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Kriminalität: Mord an einem Influencer

Das Leben von Jonas Henriksen wirkte wie ein Traum. In Wirklichkeit wurde er von Unbekannten verfolgt – und getötet. Nun hat der Prozess begonnen.
/ Elke Wittich
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Screenshot des Tiktok-Accounts von "Lastebil-Jonas" (Bild: Tiktok)
Screenshot des Tiktok-Accounts von "Lastebil-Jonas" Bild: Tiktok

Am 1. Juli 2020 lud Jonas Henriksen sein erstes Video bei Tiktok hoch. Es dauerte nicht lange, bis "Lastebil-Jonas", auf Deutsch "Nutzfahrzeuge-Jonas", eine für Norwegen beeindruckende Followerschaft erreicht hatte. Mehr als 50.000 Leute schauten regelmäßig seine Videos an, in denen er sehr unterhaltsam von seinem Arbeitsalltag erzählte, unter anderem von Bergungen verunfallter Fahrzeuge, Abschleppmanövern aller Art, aber auch von Spezialoperationen wie dem Bohren von Brunnen.

Jonas Henriksen zeigte seinen Fans auch, wie er es bei den norwegischen Meisterschaften im Kjetting, also im Schneeketten-Anlegen, in unter einer Minute schaffte, einen Lkw mit eben diesen Schneeketten auszurüsten, und damit den Meistertitel gewann. Oder wie man fest gewordene Betonreste aus einem Fahrmischer entfernt.

Über sein Privatleben erfuhren die Zuschauer und Zuschauerinnen dagegen kaum etwas. Auf Facebook postete der 30-Jährige hin und wieder ein Urlaubsbild oder Appelle für Themen, die ihm am Herzen lagen, wie Klimaschutz, Ausbildungsplätze für junge Menschen und Ermunterungen, Handwerker zu werden.

Brandstiftung, Drohungen und ein Überfall

In Wirklichkeit hatte für den jungen Unternehmer bereits ein Jahr nach dem ersten Tiktok-Posting ein Albtraum begonnen, der schließlich mit seiner Ermordung enden würde. Zum Zeitpunkt seines Todes war Jonas Henriksen zwei Jahre lang von Unbekannten terrorisiert worden.

Begonnen hatte alles am 25. Juli 2021 in Hønefoss mit einer Brandstiftung. Ein Wohnmobil, das vor einer Henriksen gehörenden Werkstatt parkte, war von Unbekannten in Brand gesteckt worden. Das Fahrzeug brannte komplett aus und es war reines Glück, dass die Flammen nicht auch auf das Gebäude übergriffen.

Zwei Monate später, am 24. September 2021, wurde ein Betonmischer angezündet, der Henriksens Firma gehörte. Das scherzhaft "Hulk" genannte Fahrzeug war schon sehr alt, weswegen zunächst der Verdacht aufkam, bei dem Brand handele es sich womöglich um versuchten Versicherungsbetrug. Die Brandstiftungen stoppten danach aus unbekannten Gründen – bis zum 27. Februar 2023, als einer von Henriksens Lastwagen angezündet wurde.

Falls Jonas Henriksen gedacht hatte, dass es den Tätern lediglich darum gehe, möglichst viel Sachschaden anzurichten, änderte sich das sicher nur wenige Tage später: Am 9. März 2023 wurde er früh morgens in der Nähe seines in Tønsberg gelegenen Hauses auf dem Weg zur Arbeit von Unbekannten überfallen und angegriffen.

Zu dem Zeitpunkt war es noch dunkel, Henriksen hatte keine Chance, die vermummten Täter vorher zu bemerken. In der Lokalzeitung erschien damals ein Artikel über den Überfall ( Paywall(öffnet im neuen Fenster) , Henriksen hat einen Ausriss gepostet(öffnet im neuen Fenster) ), der Name des Opfers wurde allerdings nicht genannt.

Exakt einen Monat später erhielt er via Snapchat Drohungen, neun Tage später kam es zu einer versuchten Brandstiftung an seinem Motorrad. Es folgten zerstochene Reifen, beschmierte Fahrzeuge, weitere Brandstiftungen und dann eine Tat, die Henriksen endgültig klarmachte, wie gefährlich der oder die Täter waren.

Hilferuf auf Facebook

Bis zum 4. Juni 2023 ahnten seine Follower nichts von den Angriffen, denen Henriksen seit fast zwei Jahren immer wieder ausgesetzt war. An diesem Tag aber beendete er sein Schweigen und veröffentlichte bei Facebook einen ungewöhnlich langen und sehr persönlichen Text.

