seinem Exchef
Ganz anders als von Tetzchner sieht das der Opera-CTO Håkon Wium Lie. Er meint, für die meisten Nutzer spiele die im Browser verwendete Rendering-Engine keine Rolle. Daher habe sich Opera für den Wechsel entschieden, weil eine eigene Rendering-Engine keinen Wettbewerbsvorteil mehr bringen würde. Die Entscheidung hätten die Entwickler getroffen, damit sie sich mehr um andere Aufgaben kümmern können.
Auch Lie geht nicht darauf ein, dass der Chrome-Version von Opera noch immer viele Funktionen fehlen, so dass viele Opera-Nutzer weiterhin den Presto-Browser einsetzen, weil sie ungern auf liebgewonnene Funktionen verzichten wollen. Bisher gibt es keinen Zeitplan, wann der Chrome-Browser alle Funktionen des Presto-Browsers erhalten wird.
Ex-Opera-Chef sieht Vivaldi als Nachfolger von My Opera
Aber auch an anderer Front gibt es Kritik vom Exchef. Am 1. März 2014 wird Opera alle My-Opera-Funktionen abschalten, also alle Foren, Blogs und alle E-Mail-Funktionen. Laut von Tetzchner betrifft das vor allem die Nutzer, die bei der Entwicklung von Opera geholfen haben. Um diese Nutzer aufzufangen, hat von Tetzchner mit 19 weiteren früheren Opera-Mitarbeitern Ende November 2013 den Dienst Vivaldi(öffnet im neuen Fenster) ins Leben gerufen.
Er soll ehemaligen My-Opera-Nutzern alle Funktionen liefern, die sie dort hatten. Auch Vivaldi ist kostenlos nutzbar, und bisher soll es einige Tausend Nutzer haben. Das Unternehmen will mit Premiumdiensten und Affiliate-Links Geld verdienen, aber beides wurde bisher nicht umgesetzt.
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