Abo
  • IT-Karriere:

Krieg: Vom Modder zum Marine

Andrew Barron hat als Modder für das Actionspiel Operation Flashpoint angefangen, Simulationen für Soldaten entwickelt, und war dann selbst im Krieg. Er erklärt, was viele Actionspiele besser machen könnten.

Artikel veröffentlicht am ,
Andrew Barron auf der GDC 2018
Andrew Barron auf der GDC 2018 (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Krieg ist kein "Hero Shit": Den Begriff benutzt Andrew Barron während seines Vortrags auf der Spieleentwicklermesse GDC 2018 ziemlich oft. Er hat den Ausdruck offenbar immer wieder gehört - etwa von Kameraden, die mit ihm während seiner Zeit in Afghanistan ernsthaft erwartet hatten, sich wie in Call of Duty epische Gefechte zu liefern. Barron hat auf der Game Developers Conferene nicht die Absicht, solche Actionspiele zu verdammen. Er weist lediglich auf einige Punkte hin, die seiner Meinung nach in vielen der erstaunlich oft als authentisch vermarkteten Titel einfach nicht stimmig sind.

Stellenmarkt
  1. Haufe Group, Freiburg im Breisgau
  2. Hochschule Heilbronn, Heilbronn

Es gibt vermutlich wenige Brancheninsider, die sich mit dem Thema so gut auskennen wie Barron. Der US-Amerikaner hat 2002 für das damals hochgelobte Actionspiel Operation Flashpoint von Bohemia Interactive an Mods gearbeitet. Später hat er für Bohemia Interactive Simulations (einen Ableger des Spielestudios) Simulationen wie Virtual Battlespace (VBS) entwickelt, mit denen echte Armeen ihre Soldaten ausbilden. Und er war ab 2012 für sieben Monate als Marine in Afghanistan. Derzeit arbeitet er wieder bei Bohemia Interactive Simulations.

Aus einer bestimmten Perspektive, so Barron, seien Kriegsspiele oft gewalthaltiger als echter Krieg. "Militärs greifen am liebsten mit dreimal so vielen Soldaten wie der Feind an, also etwa mit 90 Mann gegen 30 Gegner". In einem Spiel trete der Spieler aber oft als Ein-Mann-Armee gegen riesige Verbände an - was auf bestimmte Art tatsächlich brutaler sei, jedenfalls hätten das einige seiner Kameraden tatsächlich so erlebt.

Zumindest in den gefährlichsten Gegenden von Afghanistan hätten die Tage normalerweise nicht aus Kämpfen, sondern schlicht aus vielen Gesprächen mit Zivilisten und allgemeiner Hilfe für die Bevölkerung bestanden. In Spielen ist das natürlich auf Dauer zu langweilig, aber ein paar authentische Elemente könnte man durchaus verwenden. So gebe es in einigen - nicht allen! - Konflikten das ungeschriebene Gesetz, dass kein Soldat jemanden angreift, der seine Waffe auf dem Rücken statt in der Hand trägt.

Krieg sei oft erstaunlich komplex, findet Barron. Die vielen teils jahrhundertealten Fehden zwischen Stämmen, Familien und Dörfern in Afghanistan hätten ihn teilweise an Game of Thrones erinnert. Diese Vielschichtigkeit zwischen der großen globalen Politik, den mittleren Auseinandersetzungen und eben den kleinen Feindschaften würden nicht viele Spiele glaubwürdig umsetzen. Am ehesten sei das noch in Crusader Kings 2 zu finden, teils auch in The Witcher 3.

Eine der größten Herausforderungen für Soldaten sei es außerdem, sehr schnell Entscheidungen mit enormen Auswirkungen treffen zu müssen, ohne auch nur annähernd alle Fakten zu kennen. Dieses sehr spezielle Element könnten Actionspiele seiner Meinung nach aus den Adventures von Telltale Games (The Walking Dead) übernehmen, wo der Spieler immer wieder unvermittelt unter Zeitdruck seine Wahl treffen muss. Allerdings hat das bei Telltale meist keine Auswirkungen - im Krieg kann es über Leben oder Tod entscheiden, und zwar ohne Savegame.