Bisher habe er nicht öffentlich darüber sprechen wollen, "um eine weitere Eskalation zu vermeiden, aber dieser Albtraum ist so krass geworden, dass ich alle Hilfe brauche, die ich bekommen kann," beginnt das heute noch bei Facebook zu findende Posting(öffnet im neuen Fenster) . Der Influencer schilderte darin, dass er, seine Freundin, seine Firmen und sogar deren Angestellte zu Zielscheiben der anonymen Täter geworden seien.

Die Polizei, so Henriksen weiter, komme in ihren Ermittlungen nicht voran, es gebe nur wenige Spuren und außerdem mangle es den Beamten an Ressourcen. Dazu veröffentlichte er Videos(öffnet im neuen Fenster) und einige Bilder der in Brand gesteckten Fahrzeuge, darunter ein gefährlich nah an einem Haus parkender, brennender Lkw. Zwei Fotos zeigen ihn zudem im Krankenhaus, mit einer blutenden Wunde über dem rechten Ohr und zahlreichen Abschürfungen.

Henriksens Hilferuf lag vor allem daran, dass er Grund hatte, weitere Eskalationen zu befürchten: Ein kurzes Video zeigte eine schwarz gekleidete Gestalt, die sich nachts auf das Grundstück schlich und ein Fenster des Hauses einwarf.

Wie die meisten Norweger wohnte auch Lastebil-Jonas in einem Holzhaus, entsprechend dürfte ihn die Tatsache, dass nachts, während er und seine Freundin schliefen, jemand unbemerkt auf seinem Grundstück herumschlich, Sorge bereitet haben. Was, wenn der Täter einen Brandsatz geworfen hätte?

Am Ende des Facebook-Posting wandte sich der Influencer direkt an den oder die Täter: "Wo es jetzt auch gegen die geht, die ich liebe: Ich halte euch für extrem feige. Es reicht."

Henriksen wendet sich an die Öffentlichkeit

Gleich am nächsten Tag musste Henriksen das Posting ergänzen, jemand hatte die Heckscheibe eines Autos des Paars eingeschlagen und bei einem Lieferwagen die Reifen derart raffiniert punktiert, dass die Luft nur langsam daraus entwich, was potenziell lebensgefährlich hätte sein können.

In den Kommentaren unter diesem ersten Posting äußerten sich Freunde und Fans entsetzt. Gleich mehrere rieten ihm, sich an Åsted Norge (Tatort Norwegen) zu wenden, eine Aktenzeichen XY ungelöst ähnliche Fahndungssendung. Oder an Henlagt, den True-Crime-Podcast zweier Privatermittler namens Espen Lee und Andy Larsgaard.

Das tat er auch, er gab mehrere Interviews, aber vor der Ausstrahlung der geplanten zweiten Folge wurde er getötet.

Auch die Öffentlichkeit durch einen True-Crime-Podcast bot keinen Schutz

Falls Henriksen gehofft hatte, die von ihm geschaffene Öffentlichkeit werde den oder die Täter stoppen, hatte er sich getäuscht. Am 26. Juni 2023 meldete sich Henriksen erneut auf Facebook. Er setzte eine Belohnung in Höhe von 50.000 Kronen, damals rund 5.000 Euro, aus und schrieb weiter: "Falls du den Auftrag erhalten hast, diesen Irrsinn auszuführen, werde ich dir gegenüber nachsichtig und sehr großzügig sein – wenn du die Hintermänner benennst."

Die Angriffe hörten nicht auf, über Nacht sprayte jemand an diverse Stelle in Tønsberg die Worte "Tyster Jonas" , Verräter Jonas. Henriksen fühlte sich in den letzten Monaten seines Lebens allein gelassen und wurde immer furchtsamer. Dass er im Jahr zuvor umgezogen war, wusste nur seine Familie.

Seine Anzeigen bei der Polizei hatten zu nichts geführt. Ein Freund sagte dazu später(öffnet im neuen Fenster) : "Jonas hatte superviel Angst und war komplett erschöpft. Er fühlte sich verfolgt, er wusste, dass jemand hinter ihm her war," das mitanzusehen, sei schlimm gewesen.

Henriksen ging schließlich auch nicht mehr aus dem Haus, ohne Freunden oder Mitarbeitern sicherheitshalber seinen Standort zu senden. Security-Experten warnen allerdings vor solcher Art trügerischer Sicherheit, da rechtzeitige Hilfe nicht garantiert sei.

