Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Konzeptstudie ID.Code: VW zeigt SUV mit Level-4-Funktionen nur für China

VW ist mit seinem China-Geschäft unter Druck geraten. Die Konzeptstudie ID.Code soll mit Level 4 und Saugroboter den Geschmack der Kunden treffen.
/ Friedhelm Greis
25 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
VW zeigt auf der Automesse in Peking die Konzeptstudie ID.Code. (Bild: Volkswagen)
VW zeigt auf der Automesse in Peking die Konzeptstudie ID.Code. Bild: Volkswagen

Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen gibt auf der Automesse in Peking einen Ausblick auf eine "vollkommen neue SUV-Generation" . Der gemeinsam von Teams in China und Europa konzipierte ID.Code sei "eine Hommage an die chinesischen Volkswagen-Kunden" , teilte das Unternehmen am 24. April 2024 mit(öffnet im neuen Fenster) . Die Konzeptstudie sei bereits "konsequent für das vollautomatisierte Fahren auf dem Level 4 ausgelegt" . Außerdem will VW bis zum Jahr 2027 fünf Modelle der Submarke ID.UX in China auf den Markt bringen.

Durch die zunehmende Konkurrenz chinesischer Anbieter, vor allem im Bereich Elektroautos, ist Volkswagen in China unter Druck geraten. "Die Preise fallen und fallen, der Wettbewerb wird härter" , sagte Ralf Brandstätter, der das Chinageschäft für VW leitet, kurz vor Beginn der Automesse in Peking der Nachrichtenagentur dpa. Inzwischen verkauft der chinesische Anbieter BYD mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden in seinem Heimatland mehr Fahrzeuge als VW.

Es erscheint daher konsequent, dass VW mit Design und Technik stärker auf die Kundenwünsche in China eingehen will. Zwar soll das Geschäft mit herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor für VW immer noch "hochprofitabel" sein. Doch gerade bei Elektroautos bevorzugen die Chinesen eher heimische Anbieter oder Tesla.

Viel digitaler Schnickschnack

Es verwundert daher nicht, dass der ID.Code über viel digitalen Schnickschnack verfügen soll. Das Konzeptauto sei der erste VW, "der über sein Exterieur vollumfänglich mit seinem Umfeld kommuniziert und interagiert" . Denn der ID.Code verstehe sich "nicht nur als Automobil, sondern ebenso als digitaler Avatar, der auf andere Verkehrsteilnehmer reagiert und seine Besitzer mit zahlreichen Informationen und Feedbacks versorgt" .

Dazu sei der ID.Code in der Frontpartie mit einem intelligenten Lichtsystem ausgestattet. VW bezeichnet dies als Light Cloud mit interaktiven 3D-Augen, eine Art "Lichtquerspange unterhalb der Fronthaube" . Dazu gehört ebenfalls ein LED-Bildschirm in der teiltransparenten Frontpartie. Nähere sich der Fahrer oder ein berechtigter Nutzer, starte der ID.Code "ein optisches und akustisches Welcome-Szenario und versorgt den Fahrer und die Gäste direkt mit der aktuellen Wettervorhersage für die nächsten zwei Stunden" .

Die größte Neuerung bedeute hingegen das autonome Fahren nach dem Automatisierungsgrad 4.

Lidar hinter der Windschutzscheibe

"Um diese Autopilot-Funktion zu realisieren, hat Volkswagen die modernsten Sensor-, Licht-, Kamera- und Screen-Systeme unserer Zeit integriert" , heißt es. Dabei setzt VW auch einen Lidar ein, der sich im oberen Bereich der Windschutzscheibe befindet.

Anders als Anbieter wie Nio oder Mercedes-Benz platziert VW damit den Laserscanner zusammen mit der Frontkamera hinter der Glasscheibe und nicht unmittelbar darüber. Diesen Bereich bezeichnet VW als Centre Pilot. Im Level-4-Modus werde der Randbereich des Centre Pilot beleuchtet.

Drehbare Vordersitze

Beim Innenraum orientiert sich VW an zahlreichen Konzeptstudien wie von Mercedes-Benz oder Audi, die für das autonome Fahren gezeigt, aber bislang noch nie in Serie gebracht wurden. So soll das Lenkrad im Level-4-Modus in das Cockpit einfahren. "Das schafft zusätzlichen Raum, um die Vordersitze um 180 Grad zu drehen, damit sich die Reisenden gegenübersitzen können" , schreibt VW. Ebenso könnten die Sitze bei längeren Reisen in eine Schlafposition gebracht werden.

