• IT-Karriere:
  • Services:

Kreative Maschinen: Kunst, ausgerechnet!

Komponierende Computer, schreibende Algorithmen und malende Roboter rütteln an einem der letzten Unterschiede zwischen Mensch und Maschine: der Fähigkeit zur Kreativität.

Artikel veröffentlicht am , Lydia Heller
Dancing Salesmen Problem: ein Bild von dem Programm Painting Fool
Dancing Salesmen Problem: ein Bild von dem Programm Painting Fool (Bild: Thepaintingfool.com)

Iamus ist knapp drei Jahre alt und hat bereits rund eine Milliarde Songs jedes erdenklichen Genres geschrieben. Er hat ein Album herausgebracht und Symphonien komponiert, die das renommierte London Symphony Orchestra so überzeugten, dass es sich zu Aufnahmen bereiterklärte.

  • Der Computer malt: Sad von der Malsoftware Painting Fool (Bild: Thepaintingfool.com)
  • The Dancing Salesmen Problem, ebenfalls vom Painting Fool (Bild: Thepaintingfool.com)
Der Computer malt: Sad von der Malsoftware Painting Fool (Bild: Thepaintingfool.com)

Dabei strebt Iamus nicht nach Ruhm. Er kennt keine Starallüren - aber auch keine Liebe und keinen Schmerz. Statt ein Instrument zu spielen, rechnet er. Iamus ist ein Supercomputer, entwickelt an der Universität von Málaga in Spanien und benannt nach dem Sohn des Gottes Apoll aus der griechischen Mythologie, der die Sprache der Vögel verstehen konnte. Er hat die Rechenleistung einiger Hundert moderner PCs und verarbeitet den Algorithmus Melomic.

Bekommt Iamus Vorgaben, etwa eine bestimmte Stimmung oder bestimmte Instrumente, braucht er rund acht Minuten, um danach ein Musikstück zu komponieren. Die Ergebnisse halten einem Vergleich mit von Menschen erdachten Kompositionen durchaus stand: Die britische Zeitung The Guardian etwa stellte Ende vergangenen Jahres fünf Musikstücke zum Anhören auf ihre Webseite und fragte die Leser, welches davon ihrer Meinung nach von einem Computer komponiert worden sei. Ein Viertel der Leute tippte richtig und identifizierte die Iamus-Komposition Hello World als Werk eines Algorithmus. Ein Drittel aber hielt ein Stück von Gustav Mahler für die Maschinen-Komposition.

Computer in der Welt der Gefühle

Der Wunsch, mit Computern auch das Feld der Kunst, der Sinne, Gefühle und Fantasie zu ergründen, ist nicht neu: Bereits Anfang der 1970er Jahre entwickelte der britische Künstler und Informatiker Harold Cohen seinen Mal-Algorithmus Aaron, dessen Bilder schon bald in Museen für zeitgenössische Kunst ausgestellt wurden. Als eigentliches Kunstwerk allerdings sahen viele Kritiker die Software Aaron selbst. Deren Bilder galten als Nebenprodukte und fanden nur wenig Anklang.

Stellenmarkt
  1. ITEOS, Stuttgart
  2. finanzen.de, Berlin

Ende der 1980er Jahre schrieb der Musiker und Programmierer David Cope, seinerzeit Professor an der Universität Santa Cruz in Kalifornien, die Software Experiments in Musical Intelligence, kurz EMI. Sie analysiert die Muster in Werken großer Komponisten und liefert eigene Kompositionen im Stil etwa von Bach oder Mozart. Veröffentlicht auf einer inzwischen eindrucksvollen Anzahl von CDs mit "Classical Music Composed by Computer", von "Virtual Bach" bis "Virtual Rachmaninoff".