Ein fingierter Auftrag endet mit dem Mord an Henriksen

Am 17. August 2023 brach Jonas Henriksen zu einem für ihn wohl ungefährlich klingenden Routineauftrag auf. Die Besitzerin eines mitten in einem Wald, eine dreiviertelstunde Fahrt entfernt gelegenen Ferienhäuschens wollte, dass er auf ihrem Grundstück eine Brunnenbohrung durchführte. Wie immer sandte Jonas seinen Standort kommentarlos an seine Mitarbeiter.

Als er nach mehreren Stunden immer noch nicht zurückgekehrt war und weder auf Anrufe noch auf Mails und SMS reagierte, machten sich einige Kollegen auf die Suche. Sie fanden Jonas tot in seinem Auto sitzend.

Alles sprach dafür, dass er den Termin wahrgenommen hatte und auf dem Weg zurück nach Hause gewesen war. Gekommen war er allerdings nur rund 200 Meter weit – hatte ihm jemand in der unübersichtlichen Kurve aufgelauert?

Hobbyermittler werden im Internet aktiv

Während sich die Polizei bezüglich der vermutlichen Todesursache bedeckt hielt und auf die anstehende Obduktion verwies, begannen in einem großen Forum umgehend Hobbydetektive mit ihren Ermittlungen. Mittels Google Maps analysierten sie zunächst den Tatort: Die Lage des Ferienhäuschens mitten in einem Waldgebiet, zu dem lediglich ein mit einer Schranke versehener Schotterweg führt, sprach ihrer Meinung nach für einen gezielten Hinterhalt. Ebenso wie die Tatsache, dass kein Sichtkontakt zu den Nachbarn bestand.

Die waren aber ohnehin nur noch an den Wochenenden anwesend, denn die Fellesferien, also die gemeinsame Sommerferienzeit, in der in Norwegen die Schulen und viele Betriebe geschlossen sind, war bereits zu Ende.

Das besagte Forum, dessen Slogan "Richtige Meinungsfreiheit" lautet, gehört zu den meistbesuchten schwedischen Webseiten. Weil dort auch Postings in anderen skandinavischen Sprachen erlaubt sind, werden aktuelle Ereignisse unter anderem auch von Norwegern diskutiert.

Im Fall Lastebil-Jonas waren auch Menschen darunter, die sich in Henriksens Wohnort angeblich gut auskannten und rasch den Verdacht auf konkrete, namentlich genannte Personen lenkten. In einigen Beiträgen wurde allerdings auch gegen Ausländer gehetzt, die angeblich einer Art Nutzfahrzeuge-Mafia angehörten und sich an Jonas Erfolg gestört hätten.

Für das Forum, das wegen Nazi-Postings immer wieder in der Kritik steht, eine schwierige Situation – die man dadurch zu lösen versuchte, dass User mit norwegischen IP-Adressen immer dann für ein paar Tage gesperrt wurden, wenn bei der Verbreitung von Gerüchten und Mutmaßungen besonders übertrieben wurde.

Der perfekte Hinterhalt

Am 19. August gab die Polizei bekannt, dass Henriksen erschossen worden war. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wurden kaum weitere Details bekanntgegeben, das erledigten Journalisten und die Betreiber des Podcasts, an den sich Jonas kurz vor seinem Tod gewandt hatte.

Sie fanden einiges über die mutmaßlichen Täter heraus: Sie hatten für die Anfahrt zum späteren Tatort wohl gezielt eine Strecke ohne Videoüberwachung benutzt und die eigentlich zum Schutz vor Unbefugten installierte gesicherte Schranke auf dem zur Hütte führenden Schotterweg ausgehebelt.

Außerdem hatten sie offenbar den Mord geübt, am Wochenende davor hatten Anwohner mehrmals Schüsse gehört, dies aber auf den Beginn der Jagdsaison zurückgeführt. Die Besitzerin der Hütte, eine ältere Dame, hatte Henriksen überdies keinen Auftrag erteilt, schließlich befand sich auf dem Grundstück bereits ein tadellos funktionierender Brunnen.

Er wurde stattdessen in eine gezielt aufgestellte Falle gelockt, die Täter hatten für die Kontaktaufnahme ein Handy benutzt, das sie mit einer mutmaßlich im Darknet erworbenen gefälschten Identität angemeldet hatten.

Der mutmaßliche Tathergang

Später stellte sich heraus, dass der Mord an der Ferienhütte wohl bloß der Plan B der Täter gewesen war: Zuvor hatten sie offenbar bereits mehrmals erfolglos versucht(öffnet im neuen Fenster) , Lastebil-Jonas telefonisch zum Abschleppen eines angeblich havarierten Fahrzeugs in abgelegene Gegenden zu locken.

