Kontaktlos: Eine deutsche Miniserie unter Pandemie-Bedingungen
Die Coronavirus-Pandemie hat in den vergangenen Monaten viele kreative Prozesse gestoppt – aber auch einige neue angestoßen. Von Unsubscribe und Mythic Quest haben wir bereits berichtet, nun gibt es auch in Deutschland ein derartiges Projekt.
Der Hessische Rundfunk (HR) hat für die ARD-Mediathek nämlich die sechsteilige Serie Kontaktlos produzieren lassen. Sie ist dort seit Freitag (24. Juli) abrufbar(öffnet im neuen Fenster) . Entwickelt wurde die Miniserie von Autor und Regisseur Marc Ermisch.
Er siedelt seine Geschichte im Jahr 2040 an – 19 Jahre nach der zweiten Welle einer verheerenden Virus-Pandemie. Die Menschen leben alleine, viele verlassen praktisch gar nicht mehr ihre Wohnungen, die Fortpflanzung wird über künstliche Befruchtung mit Hilfe der Firma Xsperm geregelt.
Aber es gibt auch Menschen, die eine Rückkehr zur Normalität, zu mehr menschlichem Kontakt fordern. Zu ihnen gehört die Schauspielerin Felina, die dafür ins Innere der Firma Xsperm blicken will, und zwar mit Hilfe eines dort arbeitenden ITlers.
Ermisch denkt weiter, wie eine von Corona geplagte Welt sich entwickeln könnte, wenn kein Impfstoff, kein Heilmittel gefunden wird. Social Distancing wird dann ins Extrem übersteigert, zum Beispiel treffen sich Eltern und ihre erwachsenen Kinder in der Serie gar nicht mehr. Man isst "gemeinsam", indem man die anderen auf dem Tablet sieht.
Das ist der faszinierendste Aspekt dieser Serie: Die gruselige Vorstellung, wie sich die aktuelle Pandemie noch ausweiten und wie das die Art, wie wir leben, nachhaltig verändern könnte.
Miniserie mit Verschwörungsplot
Ermisch nutzt diese Ausgangslage für einen Verschwörungsplot, an dessen Ende das Gefühl steht, Kontaktlos könnte so etwas wie das Prequel zu Aldous Huxleys Roman Schöne neue Welt sein. Die Serien-Verfilmung Brave New World startet übrigens demnächst bei Sky.
Die nur jeweils gut eine Viertelstunde langen Episoden von Kontaktlos sind schnell erzählt. Am Ende jeder Folge gibt es einen Cliffhanger. Natürlich möchte der Zuschauer in erster Linie wissen, was das große Mysterium ist und wie es sich auflöst.
Schauspielerische Defizite
Die Klimax ist durchaus interessant, das Finale kommt aber etwas gehetzt daher. Kontaktlos wurde unter Corona-Bedingungen gedreht. Das heißt, die Schauspieler waren nie im selben Raum – von den beiden Protagonisten einmal abgesehen, die drei gemeinsame Szenen haben, dabei aber immer gebührenden Abstand zueinander halten.
Die Geschichte ist nicht schlecht, die Umsetzung macht aus der Not eine Tugend, problematisch ist jedoch zumindest teilweise der Cast. Während Ariana Gansuh als Felina und Dominic Betz als IT-Fachmann Max durchaus überzeugend sind, gibt es Darsteller, bei denen man den Eindruck hat, die Texte würden einfach nur vorgelesen.
Das mindert den Unterhaltungswert der Serie durchaus ein wenig, weil sich damit unnötige Defizite zeigen. Gerade bei einer deutschen Produktion, bei der die Zuschauer derartige Geschichten in der Regel hochwertig aus internationaler Herstellung kennen, hätte man eine solche Angriffsfläche nicht bieten sollen.
Dieser Schwäche zum Trotz arbeitet Kontaktlos mit interessanten Ideen und bietet mit den sechs Folgen im Grunde einen in Kapiteln unterteilten Film, der durchaus einen Blick wert ist. Und schließlich kostet es ja nichts, sich die Serie anzusehen.
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