Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Krebstherapie bei Hund: Die Mär von ChatGPT, das die Krebstherapie revolutionierte

Ein Australier hat die Krebstherapie seines Hundes in die eigene Hand genommen – mit KI . Doch die Hauptarbeit haben Menschen geleistet.
/ Johannes Hiltscher
11 Kommentare undefined News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Hündin Rosie geht es dank individueller Therapie wieder deutlich besser. (Bild: Tom Melville/UNSW Sydney)
Hündin Rosie geht es dank individueller Therapie wieder deutlich besser. Bild: Tom Melville/UNSW Sydney
Inhalt
  1. Krebstherapie bei Hund: Die Mär von ChatGPT, das die Krebstherapie revolutionierte
  2. Deutliche Besserung, aber keine Heilung

Es ist eine bewegende Geschichte, die gerade durch das Internet geht: Ein Australier hat die Krebserkrankung seines Hundes dank KI erfolgreich behandelt – so behaupten(öffnet im neuen Fenster) einige Schlagzeilen(öffnet im neuen Fenster) . Auch The Australian(öffnet im neuen Fenster) , die die Geschichte ausführlich berichtet, macht die KI zum zentralen Akteur. Tatsächlich ist die Geschichte wahr, letzten Endes handelt sie aber von menschlicher Ausdauer, auch wenn KI ein wichtiges Hilfsmittel war.

Aber der Reihe nach. 2024 wurde bei Rosie, der Hündin von Paul Conyngham aus Sydney, ein Mastzelltumor(öffnet im neuen Fenster) diagnostiziert. Diese Krebsart ist bei Hunden häufig und oft aggressiv. Eine operative Entfernung und Chemotherapie brachten keine Heilung, also suchte Conyngham mit ChatGPT nach Alternativen. An der Stelle vermuteten wir eine der üblichen Geschichten zu angeblichen Wundermitteln – dazu später noch mehr.

Der Chatbot machte aber hilfreiche Vorschläge: Eine mRNA- oder Immuntherapie(öffnet im neuen Fenster) könnten helfen. mRNA-Therapien sind ein großer Hoffnungsträger in der Krebstherapie, Immuntherapien ein zumindest teilweise etablierter Ansatz. Beide haben das Ziel, das Immunsystem für veränderte Proteine der Krebszellen zu sensibilisieren, damit es diese angreift.

Im Gegensatz zur Chemotherapie ist dieser Ansatz der Immuntherapie selektiv, schädigt also nicht alle Zellen. Conyngham recherchierte weiter und wandte sich an Wissenschaftler der University of New South Wales (UNSW) in Sydney.

Die Revolution war nicht ChatGPT

Er überzeugte sie, die DNA des Tumors sowie von Blutzellen zu sequenzieren. Anhand der Unterschiede der Genome wollte er Proteine identifizieren, die für die Immuntherapie nutzbar wären.

Conyngham ist zwar weder Mediziner noch Biologe, arbeitet aber seit Jahren im Bereich Machine Learning. Entsprechend dürfte ihm ein anderes KI-Werkzeug bekannt gewesen sein, das eine wesentlich größere Rolle spielte als ChatGPT: das von Alphabets Deepmind entwickelte Alphafold . Für Biologie und Medizin ist Alphafold tatsächlich eine Revolution, weshalb zwei seiner Entwickler 2024 den Nobelpreis für Chemie erhielten .

Neben Alphafold spielte noch etwas anderes eine Rolle: Geld. 3.000 Australische Dollar, aktuell rund 1.850 Euro, kostete die Sequenzierung der Genome. Die muss man erst einmal haben, dennoch ist es ein fast lächerlicher Betrag, wie die UNSW in einem bereits 2025 erschienen Artikel(öffnet im neuen Fenster) über Rosie schreibt: Die erste Sequenzierung des menschlichen Genoms kostete Milliarden, leistungsfähigere Maschinen reduzierten Aufwand und Kosten enorm.

Krebs bleibt trotz besserer Technik "Mist"

Zum Auffinden von Unterschieden in Genomen hingegen existieren bereits lange klassische Algorithmen, die oft auch Beispiel in Universitätsvorlesungen sind. Tatsächlich fand Conyngham mithilfe von Alphafold ein Protein, für das ein Immuntherapeutikum existiert – und war eigentlich gar nicht für Mastzelltumoren vorgesehen.

Doch auch hier war der Weg aufwendiger, als viele Berichte erwarten lassen: Der Artikel der UNSW weist darauf hin, dass Alphafold, wie jede KI, nicht fehlerfrei ist. Entsprechend müssten Ergebnisse im Labor validiert werden, weshalb Krebstherapie trotz wesentlich besserer Technik aufwendig bleibe. "Krebs ist Mist" , fasst es die Biologin Kate Michie von der UNSW zusammen.

Hündin Rosie hatte Glück, einen engagierten Besitzer zu haben, der es sich leisten konnte, viel Geld und Zeit zu investieren, und dem es gelang, motivierte Forscher für ihre Therapie zu gewinnen – die sie dann aber zunächst doch nicht bekam.


Relevante Themen