Kontaktnachverfolgung: Brandenburg erwägt Ausstieg aus Luca-App

Die Erwartungen an die Nutzung der Luca-App haben sich bislang nicht erfüllt. Daher könnte das Land Brandenburg den Vertrag nicht verlängern.

Artikel veröffentlicht am ,
Luca-App und Corona-Warn-App werden inzwischen häufig parallel eingesetzt.
Luca-App und Corona-Warn-App werden inzwischen häufig parallel eingesetzt. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Das Land Brandenburg erwägt einen Ausstieg aus der Nutzung der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung bei Covid-19-Infektionen. "Inzwischen ist festzustellen, dass sich die Erwartungen, die in die Luca-App gesetzt wurden, bislang teilweise nicht erfüllt haben", heißt es in einer Antwort des Gesundheitsministeriums in Potsdam auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion. Weiter schreibt das Ministerium in der Anfrage, die Golem.de vorliegt: "Sofern sich die Luca-App nicht spätestens zum Jahresende 2021 im Praxiseinsatz bewährt hat, ist eine Beendigung des bestehenden Vertrages zu erwägen."

Dem Ministerium zufolge verfügen 13 der 18 Gesundheitsämter in Brandenburg über eine Schnittstelle zum Luca-System. Allerdings ist unklar, wie viele davon das System tatsächlich nutzen. "Inwieweit aktuell eine produktive Nutzung des Systems durch die Gesundheitsämter erfolgt, entzieht sich den Erkenntnissen der Landesregierung", heißt es weiter. Nur ein Drittel der Brandenburger Gesundheitsämter sehe einer aktuellen Umfrage des Ministeriums zufolge einen Mehrwert in der App. Anfang September hat demnach nur ein einziges Gesundheitsamt in einer Anfrage mitgeteilt, die Luca-App produktiv zur Kontaktpersonennachverfolgung genutzt zu haben.

Dem Ministerium zufolge "besteht die wichtige und öffentlich diskutierte Datenschutzproblematik fort und bremst u. a. die Produktivnahme des Systems in der Arbeitspraxis der Gesundheitsämter aus". Um welche Problematik es sich konkret handelt, hat das Ministerium auf Anfrage von Golem.de bislang nicht mitgeteilt. Dem Ministerium zufolge verhindern die datenschutzrechtlichen Probleme zudem eine Erfolgsmessung der App.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hatte bereits im September 2021 im Landtag angekündigt (PDF), den Vertrag fristgerecht zum 31. März 2022 zu kündigen, "sollte sich bis zum Jahreswechsel kein deutlicher Mehrwert durch die Nutzung der Luca-App feststellen lassen". Nach Angaben des Luca-App-Betreibers Nexenio verlängern sich die Lizenzverträge mit den Ländern automatisch um ein Jahr, wenn sie nicht vorher gekündigt werden.

Brandenburg hat nach eigenen Angaben (PDF) brutto 1.179.290 Euro für eine einjährige Luca-Lizenz ausgegeben. Davon entfielen netto 324.000 Euro auf die Einrichtung und die Einführung bei den 18 Gesundheitsämtern sowie für Zertifikate, Lizenz und Anwendersupport. Für die IT-Infrastruktur und Rechenzentrumsressourcen sowie die Wartung lagen die jährlichen Kosten bei netto 492.000 Euro. Pauschale Einmalkosten wie die Nutzung von verifizierten Telefonnummern schlugen netto mit 175.000 Euro zu Buche.

Nachtrag vom 23. November 2021, 15:29 Uhr

Ein Ministeriumssprecher verwies auf Anfrage von Golem.de darauf, dass die Luca-App "vor allem wegen zentraler Datenspeicherung in der Kritik von Datenschützern" stehe. Entsprechend habe sich die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk im Berliner Abgeordnetenhaus geäußert. "Das Brandenburger Gesundheitsministerium steht zu diesen Punkten im engen Austausch mit der Landesdatenschutzbeauftragten. Der nächste Austausch dazu ist für Anfang Dezember geplant", sagte der Sprecher.

Nach Einschätzung der Berliner Datenschutzbehörde ist das Verschlüsselungskonzept so umgesetzt worden, dass die Vertraulichkeit der verschlüsselten Daten verloren gehen könnte. Laut Nexenio sollten durch einen zusätzlichen Signierungsprozess bis Mitte September "sämtliche objektiv vernünftigen Bedenken nach dem jetzigen Stand der Technik ausgeräumt sein".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


purerzufall 23. Nov 2021

[_] Du weißt, dass wie CWA Luca-Codes lesen kann. pz

Extrawurst 22. Nov 2021

Tja, meine Maxime bewahrheitet sich mal wieder: Traue halt niemandem, der gendert ;) Grü...

deadjoe 22. Nov 2021

Dafür das die den Quellcode aus anderen Apps "geborgt" haben(ok nicht ganz...die...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Jack Kilby
Der Ingenieur, der den Mikrochip erfand

Am 6. Februar 1959 wurde Jack Kilbys Patent für den Mikrochip eingereicht. Aber das war nicht das einzige Interessante im Leben des Nobelpreisträgers.
Ein Porträt von Elke Wittich

Jack Kilby: Der Ingenieur, der den Mikrochip erfand
Artikel
  1. Künstliche Intelligenz: So funktioniert ChatGPT
    Künstliche Intelligenz
    So funktioniert ChatGPT

    Das mächtige Sprachmodell ChatGPT erzeugt Texte, die sich kaum von denen menschlicher Autoren unterscheiden lassen. Wir erklären die Technologie hinter dem Hype.
    Ein Deep Dive von Helmut Linde

  2. Alphabet und Anthropic: Google investiert mindestens 300 Millionen in KI-Unternehmen
    Alphabet und Anthropic
    Google investiert mindestens 300 Millionen in KI-Unternehmen

    Das KI-Start-up Anthropic geht eine enge Partnerschaft mit Google ein.

  3. Programmiersprache: C++ - da ist noch Musik drin!
    Programmiersprache
    C++ - da ist noch Musik drin!

    Viele Entwickler sind dankbar für Impulse neuer Programmiersprachen, die Verbesserungen und Vereinfachungen in Aussicht stellen. Hat das uralte C++ mit seinen einzigartigen Vorteilen dagegen eine Chance?
    Ein Deep Dive von Adam Jaskowiec

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RAM im Preisrutsch - neue Tiefstpreise! • Powercolor RX 7900 XTX 1.195€ • AMD Ryzen 7 5800X3D 329€ • Nur noch heute TV-Sale mit bis 77% Rabatt bei Otto • Lenovo Tab P11 Plus 249€ • MindStar: Intel Core i7 13700K 429€ • Logitech G915 Lightspeed 219,89€ • PCGH Cyber Week [Werbung]
    •  /