Deutliche Besserung, aber keine Heilung
Das wohl größte Problem scheint gewesen zu sein(öffnet im neuen Fenster) , einen Veterinärmediziner zu finden, der die Erlaubnis der Ethikkommission für die Durchführung der Therapie erhielt. Schließlich musste Rosie dafür nach Brisbane an die University of Queensland gebracht werden. Den Kontakt stellte ein Forscher aus den USA her – was bereits den Aufwand verdeutlicht, den Conyngham und eine Reihe anderer Menschen investierten.
Letztlich wurde Rosie sowohl mit mRNA- als auch mit Immuntherapie behandelt. Einige Tumoren gingen tatsächlich deutlich zurück, andere hingegen reagierten nicht. Paul Conyngham macht selbst deutlich, dass Rosie nicht geheilt ist. Doch es gehe ihr deutlich besser, sie spiele wieder mit anderen Hunden und renne durch den Park, was sie zuvor aufgrund der Tumoren nicht mehr gekonnt habe.
Unklar ist zudem, welche Therapie letztlich ausschlaggebend war, oder ob es das Zusammenspiel war. Da mRNA- und Immuntherapie parallel erfolgten, lassen sich ihre Effekte nicht trennen. Dennoch sind die beteiligten Forscher zufrieden: Rosie zeige das Potenzial für neue Ansätze in der Krebstherapie. Ein Wundermittel fanden sie allerdings nicht – und ChatGPT schon gar nicht.
Ohne erfahrene Menschen nur ein wirkloses Werkzeug
ChatGPT revolutionierte also keineswegs die Krebstherapie. Es eignet sich als Recherche-Tool, und diese Aufgabe erledigt es erstaunlich gut.
Wir waren skeptisch, ob ein Sprachmodell, das quasi mit dem Komplettinhalt des Internets trainiert wurde, gute Vorschläge macht. Schließlich kursieren eine Menge angeblicher Wundermittel und einige Scharlatane machen mit der Verzweiflung Krebskranker gute Geschäfte. Und Raubjournale publizieren regelmäßig Studien zweifelhafter Qualität.
Auf Nachfrage lieferte uns ChatGPT zwar angebliche Therapieansätze aus der sogenannten Alternativmedizin, wies aber deutlich auf fehlende Evidenz und Gefahren sowie auf effektive Maßnahmen der Medizin und Palliativmedizin hin. Damit erschöpft sich allerdings der Beitrag des Chatbots.
Ohne die Ausdauer von Paul Conyngham, der Geld und Zeit investierte, sowie die Expertise einer Reihe von Forschern und die ihnen zur Verfügung stehende Technik hätte es die Geschichte von Rosie nicht gegeben. Und wenn eine KI ein Star der Geschichte sein sollte, ist es Alphafold. Was die Geschichte ebenfalls zeigt, ist der immense Fortschritt der Medizin in den vergangenen Jahrzehnten. Bis der sich in der medizinischen Praxis zeigt, dauert es wohl noch ein wenig – aber Grund zum Optimismus gibt es.
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