Fall 2: Der Mordfall Nikki Van der Heyden

Dieser andere Fall passierte in Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin. Nikki Van der Heyden, dreifache Mutter, und ihr Freund Douglass Detrie gingen am Abend des 20. Mai 2016 mit Freunden aus. Sie besuchten ein Konzert, später in einer Kneipe begann das Paar jedoch, sich zu streiten. Den weiteren Abend verbrachte man in getrennten Bars.

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Nikki Van der Heyden kehrte in dieser Nacht nicht nach Hause zurück. Ihre Leiche wurde am 21. Mai in einem Feld gefunden. Sie war vergewaltigt und brutal ermordet worden, der Verdacht der Ermittler fiel sofort auf ihren Freund.

Detrie bestritt die Tat. Nach seiner Schilderung des Abends hatten sie sich gestritten, weil Nikki ihm unterstellt habe, anderen Frauen hinterherzuschauen. Später habe sie ihm wütende SMS geschickt, auf die er jedoch nicht eingegangen sei, um sie nicht weiter zu verärgern. Zusammen mit einem Freund habe er erfolglos versucht, sie zu finden, und habe sich schließlich nach Hause fahren lassen. Am nächsten Nachmittag meldete er sie als vermisst.

Die Polizei glaubte, zunächst Beweise für Detries Schuld gefunden zu haben: Blutspuren im Keller des gemeinsamen Hauses und im Auto sprachen dafür, dass er sie zu Hause ermordet und dann mit dem Auto abtransportiert hatte.

Doch die Daten sagen etwas anderes

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Nach 18 Tagen in Untersuchungshaft wurde Detrie jedoch wieder freigelassen. Das Blut in Keller und Auto stammte von einem Truthahn und nicht von Nikki van der Heyden. Detries Schilderungen des Tatabends wurden von anderen Zeuginnen und Zeugen bestätigt.

Zudem bestätigten Daten von Detries Fitbit, dass er im weiteren Verlauf der Nacht geschlafen hatte. Auch die sonstigen aufgezeichneten Daten entsprachen genau den von ihm angegebenen Bewegungen in dieser Nacht, wonach er im Bad war und nach den Kindern geschaut hatte. Zudem zeigte das Ortungsgerät der Autoversicherung, dass das Fahrzeug in der Mordnacht nicht bewegt worden war.

Die Auflösung

Tragischerweise hatte sich der Mord an Nikki in der Nähe des gemeinsamen Hauses ereignet: Sie war, so ergaben Tat-Rekonstruktionen, auf der Auffahrt kurz vor der Haustür von einem Mann überwältigt, vergewaltigt und ermordet worden. Der Täter lud ihre Leiche dann in sein Auto und versteckte sie in einem rund vier Kilometer entfernt liegenden Feld.

An der Leiche gefundene DNA-Spuren ergaben einen Treffer: Ein Mann namens George Steven Burch wurde festgenommen. Daten von Burchs Handy belasteten ihn zusätzlich schwer. Das darauf aktive Programm Google Dashboard sammelt unter anderem Daten von jedem in der Nähe liegenden Wi-Fi-Hotspot sowie GPS-Koordinaten.

Burch hielt sich demnach gleich mehrfach in Van der Heydens Nähe auf, unter anderem nur wenige hundert Meter entfernt von der Bar, in der sie zuletzt gesehen worden war. Später hielt er sich rund eine Stunde an ihrem Wohnhaus und anschließend am Fundort der Leiche auf.

Der Versuch im Prozess, Daten umzuinterpretieren

Nach Burchs Verhaftung im September 2016, begann im Februar 2017 der Mordprozess gegen ihn. Seine Verteidiger argumentierten, das Opfer habe freiwillig Sex mit dem Angeklagten gehabt. Ihr Freund habe das zufällig vom Fenster aus mitbekommen, Nikki in einem Eifersuchtsanfall getötet und Burch mit Waffengewalt gezwungen, ihm beim Verstecken ihrer Leiche zu helfen.

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Die Fitbit-Daten seien überdies nicht aussagekräftig, weil sie zu fehlerbehaftet seien. Deswegen dürften sie im Prozess nicht verwendet werden. Das Gericht gab diesem Antrag jedoch nicht statt.

Verteidigung mit Datenschutz

Die Frage nach der Zulässigkeit von Datenauswertungen wurde im Juni 2021 vom Obersten Gerichtshof des Staates Wisconsin entschieden. Burchs Verteidiger hatten argumentiert, dass die Auswertung seiner Handydaten gegen das Fourth Amendment verstoßen habe.

In diesem Zusatzartikel der US-Verfassung ist der Schutz vor staatlicher Verfolgung festgeschrieben. Durchsuchungen, Festnahmen und Beschlagnahmungen von persönlichem Eigentum dürfen nur dann stattfinden, wenn vor Gericht ein entsprechender Durchsuchungsbefehl erwirkt wurde.

Burchs Handydaten waren im Juni 2016 bei einer Ermittlung wegen Fahrerflucht von einem Verkehrspolizisten heruntergeladen worden. Burch war unschuldig, der Polizist gab die Daten jedoch an die Ermittler in der Mordsache Nikki weiter. Dies sei rechtmäßig, urteilten die Verfassungsrichter, denn diese Beweise zuzulassen, sei "keine fehlerhafte Ermessensausübung" gewesen.

Die Daten halfen, waren aber nicht allein ausschlaggebend

Wie sich im Prozess zeigte, waren diese Daten allerdings für das Urteil der Geschworenen nicht allein ausschlaggebend, sondern vielmehr massive Zweifel an der Darstellung der Verteidigung. Detrie hatte beispielsweise keinerlei Verletzungen, obwohl sich Burchs Schilderung zufolge Nikki verzweifelt gewehrt haben soll.

Außerdem konnte Burch nicht glaubhaft begründen, warum er am nächsten Tag nicht die Polizei alarmiert, sondern einen Angelausflug gemacht hatte. Die Geschworen sprachen Burch schuldig, er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Aussicht auf Bewährung verurteilt.

Außerdem wurde es ihm verboten, in irgendeiner Form von Buch- oder Filmveröffentlichungen zu profitieren. Eventuelle Einnahmen muss er komplett an die Hinterbliebenen von Nikki Van der Heyden zahlen.

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ptepic 17. Mär 2022

Natürlich kann sowas während der Fahrt einfallen. Im Halbschlaf gefrühstückt und fertig...

TheUnichi 15. Mär 2022

Ich weiß nicht, vielleicht liest du ja einfach den Artikel und das Fazit noch mal so wie...

Tantalus 15. Mär 2022

Mieses Gedächtnis? https://www.golem.de/news/shotspotter-polizei-soll-erkennungs-ki-fuer...



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