Krakau: KI-Revolution bedroht Tausende Jobs in Polen
Polens Wirtschaft hat kürzlich die Billion-Dollar-Marke geknackt und ihre Größe innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Doch unter diesem Wachstum gerate der florierende Business-Services-Sektor des Landes zunehmend unter Druck durch Automatisierung und steigende Arbeitskosten, berichtet Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) .
Krakau, eine Stadt mit 800.000 Einwohnern, entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu Europas führendem Standort für Business Process Outsourcing. Die südpolnische Stadt bietet heute rund 100.000 Arbeitsplätze in den Bereichen Finanzen, IT und Verwaltungsdienstleistungen. Doch viele dieser Stellen seien anfällig für den Einsatz künstlicher Intelligenz, heißt es in dem Bericht.
Bis Ende Oktober 2025 meldeten 32 Unternehmen in Krakau den örtlichen Arbeitsämtern Pläne zum Abbau von insgesamt 4.195 Stellen. Das entspricht einem Anstieg um 70 Prozent gegenüber den Entlassungen des gesamten Jahres 2024. Die Kürzungen betreffen vor allem Datenverarbeitung, Webhosting, Buchhaltung und Steuerberatung.
Internationale Konzerne, die zuvor ihre Aktivitäten in der Stadt ausgebaut hatten, überdenken dem Bericht nach ihre Präsenz und bauen nicht nur Stellen ab, sondern schaffen auch kaum noch neue. Shell beschäftigt rund 5.000 Mitarbeiter in Krakau. Das Unternehmen meldet weniger Neueinstellungen als in den Vorjahren, wobei offene Stellen zunehmend Spezialexpertise erfordern.
Wandel der Arbeitsmarktdynamik
HSBC strich in diesem Jahr rund 300 Stellen, während gleichzeitig ebenso viele Positionen offen blieben. Bankvertreter erklärten Bloomberg, dass KI-Systeme mittlerweile bestimmte Prozesse übernehmen und neue Positionen erweiterte Qualifikationen verlangen. Grundlegende operative Aufgaben wurden in kostengünstigere Zentren verlagert, vorwiegend in asiatische Märkte.
Polen verzeichnete seit den 1990er Jahren einen der stärksten Lohnzuwächse unter den OECD-Mitgliedern. Die monatlichen Gehälter in Krakau lagen im September 26 Prozent über dem nationalen Durchschnitt. Die Arbeitslosenquote der Stadt steht bei 2,5 Prozent, gegenüber 2 Prozent vor einem Jahr. Damit liegt die Quote noch immer unter dem landesweiten Durchschnitt.
Polen konkurriert nicht mehr über niedrige Arbeitskosten
Andrzej Kubisiak, stellvertretender Direktor des Polnischen Wirtschaftsinstituts, beobachtet, dass Polen nicht mehr über niedrige Arbeitskosten konkurriert. Die Dienstleistungsbranche des Landes stehe unter Druck, sich zu höherwertiger Arbeit zu wandeln. "Die kürzlich angekündigten Entlassungen stellen eine Herausforderung für Krakau dar" , sagte Kubisiak Bloomberg.
Der Business-Services-Sektor macht knapp 6 Prozent von Polens Bruttoinlandsprodukt aus und beschäftigt landesweit fast eine halbe Million Menschen. In Krakau befinden sich etwa ein Fünftel dieser Jobs, was die Stadt besonders anfällig für Branchenveränderungen macht.
Auch an anderen Stellen zeigt sich, dass sich die Zeiten ändern. Die Leerstandsrate bei Büroflächen in Krakau erreichte im dritten Quartal 2025 mit 18,6 Prozent einen neuen Höchststand, nach 17,3 Prozent im Vorquartal, so Daten des Dienstleisters CBRE(öffnet im neuen Fenster) . Immobilienentwickler berichten von minimalem Interesse an Großraumbüros, da Unternehmen angemietete Flächen reduzieren oder aufgeben.
Wirtschaftliche Dominoeffekte
Die Beschäftigungssituation betrifft verwandte Sektoren in der gesamten Stadt. Die Preise für Wohnimmobilien in Krakau begannen in diesem Jahr zu sinken, nachdem sie im vergangenen Jahrzehnt um 174 Prozent gestiegen waren – der steilste Anstieg unter polnischen Großstädten. Und auch bei Gastronomen mache sich die geänderte wirtschaftliche Lage bemerkbar, berichtet Bloomberg.
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