Das Konzept des ID.Code macht deutlich, dass ein Auto in China nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern eine Art Zweitwohnung darstellt. So enthält die verschiebbare Mittelkonsole innen einen Kühlschrank. Der integrierte Getränkehalter soll sich zudem in eine Lampe verwandeln können.

Die herkömmlichen Anzeigeelemente, etwa ein Head-up-Display oder ein Infotainmentbildschirm in der Mittelkonsole, scheinen künftig ebenfalls nicht mehr auszureichen. So sollen beim ID.Code auch die Seitenscheiben und die Beifahrerseite der Windschutzscheibe als Displays genutzt werden. "Angezeigt werden in einem komplett neu entwickelten Wide-R-Screen, der über die gesamte Innenbreite des ID.Code bis in die Türen hinein reicht, zudem realistische 3D-Szenarien" , heißt es.

Konzeptstudie VW ID.Code vorgestellt (Firmenvideo)
Konzeptstudie VW ID.Code vorgestellt (Firmenvideo) (06:56)

Per Widgets in den Seitenscheiben könnten ebenfalls Informationen wie die Wetterprognose, der Batteriestatus, die Navigationskarte, Navigationshinweise oder die Mediathek eingeblendet werden. Gesteuert würden die Funktionen über berührungsempfindliche Felder, per Sprache und Gestenkontrolle.

Den Charakter des Autos als zweites Wohnzimmer macht auch der Hygienemodus deutlich.

Hygienemodus mit Saugroboter

"Dabei wird die Luft im Wagen per UV-Licht, einem Saugroboter (Lupo) sowie den antibakteriell beschichten Luftfiltern gereinigt. Dieser Modus ist besonders nach einem langen Ausflug mit den Kindern hilfreich und vor allem dann von großem Vorteil, wenn der geräumige ID.Code als Shuttle eingesetzt wird" , schreibt VW.

Wie geräumig das Konzeptauto ist, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Zwar bezeichnet VW die Konzeptstudie als SUV, jedoch wirkt sie eher flach wie ein typischer Kombi. Die Karosserie scheint sehr aerodynamisch zu sein. Die Studie hat elektronische Außenspiegel und elektrische Türen. "Aus stilistischen und aerodynamischen Gründen kommen statt klassischer Türgriffe kleine Touch-Felder in den Fensterrahmen (B-Säule) zum Einsatz" , heißt es.

PV-Modul auf dem Dach

Angaben zum Antrieb oder zum Akku fehlen ebenfalls. "Mit Energie versorgt werden die Systeme und der Antrieb nicht nur via Lithium-Ionen-Batterie, sondern auch über ein in das transparente Energy Roof integriertes Photovoltaiksystem" , schreibt VW.

Neben der Präsentation des ID.Code kündigte VW weitere Pläne für China an. So soll die vollelektrische ID-Familie dort bis 2030 auf 16 Modelle wachsen. "Darunter sind fünf E-Autos der neuen Submarke ID.UX, die bis 2027 ihr Marktdebüt feiern" , hieß es. Als erstes Modell der Submarke solle der ID.Unix noch in diesem Jahr in China verkauft werden. Dahinter verbirgt sich jedoch nur ein Cupra Tavascan mit VW-Logo(öffnet im neuen Fenster) , der in der neuen VW-Fabrik in Anhui (öffnet im neuen Fenster) vom Band läuft.

Ob VW mit der Strategie "In China, für China" verlorenen Boden gutmachen kann, bleibt abzuwarten. Laut Markenchef Thomas Schäfer basiert diese Strategie auf drei Säulen: "ein umfassendes Produktportfolio mit beschleunigter Elektrifizierung der Modelle, eine speziell für den chinesischen Markt entwickelte Marken- und Designsprache sowie eine lokale technische Entwicklung mit starken Partnern vor Ort, um die Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen" . Dazu ging der Konzern bereits eine Partnerschaft mit Xpeng ein .

Der ID.Code dürfte mit seinen Funktionen den Geschmack der chinesischen Kundschaft treffen. Allerdings muss VW auch in der Lage sein, tatsächlich ein funktionierendes Auto mit Level 4 zu bauen und zu einem konkurrenzfähigen Preis auf den Markt zu bringen. Der ID.7 erwies sich bislang eher als Ladenhüter . Die staatlichen Vergünstigungen, wie sie beispielsweise BYD erhält , oder die mutmaßlichen Hackerangriffe aus China machen deutlich, dass der Wettbewerb dort künftig nicht einfacher wird.


Relevante Themen