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Krankenversicherung: Der Papierkrieg geht weiter

Die Krankenversicherung der Zukunft wird digital und direkt, aber eine tiefgreifende Disruption des Gesundheitswesens à la Amazon wird in Deutschland wohl ausbleiben. Die Beharrungskräfte sind zu groß.

Eine Analyse von Daniel Fallenstein veröffentlicht am
Krankenversicherung: Der Papierkrieg geht weiter
(Bild: Adam Berry/Getty Images)

Die meisten kennen es: Im Zeitalter des Smartphones müssen Krankmeldungen in der Regel immer noch per Post an die Krankenkasse geschickt werden. Jeder Kontakt mit dem Gesundheitswesen zieht einen bürokratischen Rattenschwanz nach sich. Die beginnende Digitalisierung verspricht hier Linderung. Doch die kommt nicht über Nacht.

Inhalt:
  1. Krankenversicherung: Der Papierkrieg geht weiter
  2. Beharrungskräfte am Werk

Eine Neugründung wie die Krankenversicherung Ottonova bringt IT-affinen Nutzern seit 2015 moderne Dienstleistungen wie Arztauswahl via App und eine komplett papierlose Dokumentation. Allerdings ist die erdrückende Mehrheit der Deutschen noch bei den herkömmlichen Krankenversicherungen, bei denen jahrzehntelang eingeübte Bürokratie herrscht. Diese reformieren sich nur in Zeitlupe. Umwälzende Veränderungen sind da nur möglich, wenn der innovative Anspruch mit Marktmacht flankiert wird.

Anfang 2018 kündigte Amazon an, gemeinsam mit dem Versicherungskonzern Berkshire Hathaway des bekannten Investors Warren Buffet und der Großbank JPMorgan Chase ihren Angestellten in den USA mit einem technologiegetriebenen Joint Venture günstigere und patientenfreundlichere Gesundheitsdienstleistungen anzubieten.

Amazon, das sich in Pressemitteilungen selbst "langfristiges Denken" bescheinigt, habe dabei größere Pläne, schreibt der Wirtschaftsanalyst Ben Thompson in seinem Blog Stratechery : "Dies legt nur das Fundament für die umfassende Disruption des amerikanischen Gesundheitssystems." Laut Thompson wird mit der Kooperation eine Schnittstelle zwischen Amazons Dienstleistern und Angestellten geschaffen, die im weiteren Verlauf zu einem Gesundheitsmarktplatz für alle Amazon-Kunden und Anbieter weiterentwickelt werden kann.

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Dann wäre denkbar, dass Pharmaunternehmen, Krankenkassen, Kliniken und Ärzte mit ihren Dienstleistungen und Produkten auf dem Marktplatz um Patienten werben. Dass dabei auch in großem Stil Gesundheitsdaten gesammelt und verarbeitet würden, erklärt sich angesichts der bisherigen datengetriebenen Amazon-Produkte von selbst.

Eine solche Transformation der deutschen Krankenversicherungen würde schon an der strikten Rechtslage für empfindliche Daten scheitern. "In Deutschland haben wir einen relativ eng gefassten Datenschutz", erklärt der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). "Speziell für Gesundheits- und Sozialdaten ist der Datenschutz noch einmal enger gefasst."

Christian Zimmermann vom Allgemeinen Patienten-Verband (APV) sagt, ein integrierter Vorstoß sei "in dieser Form nur in den USA durchführbar", da dort Angestellte häufig über "Managed Care"-Programme ihrer Arbeitgeber krankenversichert seien. Dabei werden miteinander verknüpfte Krankenversicherungen und Gesundheitsdienstleistungen für die Dauer der Beschäftigung als Paket angeboten und über den Arbeitgeber abgewickelt. Deutsche Arbeitnehmer dagegen versichern sich selbst und suchen sich die Gesundheitsleistungen aus. Deshalb, so meint Zimmermann, "dürften die Pläne von Amazon & Co. für uns in absehbarer Zeit keine Bedeutung erlangen".

Die einflussreichen Verbände des Gesundheitswesens sind gewillt, das bestehende System gegen neue, gewinnorientierte Marktteilnehmer zu verteidigen.

Beharrungskräfte am Werk 
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devarni 16. Aug 2018

Bei meiner Privaten KV kann ich zumindest per App Rezepte und Rechnungen scannen und...

Peter Brülls 02. Aug 2018

Dann kann ich mich mal melden. Bei mir sind mehrere nicht angekommen (angeblich) und ich...

Lebenszeitverme... 30. Jul 2018

Ein US Arbeiter zahlt durchschnittlich 19.000$ für seine Gesundheitsversicherung, von...

Askaaron 26. Jul 2018

Wie "modern" das Gesundeitssystem in Deutschland ist, kann ich schön an einem Beispiel...

bratwurscht 22. Jul 2018

steht der Sarg schon prophylaktisch bereit: https://www.t-online.de/digital/sicherheit...


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