Kooperation vereinbart: BMW und Daimler wollen bis 2024 autonom fahren

Nicht nur beim Car-Sharing, auch beim autonomen Fahren wollen die Konkurrenten BMW und Daimler künftig eng zusammenarbeiten. Das soll die Markteinführung beschleunigen.

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Testwagen für autonomes Fahren von BMW
Testwagen für autonomes Fahren von BMW (Bild: Dirk Kunde/Golem.de)

Die Autokonzerne BMW und Daimler wollen künftig gemeinsam die Technik für selbstfahrende Autos entwickeln. Über bereits bestehende Kooperationen mit Zulieferern wie Bosch und Aptiv sowie Chipherstellern wie Nvidia und Intel hinaus unterzeichneten beide Firmen am Mittwoch "einen Vertrag über eine langfristige, strategische Kooperation auf diesem Gebiet". Der Mitteilung zufolge wollen BMW und Daimler "gemeinsam die nächste Technologiegeneration für Fahrassistenzsysteme und automatisiertes Fahren auf Autobahnen sowie automatisierte Parkfunktionen (jeweils bis SAE Level 4) entwickeln".

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Die Pläne für eine solche Kooperation waren bereits im Januar 2019 bekanntgeworden. Nun nennen die Autohersteller weitere Details. Ziel der Zusammenarbeit sei unter anderem eine schnelle Markteinführung der Technik. Vom Jahr 2024 an sollten entsprechende Systeme in Pkw für Privatkunden verfügbar sein, hieß es. Jedes Unternehmen werde die Ergebnisse der Entwicklungskooperation individuell in seine Serienprodukte umsetzen. Mehr als 1.200 Fachleute würden zusammenarbeiten, zum Teil auch in gemischten Teams.

Lizenzen für andere Hersteller möglich

Standorte für die Zusammenarbeit seien unter anderem das neue BMW-Entwicklungszentrum in Unterschleißheim bei München, das Mercedes Benz Technology Center (MTC) in Sindelfingen und das Daimler Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen. In Immendingen entwickelt und testet Daimler bereits zusammen mit Bosch selbstfahrende Autos.

  • Mit Stereo-Kameras nimmt Daimler ein dreidimensionales Bild der Umgebung auf. (Bild: Daimler)
  • Neuronale Netze erkennen in den Aufnahmen die unterschiedlichen Objekttypen, wie Fußgänger, Fahrzeuge oder die Fahrbahn. (Bild: Daimler)
  • Fußgänger werden dann detailliert analysiert, um ihre mutmaßliche Bewegungsrichtung zu erkennen. (Bild: Daimler)
  • Entwickler Jascha Freess erläutert, wie sich das autonome Auto in einer belebten Straße orientiert. (Bild: Daimler)
  • Uwe Franke hat die Bilderkennung bei Daimler von Anfang an mit aufgebaut. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Mit Hilfe neuronaler Netze lassen sich auch Lidar-Aufnahmen klassifizieren. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Aus der 3D-Punktwolke wird eine Darstellung mit den unterschiedlichen Objekten. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Sensorfusion führt die Daten zusammen und erzeugt ein kohärentes Umgebungsbild. (Bild: Daimler)
  • Auf der Teststrecke in Immendingen lassen die Entwickler die Autos selbstständig fahren. (Bild: Daimler)
  • Dabei müssen sie in der Lage sein, alle Fahrsituationen sicher zu beherrschen. (Bild: Daimler)
Auf der Teststrecke in Immendingen lassen die Entwickler die Autos selbstständig fahren. (Bild: Daimler)

Die Aufgaben der Entwickler seien unter anderem "eine skalierbare Architektur für Fahrassistenzsysteme inklusive Sensoren zu konzipieren, ein gemeinsames Rechenzentrum zur Speicherung, Verwaltung und Weiterverarbeitung von Daten aufzubauen sowie Funktionen und Software zu entwickeln". Die nicht-exklusive Kooperation sei offen für weitere Autohersteller und Technologie-Partner. Zudem würden die Ergebnisse der Zusammenarbeit weiteren Herstellern zur Lizenzierung angeboten.

Partner statt Konkurrenten

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BMW und Daimler haben trotz jahrzehntelanger Konkurrenz in der Oberklasse zuletzt auf mehreren Gebieten eine Kooperation angestrebt. So übernahmen die beiden Autohersteller zusammen mit der VW-Tochter Audi im Jahr 2015 den Kartendienst Here. Dessen hochpräzise Karten sollen das vernetzte und automatisierte Fahren ermöglichen und eine Abhängigkeit von IT-Konzernen wie Google verhindern. Im Februar 2019 legten die Firmen zudem ihre Carsharingdienste Drive Now (BMW) und Car2go (Daimler) zu Share Now zusammen. Auch bei der Entwicklung von Elektroautos wird angeblich eine Zusammenarbeit geprüft.

Beim autonomen Fahren kooperiert BMW bislang bereits mit dem Automobilzulieferer Aptiv (früher Delphi) und dem Chiphersteller Intel, der zudem den Kamerahersteller Mobileye übernommen hat. Fiat Chrysler ist ebenfalls eingestiegen. Daimler will hingegen mit dem Zulieferer Bosch noch in der zweiten Jahreshälfte 2019 einen autonomen Taxidienst in der kalifornischen Stadt San José testen. Dabei setzen die beiden Firmen auf die Plattform Drive PX Pegasus vom Chiphersteller Nvidia.

Whitepaper ohne Google und Tesla

In einem industrieübergreifenden Whitepaper mit dem Titel Safety First for Automated Driving haben BMW und Daimler mit den Firmen Aptiv, Audi, Baidu, Continental, Fiat Chrysler, Here, Infineon, Intel und Volkswagen das Thema Sicherheit beleuchtet. Die am 2. Juli 2019 veröffentlichte Publikation fasst den Angaben zufolge alle relevanten Sicherheitsmethoden für das automatisierte Fahren nach Stufen 3 und 4 zusammen und führe "eine Methode der Nachvollziehbarkeit ein". Die selbstfahrenden Autos sollen demnach sicherer fahren als der durchschnittliche Fahrer.

Bei dem Whitepaper fällt auf, dass die beiden US-Firmen Waymo und Tesla nicht daran beteiligt sind. Beide gelten derzeit als weltweit führend bei der Entwicklung selbstfahrender Autos. Hinter der Kooperation zwischen BMW und Daimler soll daher die Befürchtung stecken, dass die Google-Schwesterfirma Waymo das globale Betriebssystem der Autoindustrie liefern könnte. Ende 2018 konnte Waymo allerdings nicht sein Versprechen einhalten, selbstfahrende Taxis ohne menschliche Sicherheitsfahrer auf die Straße zu schicken. Der US-Mitfahrdienst Uber hat sein Testprogramm nach einem tödlichen Unfall stark modifiziert.

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