Dazu benutzten sie ein auf die gleiche Falsch-Identität zugelassenes Handy, die sie schließlich auch für die Vorbereitung des späteren Mordes verwendeten. Warum Jonas auf diese Versuche nicht hereinfiel und was daran sein Misstrauen erregte, ist nicht bekannt.

Henriksen hatte keine Chance

Die Mail der angeblich älteren Dame klang für ihn wohl authentisch. Brunnenbohrungen gehörten zudem zu seinem Geschäftsalltag. Bis heute gibt es in zahlreichen der Hytte genannten Ferienhäusern weder Strom noch fließendes Wasser. Und entsprechend auch keine Toilette: Das Utedo, also das Außenklo, wird aber nicht automatisch als unzivilisierte, rückständige Einrichtung betrachtet. Im Sommer bringen norwegische Zeitungen regelmäßig Fotos, mit denen stolze Besitzer besonders idyllische Ausblicke auf Fjorde, Berge oder die Tierwelt ihrer Umgebung dokumentieren.

Henriksen ging wohl davon aus, dass die Auftraggeberin eine naturverbundene Dame wäre, die sich – wie es häufig passiert – mit zunehmendem Alter nach mehr Komfort sehnte, statt beispielsweise schwere Wasserkanister in ihre Hytte zu schleppen oder nachts mit Taschenlampe ausgerüstet durch den Wald zur Toilette zu gehen.

Schüsse auf der Veranda

Nach allem, was bekannt wurde(öffnet im neuen Fenster) , lauerten die Täter Henriksen nicht auf dem zur Hütte führenden Weg auf(öffnet im neuen Fenster) . Er fuhr vielmehr dorthin und stieg aus(öffnet im neuen Fenster) – ob er dabei schon erkannte, dass es bereits einen Brunnen auf dem Grundstück gab, ist nicht klar.

Der Angriff auf ihn erfolgte auf der Veranda, das geht aus Zeitungsfotos hervor, die zeigen, wie Kripobeamte einzelne Bretter mit Einschusslöchern ähnelnden Beschädigungen der Holzterrasse als Beweismittel sicherten. Auch ein auf dem Grundstück stehender Baum wurde im Zuge der Ermittlungen abgesägt und beweissicher verpackt, weil die Täter auf ihn wohl unter anderem Wochen vor der eigentlichen Tat übungshalber geschossen hatten.

Der vermutlich schwer verletzte Jonas flüchtete wohl in sein Auto und fuhr los. Ob er in der Kurve, in der er schließlich von seinen Kollegen gefunden wurde, anhielt, um telefonisch Hilfe herbeizurufen, ist nicht bekannt. Sein Handy wurde bis heute nicht gefunden.

Fünf Tatverdächtige verhaftet – Prozess gegen vier begann am 25. Februar

Im Herbst 2023 wurden schließlich fünf Männer im Alter zwischen 25 und 32 Jahren als dringend tatverdächtig verhaftet, interessanterweise waren sie schon in besagtem Forum als Verdächtige bezeichnet worden. Auch die Herkunft der Tatwaffe wurde geklärt: Eine als "in ihren Zwanzigern" beschriebene junge Frau, die mit einem der Verhafteten befreundet gewesen war, hatte ihm für umgerechnet rund 1.500 Euro zwei von ihrem Großvater geerbte Pistolen und die dazugehörige Munition verkauft. Sie wurde mittlerweile zu einer 30-tägigen Haftstrafe verurteilt(öffnet im neuen Fenster) .

Der mutmaßliche Haupttäter und Tatanstifter ist den Ermittlungen zufolge ein damals 32-Jähriger, der wegen insgesamt sieben Gewaltdelikten und einem Drogenvergehen vorbestraft ist. Dieser Mann und Henriksen waren miteinander bekannt, norwegischen Medien zufolge war er eifersüchtig auf den erfolgreichen Influencer. Der Mann sagte während eines Haftprüfungstermins: "Ich bin dahingehend schuldig, dass ich Gewalt bestellt habe, aber keinen Mord." Es sei nie Thema gewesen, dass jemand sterben solle.

Für die Planung der Tat war laut Polizei ein weiterer damals 32-Jähriger zuständig, der ebenfalls wegen Gewalt und Drogen vorbestraft ist. Unter anderem hatte er 2019 einer Frau den Kiefer gebrochen.

