Kontaktnachverfolgung: Entwickler prüfen bessere Warnung von Corona-App-Nutzern

Datenschützer und Politiker finden die neue Eventregistrierung der Corona-Warn-App zwar gut, wollen aber eine grundlegende Schwäche beseitigen.

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Die Eventregistrierung der Corona-Warn-App könnte noch verbessert werden.
Die Eventregistrierung der Corona-Warn-App könnte noch verbessert werden. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Die Entwickler der Corona-Warn-App der Bundesregierung erwägen ein effektives Warnverfahren bei der neuen Eventregistrierung. "Die Machbarkeit einer Warnung von Event-Teilnehmern mittels Corona-Warn-App durch den Organisator des Events nach Bekanntwerden der Infektion eines 'analogen' Teilnehmers wird derzeit vom Projektteam geprüft", teilte eine Sprecherin der Deutschen Telekom, die zusammen mit SAP die App entwickelt, Golem.de mit. Der Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber wünsche sich, dass ein solches Update "möglichst bald" entwickelt werde, sagte ein Sprecher auf Anfrage von Golem.de.

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Die Corona-App verfügt seit einigen Tagen über eine Eventregistrierung. Diese ist jedoch mit einigen Nachteilen verbunden. So lassen sich nach Infektionen falsche Warnungen erzeugen, wenn Nutzer sich in Veranstaltungen einloggen, an denen sie gar nicht teilgenommen haben. Zudem kann keinerlei Warnung erfolgen, wenn Infizierte die App nicht nutzen oder ihre Daten nicht hochladen.

Geringe Warnquote zu erwarten

Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit sehr stark, über die Corona-Warn-App tatsächlich gewarnt zu werden. Nach Einschätzung von Golem.de liegt diese bei derzeit etwa 15 bis 20 Prozent, wenn nach einer Veranstaltung bei einem Teilnehmer eine Infektion festgestellt wurde. Bei derzeit etwa 27 Millionen Downloads und einer Nutzungsquote von 80 Prozent ist von 21,6 Millionen aktiven Nutzern auszugehen. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 26 Prozent. Bislang laden aber nur 60 Prozent der App-Nutzer tatsächlich ihre Daten hoch.

Das heißt: Wenn sich ein "analoger" Nutzer infiziert, liegt die Benachrichtigungsquote der App-Nutzer bei null, bei der Infektion eines App-Nutzers bei etwa 60 Prozent. Wegen der deutlich höheren Zahl der Nichtnutzer ergibt das einen Wert zwischen 15 und 20 Prozent.

Schwäche des Systems

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Kelber sieht darin eine Schwäche des Systems und forderte Ende April im Spiegel, diese "per 'Broadcast'" zu beheben. Das heißt, unabhängig von den Infizierten sollte es auch möglich sein, über die Veranstalter oder Gesundheitsämter eine solche Veranstaltung hochzuladen und die Teilnehmer zu warnen. Auf der anderen Seite müsse ein positiver Test eines App-Nutzers trotzdem ans Gesundheitsamt gemeldet werden, das dann wiederum Zugriff auf Papierlisten und Daten anderer Kontaktnachverfolgungs-Apps habe. "Dort entsteht also keine Lücke", sagte der Sprecher Kelbers weiter.

Ähnlich äußerte sich die Grünen-Fraktion in Sachsen. Die dortige schwarz-rot-grüne Regierung ließ am Dienstag als erstes Bundesland die Corona-Warn-App für die Eventregistrierung zu. Dabei sind sich die Grünen der technischen Einschränkungen bewusst. Es sollte für die Veranstalter oder Gastgeber eine Möglichkeit geben, für den Zeitraum, an dem die infizierte Person an einem Event teilgenommen hat, eine Warnung herauszugeben, sagte ein Sprecher der Grünen-Fraktion Golem.de und fügte hinzu: "Damit an dieser Stelle kein Missbrauch stattfinden kann, sollte dies durch eine TAN-Abfrage abgesichert sein, ähnlich wie das aktuell schon möglich ist, falls ein Test nicht in das Corona-Warn-App-System integriert ist."

Was bringen Kontaktlisten überhaupt?

Der netzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Daniel Gerber, sieht den Nutzen von Kontaktlisten in der Pandemiebekämpfung ohnehin nicht für wissenschaftlich belegt. "Wenn man eine schlechte analoge Variante digitalisiert, kommt auch nur eine schlechte digitale Variante raus", lautet sein Fazit. Daher stelle die Corona-Warn-App eine sinnvolle Alternative zu den personenbezogenen Kontaktlisten dar.

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Kelber wünscht darüber hinaus eine zusätzliche automatische Clustererkennung in der App. Dadurch soll ein Smartphone auch ohne Check-in per QR-Code erkennen, dass es sich in einer Clustersituation befindet. Eine solche Funktion forderte im vergangenen Jahr bereits der Informatiker Henning Tillmann. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hofft zudem, dass durch die verbesserten Funktionen die Nutzung der App weiter zunehme.

Doppelte Lösung empfehlenswert

Trotz der bisherigen Einschränkungen ist es zu empfehlen, die Corona-Warn-App zur Eventregistrierung zu nutzen. Denn im Falle einer Warnung erfolgt diese sehr schnell und ohne Umweg über die Gesundheitsämter. Die Nutzer erfahren zudem in ihrem Kontakttagebuch, auf welcher Veranstaltung ein Infizierter anwesend war. Wer sicher gehen möchte, kann parallel dazu seine Kontaktdaten über eine Liste oder eine andere App hinterlegen.

Nachtrag vom 7. Mai 2021, 10:35 Uhr

Wir haben im ersten und fünften Absatz deutlich gemacht, dass es sich um ein Zitat von Kelbers Sprecher und nicht von Kelber selbst handelt.

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marcoR 08. Mai 2021

Die App taugt schon lange. Zu genau dem Zweck zu dem sie initial konzipiert wurde. Das...

rtlgrmpf 08. Mai 2021

Exactamente! Deswegen ja auch "Scheinproblem".

marcoR 08. Mai 2021

Ich selbst hatte schon ein paar mal angezeigte, positive Kontakte, die aber nicht zu...

Blaubeerchen 08. Mai 2021

Genau das ist doch der Sinn dabei: Der Nutzer ist anonym, und die Ämter werden von der...

honk 07. Mai 2021

Das kann man machen, dafür muss der Veranstalter nur selbst mit der Warnapp...



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