Heute komponieren Computerprogramme nicht nur Musik, die von renommierten Musikern ernstgenommen wird. Sie verfassen auch Berichte über Baseball- und Fußballspiele, schreiben Gedichte, designen Computerspiele. Sie beginnen, selbstständig zu arbeiten und Ideen zu entwickeln. Sie beginnen, kreativ zu sein. "Es geht heute um mehr als nur darum, eine Software zu bauen, die zum Beispiel ein Bild malen kann", sagt Simon Colton, Informatiker in der Arbeitsgruppe für Künstliche Kreativität am Imperial College in London. "Es geht um die dahinter stehende Intelligenz. Es geht um die Fähigkeiten, die nötig sind, um sich etwas ausdenken, entwerfen und dann auch umsetzen zu können."

Colton selbst arbeitet seit etwa fünf Jahren am Painting Fool (malender Narr), einem Programm, mit dem er die Potenziale maschineller Kreativität auslotet: "Das Ziel ist eine Software, die ihre eigenen Bildideen findet, diese dann auch malt und die am Ende ihre Arbeitsschritte nachvollziehen kann." Eines Tages, hofft der Wissenschaftler, wird der Painting Fool als eigenständiger kreativer Künstler ernstgenommen werden. Nur: Können Algorithmen wirklich kreativ sein? Sind sie - und das, was sie hervorbringen - nicht immer ein Abbild der Kreativität ihrer Programmierer?

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Trauer kreieren, ohne traurig zu sein 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 2,62€
  2. (-40%) 23,99€
  3. (-40%) 32,99€
  4. 37,49€

GodsBoss 01. Sep 2013

Es bisher keinen einzigen stichhaltigen Beleg dafür, dass Menschen nichts weiter sind als...

Yeeeeeeeeha 30. Aug 2013

Eigentlich meinte ich, dass man beides auch zu einem von einem Menschen geschaffenen...

mimimi 29. Aug 2013

Darüber kann man wohl lange philosophieren. Du hast recht, Kunst interpretiert jeder...

redwolf 28. Aug 2013

Sehr guter, interessanter Artikel http://youtu.be/dqYEp4OQUBI

DrWatson 28. Aug 2013

Mensch = Spezies


Folgen Sie uns
       


Lenovo Thinkpad X1 Fold angesehen (CES 2020)

Das Tablet mit faltbarem Display läuft mit Windows 10X und soll Mitte 2020 in den Handel kommen.

Lenovo Thinkpad X1 Fold angesehen (CES 2020) Video aufrufen
Lovot im Hands-on: Knuddeliger geht ein Roboter kaum
Lovot im Hands-on
Knuddeliger geht ein Roboter kaum

CES 2020 Lovot ist ein Kofferwort aus Love und Robot: Der knuffige japanische Roboter soll positive Emotionen auslösen - und tut das auch. Selten haben wir so oft "Ohhhhhhh!" gehört.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Orcam Hear Die Audiobrille für Hörgeschädigte
  2. Viola angeschaut Cherry präsentiert preiswerten mechanischen Switch
  3. Consumer Electronics Show Die Konzept-Messe

Amazon, Netflix und Sky: Disney bringt 2020 den großen Umbruch beim Videostreaming
Amazon, Netflix und Sky
Disney bringt 2020 den großen Umbruch beim Videostreaming

In diesem Jahr wird sich der Video-Streaming-Markt in Deutschland stark verändern. Der Start von Disney+ setzt Netflix, Amazon und Sky gehörig unter Druck. Die ganz großen Umwälzungen geschehen vorerst aber woanders.
Eine Analyse von Ingo Pakalski

  1. Peacock NBC Universal setzt gegen Netflix auf Gratis-Streaming
  2. Joyn Plus+ Probleme bei der Kündigung
  3. Android TV Magenta-TV-Stick mit USB-Anschluss vergünstigt erhältlich

Energiewende: Norddeutschland wird H
Energiewende
Norddeutschland wird H

Japan macht es vor, die norddeutschen Bundesländer ziehen nach: Im November haben sie den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beschlossen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Aber das Ende der Förderung von Windkraft kann das Projekt gefährden.
Eine Analyse von Werner Pluta

  1. Energiewende Brandenburg bekommt ein Wasserstoff-Speicherkraftwerk
  2. Energiewende Dänemark plant künstliche Insel für Wasserstofferzeugung
  3. Energiewende Nordländer bauen gemeinsame Wasserstoffwirtschaft auf

    •  /