Kosten der Kernkraft: Neue Schweizer AKWs müssten doppelt subventioniert werden
Eine Studie der ETH Zürich(öffnet im neuen Fenster) und des Paul-Scherrer-Instituts in Villingen, beide in der Schweiz, kommt zu dem Schluss, dass Kernkraft ohne staatliche Unterstützung zukünftig keine bezahlbare Stromquelle sein wird. Das Forschungsteam hat in unterschiedlichen Szenarien untersucht, wie die Schweiz den angenommenen Mehrbedarf von 45 Terawattstunden bis zum Jahr 2050 am kostengünstigsten decken kann.
Dabei wurden der Ausbau von Windkraft, Solarenergie sowie Wasserkraft in Kombination mit neu zu errichtenden Kernkraftwerken als nahezu CO2-neutrale Alternative gegenübergestellt beziehungsweise kombiniert. Demnach ist der starke Ausbau der Photovoltaik zusammen mit der Wasserkraft und Speichern in Form von Pumpspeicherwerken und Batterien am preiswertesten.
Kritisch sehen die Autoren der Studie, die in der Bibliothek der ETH Zürich(öffnet im neuen Fenster) abgerufen werden kann, die Importabhängigkeit von Strom in den Wintermonaten. Die wäre jedoch kaum größer als zuletzt und ließe sich durch den Bau neuer AKWs ebenfalls nicht beseitigen.
Ungewisse Baukosten problematisch
Teuer wird die Errichtung von Atomkraftwerken zum einen durch die Risikoabsicherung, die typischerweise bei 8 Prozent der Kapitalkosten liegen soll. Das entspricht einem hohen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr für 1 Gigawatt Leistung.
Gleichzeitig hängt dieser Betrag stark von den Baukosten ab. Und diese sind laut Studie deutlich zu hoch. Im Durchschnitt hätte jedes Kilowatt Leistung aus neuen Atomkraftwerken in Europa und den USA zuletzt etwa 13.000 Euro gekostet – ein typischer Atomreaktor mit 1,2 bis 1,4 Gigawatt dementsprechend 15 bis 18 Milliarden Euro.
Erst bei einer Reduzierung der Baukosten um 40 bis bestenfalls 60 Prozent, was äußerst unrealistisch erscheint, wäre ein Zubau von zwei bis vier neuen Reaktoren wirtschaftlich lohnenswert.
Der Golem-Blick
Rechnet man die in der Studie genannten Kosten für Bau, Betrieb, Wartung, Brennstoff und Entsorgung zusammen, ergäbe sich ein Preis von 17 Cent je Kilowattstunde (kWh) für Atomstrom – ohne Steuern, Abgaben oder Netzentgelte. Darin sind die Kosten für Stilllegung und Entsorgung mit maximal 1 Cent je kWh enthalten, was zumindest sehr vorsichtig geschätzt ist.
Selbst mit zusätzlichen Zwischenspeichern und Stromimporten, die erneuerbare Energien erfordern würden, wäre Atomstrom mithin vielfach teurer als aus Windkraft und Photovoltaik.
Insgesamt nennen die Autoren nur zwei Argumente für den Bau von Kernkraftwerken. Sie führen an, dass auch der Zubau von Speichermöglichkeiten subventioniert wird. Zumindest bei sehr niedrigen Baukosten könnte Atomstrom mit ähnlich hohen Zuwendungen interessant werden, sofern der Staat die erwähnte Risikoabsicherung deckelt.
Der zweite Punkt ist die Abhängigkeit von Stromimporten aus den Nachbarländern. Die bliebe jedoch selbst mit neuen AKWs bestehen, wenn auch minimal. Und andererseits profitiert die Schweiz stark vom Stromhandel. Die schon jetzt vorhandenen Pumpspeicherwerke nutzen günstigen Strom, größtenteils aus Deutschland, zum Einspeichern und geben ihn bei Bedarf und zu entsprechend höheren Stromkosten wieder ab, auch nach Deutschland.
Somit dürfte insgesamt kaum zu erwarten sein, dass die Schweiz in nächster Zeit in neue Atomkraftwerke investieren wird.
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