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Krieg in der Ukraine: Strahlung in Tschernobyl steigt nach russischer Besetzung

Militärfahrzeuge und die Kämpfe um Tschernobyl haben zu einem Anstieg der radiokativen Strahlung in Tschernobyl geführt.
/ Werner Pluta
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Twitter-Video von russischen Truppen in Tschernobyl (Bild: Twitter/Screenshot: Golem.de)
Twitter-Video von russischen Truppen in Tschernobyl Bild: Twitter/Screenshot: Golem.de

Russische Truppen haben am ersten Tag der Invasion der Ukraine das zerstörte Atomkraftwerk in Tschernobyl eingenommen. Ukrainische Soldaten hatten vergeblich versucht, das Gebiet zu verteidigen. Es sollen keine Menschen getötet worden sein.

Der belarussische Journalist Tadeusz Giczan hat auf Twitter ein Video veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) , das Panzer und Soldaten in Tschernobyl zeigt. Die ukrainische Regierung bestätigte die Einnahme des Atomkraftwerks. Die Eroberer hätten das Personal gefangengenommen

Mychailo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sagte laut einem Bericht der Tagesschau(öffnet im neuen Fenster) , der Zustand der alten Reaktoranlage, der Schutzhülle über dem hochgradig radioaktiven Unglücksreaktor und des Lagers für Kernbrennstoffe sei nicht bekannt. "Es ist unmöglich zu sagen, ob das Kraftwerk sicher ist" , sagte Podoljak. Es handele sich um "eine der schwersten Bedrohungen für Europa" .

In Tschernobyl wurde gekämpft

Nach offiziellen ukrainischen Angaben wurde Tschernobyl nach schweren Kämpfen eingenommen. Bei dem Beschuss sei ein Lager für radioaktive Abfälle getroffen worden. Die ukrainische Atombehörde habe einen Anstieg der Gammastrahlung über das normale Maß hinaus gemeldet, berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP)(öffnet im neuen Fenster) . Details seien zunächst nicht genannt worden.

Laut dem automatisierten Messsystem vor Ort ist die Strahlung zum Teil stark angestiegen. An einigen Stellen wurde das 20-Fache der üblichen Werte gemessen. Das zeigt eine Karte, die das ukrainische Parlament am Morgen des 25. Februar über Twitter verbreitet(öffnet im neuen Fenster) hat.

Die Atombehörde führt den Strahlungsanstieg laut AP auf eine "Störung der oberen Bodenschichten" und auf die "Freisetzung von kontaminiertem radioaktiven Staub in die Luft" zurück. Auslöser waren Bewegungen schwerer militärischer Ausrüstung durch die Sperrzone und die Gefechte.

Die IEAE ist besorgt

Die Internationale Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency, IAEA) wurde nach eigenen Angaben(öffnet im neuen Fenster) von der ukrainischen Regierung über die Entwicklung vor Ort informiert. Man verfolge die Situation in der Ukraine mit großer Sorge, sagte IAEA-Direktor Rafael Mariano Grossi.

Grossi forderte von allen Beteiligten höchste Zurückhaltung, um alles zu vermeiden, was die nuklearen Einrichtungen des Landes gefährden könnte. "Im Einklang mit ihrem Mandat verfolgt die IAEA die Entwicklungen in der Ukraine mit besonderem Augenmerk auf die Sicherheit der Atomkraftwerke und anderer nuklearer Einrichtungen des Landes."

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Die gesamte Anlage muss ständig überwacht werden. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass der sichere Betrieb der kerntechnischen Anlagen in dieser Zone in keiner Weise beeinträchtigt oder gestört werde, sagte Grossi.

Block 4 des Atomkraftwerks in Tschernobyl war im April 1986 explodiert, es kam zu einer Kernschmelze. Infolgedessen wurden große Mengen strahlenden Materials freigesetzt, das bis nach Westeuropa zog. Seither ist das Gebiet eine Sperrzone. Über dem Reaktor wurde noch im Jahr der Katastrophe eine Schutzhülle errichtet, um das weitere Austreten strahlenden Materials zu verhindern. Nachdem der sogenannte Sarkophag marode wurde, wurde ab 2010 eine neue Schutzhülle gebaut, die seit 2016 den zerstörten Reaktorblock abschottet. Zudem gibt es dort ein Atommülllager.

Unklar ist der Grund für die Einnahme Tschernobyls. Die Invasoren waren vom Nachbarland Belarus aus nach Süden in die Ukraine vorgedrungen. Von ihrem Aufmarschgebiet aus liegt das Gebiet auf dem Weg zur ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Allerdings sind auch andere Gründe denkbar: Russland wolle damit das westliche Verteidigungsbündnis Nato davon abzuhalten, sich in den Krieg einzumischen, sagte eine namentlich nicht genannte Quelle aus dem Umfeld der russischen Regierung der britischen Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster) .


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