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Kritik an Ferrari Luce: Das Dilemma der elektrischen Supersportwagen

Der vollelektrische Luce kommt bei den Ferrari-Fans nicht gut an. Das liegt nur teilweise an den Herausforderungen der E-Mobilität im Sportwagenbereich.
/ Friedhelm Greis
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Der Ferrari Luce ist vom Nissan Leaf sehr leicht durch das Firmenlogo neben der Tür zu unterscheiden. (Bild: Ferrari/Nissan/Combo: Golem)
Der Ferrari Luce ist vom Nissan Leaf sehr leicht durch das Firmenlogo neben der Tür zu unterscheiden. Bild: Ferrari/Nissan/Combo: Golem
Inhalt
  1. Kritik an Ferrari Luce: Das Dilemma der elektrischen Supersportwagen
  2. Exorbitanter Preis für den Luce

Um es vorweg zu sagen: Der Hochlauf der E-Mobilität hängt nicht vom Erfolg der Marken Ferrari oder Lamborghini ab. Das Segment der hochpreisigen Supersportwagen ist klein, die Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß des Verkehrs dürften eher gering sein. Dennoch zeigen die Reaktionen auf den neuen Ferrari Luce exemplarisch, womit die Hersteller beim Umstieg auf die E-Mobilität zu kämpfen haben. Die Verbindung von neuer Technik und Markentradition stellt eine große Herausforderung dar, obwohl gerade elektrische Sportwagen ein neues Niveau der Fahrdynamik ermöglichen.

Trotz aller Kritik am Design des Luce ist es löblich, dass Ferrari überhaupt an seinen Elektrifizierungsplänen festgehalten hat. Die "Akzeptanzkurve" für batteriebetriebene Autos in der Zielgruppe von Lamborghini flache ab und liege bei "nahe null", sagte Firmenchef Stefan Winkelmann im Februar 2026 und stoppte die Entwicklung des vollelektrischen Lanzador. Ferrari will hingegen zeigen, dass der Elektroantrieb mit dem Mythos der Marke vereinbar ist.

Mit einem Verbrenner nicht möglich

Dabei räumen die Italiener ein, was im Grunde alle Autoentwickler seit Jahren feststellen: Die flexible Drehmomentverteilung in Elektroautos bietet "enorme Vorteile" im Hinblick auf Schwerpunkt, Trägheit und Steuerungsfreiheit. Der Luce vereine "Leistung, Fahrspaß, Komfort und ein einzigartiges Fahrerlebnis auf eine Weise, die mit einem Verbrenner nie möglich gewesen wäre". Dazu nutzt der Sportwagen vier Elektromotoren, die jedes Rad einzeln antreiben und abbremsen können. Die maximal verfügbare Leistung von 772 Kilowatt (1.050 PS) beschleunigt den Luce in 2,5 Sekunden von null auf 100 km/h.

Extreme Fahrdynamikeigenschaften kombiniert mit extremer Beschleunigung: Was will man als Sportwagenfahrer mehr? Selbst für den Sound, der für viele Fahrer in diesem Segment eine wichtige Rolle spielt, hat sich Ferrari eine besondere Lösung ausgedacht. "Schallwellen werden aus elektromechanischen Vibrationen der Achsen gewonnen, verarbeitet, verstärkt und gemeinsam mit visuellem Feedback eingesetzt, um den Fahrer präzise zu informieren." Wie authentisch das klingt, dürfte sich wohl erst auf einer Probefahrt zeigen.

Aerodynamischster Ferrari aller Zeiten

Doch den Vorteilen der E-Mobilität bei der Fahrdynamik stehen Nachteile gegenüber, die gerade bei Supersportwagen schwer zu kompensieren sind. Vor allem dann, wenn das Fahrzeug tatsächlich bei hohen Geschwindigkeiten auf der Rennstrecke eingesetzt wird.

So wollten die Entwickler beim Luce den mit Abstand niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert in der Geschichte Ferraris erreichen. "Äußerste Sorgfalt im Hinblick auf Aerodynamik prägte daher die grundlegende Architektur. Alle Oberflächen wurden glatt, stufenlos und ununterbrochen angelegt, um den Luftstrom zu optimieren und Verwirbelungen zu minimieren", schreibt der Hersteller.

Damit sieht der Luce in der Tat nicht mehr wie ein klassischer Ferrari aus, beispielsweise der aktuelle F80 oder der SF90 Stradale. Die Kommentare zum Design fielen vernichtend aus.

Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sagte der Nachrichtenagentur Ansa(öffnet im neuen Fenster): "Wenn ich sagen würde, was ich wirklich denke, würde ich Ferrari einen schlechten Dienst erweisen. Wir laufen Gefahr, eine Legende zu zerstören – und das macht mich zutiefst traurig. Zumindest sollten sie das Emblem des 'Cavallino Rampante' entfernen." Im Netz wird der Luce, wie in unserem Titelbild, mit Kompaktwagen wie dem Nissan Leaf verglichen.

Der ehemalige Ferrari-Manager Carlo Calenda bezeichnete den Luce auf X(öffnet im neuen Fenster) als "ästhetischen und technologischen Affront gegen jeden, der Ferrari liebt oder, wie in meinem Fall, dort gearbeitet hat".

Zwar lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten, doch es gibt in der Tat mehrere Gründe, die zu einem Misserfolg des Luce führen dürften.


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