Krieg in der Ukraine: Deutsche Atomkraftwerke werden nicht länger laufen

Wo soll der Strom herkommen? Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf unsere Energieversorgung. Es gab bereits Forderungen, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Die Bundesregierung ist jedoch dagegen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) hatten einen Weiterbetrieb von sechs Atomkraftwerken geprüft(öffnet im neuen Fenster) . Drei davon waren zum Jahreswechsel stillgelegt worden, die anderen drei werden zum 31.12. diesen Jahres abgeschaltet.
Laut Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) seien in den vergangenen Wochen die Pro- und Contra-Argumente sowie die verschiedenen Risiken gründlich abgewogen worden. Das Votum fiel klar aus: "Beide Ministerien kommen zu dem Ergebnis, dass eine Verlängerung der Laufzeiten nur einen sehr begrenzten Beitrag zur Lösung des Problems leisten könnte, und dies zu sehr hohen wirtschaftlichen Kosten, verfassungsrechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken" , heißt es in einer gemeinsamen Erklärung (öffnet im neuen Fenster) .
Nutzen und Risiken wurden abgewogen
"Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken ist eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen" , schreiben die Ministerien weiter. Derzeit laufen noch die Atomkraftwerke Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2. Zum Jahresende 2021 wurden Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C abgeschaltet. Eine Wiederinbetriebnahme der bereits abgeschalteten Anlagen käme nach Angaben der Ministerien juristisch einer Neugenehmigung gleich.
"Aus Sicherheitsgründen wäre die Laufzeit-Verlängerung für eine Hochrisikotechnologie gerade jetzt nicht verantwortbar" , sagte Lemke der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "In einer Krisenzeit sollten wir erst recht keinerlei Abstriche bei der Sicherheit in Kauf nehmen." Aufgabe der Bundesregierung sei jetzt, die "Energieversorgung sehr schnell krisenfest zu machen."
Dazu gehört laut den Ministerien unter anderem den Ausbau von erneuerbaren Energien voranzutreiben, vor allem aber, "die Importabhängigkeit von Russland konsequent zu reduzieren" . Hier treffe die Regierung bereits Vorkehrungen, um die Gasspeicher zu füllen und Kohlereserven anzulegen. Auch die Energieversorger sorgten vor und diversifizierten die Importe. Der Brüsseler Thinktank Bruegel hat kürzlich eine Studie vorgelegt, wie Europa sich von russischen Gasimporten unabhängig machen kann.