Barron nennt drei Spiele, die seiner Meinung nach am ehesten dem nahekommen, was er sich unter einer gelungenen Umsetzung von Krieg in Spielen vorstellt. Das eine ist den in Deutschland entwickelten Anti-Kriegs-Shooter Spec Ops: The Line (Test auf Golem.de). Er nennt beispielhaft eine verstörende Szene, in der der Spieler massiv von Zivilisten bedrängt wird, als besonders authentisch.

Das zweite ist This War of Mine, das sehr treffend die düstere und zutiefst verstörenden Vorgänge in echten Kriegen umgesetzt habe. Das dritte Spiel stammt von Bohemia selbst: Es ist die Erweiterung Laws of War für Arma 3, in der der Spieler als Minenräumer unterwegs ist. Das Programm sei zwar oft als Walking Simulator (Spazierengehsimulation) verspottet worden, aber eigentlich gehe es darum, zu Fuß nach Minen zu suchen und diese unschädlich zu machen - das sei eine durchaus typische Situation in echten Kriegseinsätzen.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 177,90€ + Versand (Bestpreis!)
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  3. 83,90€

Arsenal 22. Mär 2018

Hat mit gut gefallen damals. Im Endeffekt war es mir zu schwer, ich glaube schon die...

theFiend 21. Mär 2018

Naja, der hier und da geforderte "realismusgrad" bezieht sich oft garnicht auf reale...

gesmir 21. Mär 2018

Authentisch wäre wahrscheinlich passender gewesen.


Folgen Sie uns
       


Days Gone - Fazit

In Days Gone sind wir als Rocker Deacon St. John im zerstörten Oregon unterwegs und erleben das ganz große Abenteuer.

Days Gone - Fazit Video aufrufen
Zulassung autonomer Autos: Der Mensch fährt besser als gedacht
Zulassung autonomer Autos
Der Mensch fährt besser als gedacht

Mehrere Jahre haben Wissenschaftler und Autokonzerne an Testverfahren für einen Autobahnpiloten geforscht. Die Ergebnisse sprechen für den umfangreichen Einsatz von Simulation. Und gegen den schnellen Einsatz der Technik.
Von Friedhelm Greis

  1. Autonomes Fahren US-Post testet Überlandfahrten ohne Fahrer
  2. Mercedes-Sicherheitsstudie Wenn das Warndreieck autonom aus dem Auto fährt
  3. Einride T-Pod Autonomer Lkw fährt in Schweden Waren aus

Bundestagsanhörung: Beim NetzDG drohen erste Bußgelder
Bundestagsanhörung
Beim NetzDG drohen erste Bußgelder

Aufgrund des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes laufen mittlerweile über 70 Verfahren gegen Betreiber sozialer Netzwerke. Das erklärte der zuständige Behördenchef bei einer Anhörung im Bundestag. Die Regeln gegen Hass und Hetze auf Facebook & Co. entzweien nach wie vor die Expertenwelt.
Ein Bericht von Justus Staufburg

  1. NetzDG Grüne halten Löschberichte für "trügerisch unspektakulär"
  2. NetzDG Justizministerium sieht Gesetz gegen Hass im Netz als Erfolg
  3. Virtuelles Hausrecht Facebook muss beim Löschen Meinungsfreiheit beachten

Kontist, N26, Holvi: Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer
Kontist, N26, Holvi
Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer

Ein mobiles und dazu noch kostenloses Geschäftskonto für Freiberufler versprechen Startups wie Kontist, N26 oder Holvi. Doch sind die Newcomer eine Alternative zu den Freelancer-Konten der großen Filialbanken? Ja, sind sie - mit einer kleinen Einschränkung.
Von Björn König


      •  /