Der Mann gab zu, Henriksen vor dem Mord bedroht und Sachbeschädigungen begangen zu haben. Er bestätigte auch, dass er die Waffen besorgt und an den späteren Schützen, einen heute 29-Jährigen, übergeben habe. Für den Tattag habe er jedoch ein Alibi. Ein Mord sei überdies nicht geplant gewesen, vielmehr habe man die Reifen von Henriksens Fahrzeugen damit durchschießen wollen.

Auf Youtube habe er nämlich gesehen, dass Reifen explodieren könnten, wenn man sie mit einem Messer traktiere. Der Konkurs der beiden Firmen von Lastebil-Jonas sei das Ziel gewesen. Insgesamt habe er sich am Terror gegen Henriksen nur beteiligt, weil er dem Auftraggeber Geld geschuldet habe. Henriksen und er kannten einander auch nur vom Sehen, weil beide nicht sehr weit entfernt voneinander wohnten. Allerdings hatten die Männer gemeinsame Bekannte.

Prozessbeginn am 25. Februar 2025

Vorgestern (25. Februar 2025) begann der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter. Im Fall von Schuldsprüchen hat Henriksens Familie Anrecht auf Schmerzensgeld, dazu kommt, dass auch für die nunmehr im Familienbesitz befindlichen Firmen von Henriksen Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden könne, die sich laut Experten auf mehrere Hunderttausend Euro belaufen dürften.

Die Konten des mutmaßlichen Anstifters waren im Dezember 2023 von der Staatsanwaltschaft gepfändet worden, zu diesem Zeitpunkt belief sich sein dort vorhandenes Vermögen dem Fernsehsender NRK zufolge auf rund 120.000 Euro. Kurz darauf entschied jedoch ein Gericht, dass die Pfändung aufgehoben werden müsse – sehr zum Ärger der Staatsanwaltschaft.

Denn wenn ein Verurteilter kein Geld für die Opferentschädigung hat, können zwar seine Immobilien beschlagnahmt werden, aber nur, wenn sie ihm tatsächlich gehören. Sein Haus hatte der Hauptverdächtige aber im Juli 2024 für 0 Kronen an ein Familienmitglied verkauft.

Henriksens Familie betonte jedoch bereits, dass es ihr nicht um das Geld gehe, sondern darum, dass "die Verantwortlichen verurteilt werden. Dass jemand für alles verantwortlich gemacht wird, was Jonas in den Jahren vor seinem Tod erlebt hat, und natürlich auch dafür, dass er getötet wurde."

Erste Einlassungen des mutmaßlichen Täters

Am ersten Prozesstag sagte der Mann aus, der laut Staatsanwaltschaft schon Monate vor dem Tod von Jonas angeheuert wurde, um ihn körperlich zu attackieren. Der heute 29 Jahre alte Angeklagte bestätigte dies in seiner Aussage. Der ebenfalls angeklagte Auftraggeber habe ihm gegenüber erklärt, Jonas sei ein Verräter und müsse dafür büßen.

Es sei aber lediglich geplant gewesen, Henriksen zu verletzen. Die Tat schilderte er so: "Ich hob die Pistole, hatte Augenkontakt zu ihm und drückte ab. Er fiel um. Ich bewegte mich zu ihm, da stand er auf und lief weg. Ich holte ihn ein und feuerte einen Schuss auf seine Knie ab, und danach schoss ich noch zweimal auf ihn." Er habe impulsiv und nicht geplant gehandelt, sagte der Angeklagte weiter. Ein gezielter Mord sei es nicht gewesen.

Staatsanwältin Vibeke Gjøslien hatte allerdings zu Prozessbeginn gesagt, dass Henriksen mit zwei Schüssen von hinten umgebracht wurde, er sei in seinem Wagen sitzend an inneren Blutungen gestorben.

Schaulustige am Ferienhaus

Sogar für die Inhaberin des Ferienhauses und ihre Familie hat der Mord an Jonas Henriksen einiges geändert, unbekümmerte Urlaubstage gibt es nicht mehr: Nachdem die polizeilichen Ermittlungen am Tatort beendet waren und das Absperrband rund um das Grundstück entfernt wurde, zieht es regelmäßig Schaulustige an den Ort des Verbrechens.

Ein Verwandter der Frau sagte letzten Sommer der Lokalzeitung Ringerikes Blad, dass es schon "etwas speziell" sei, dass plötzlich so viele Leute den Tatort besichtigen wollten, die sich zuvor für die abgelegene Gegend nie interessiert hätten. Die Familie zog mittlerweile Konsequenzen und installierte Überwachungskameras, die via Handy alarmieren, wenn sich jemand dem Areal nähert.


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