Kontaktlos bezahlen: Lucas kläglicher neuer Versuch, finanziert vom Steuerzahler

Die Macher der Luca-App wollen die Millionen an Steuergeldern und Installationen weiter gewinnbringend nutzen. Eine sinnlose und gefährliche Wette auf deutsche Trägheit.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Kontaktlos mit dem Smartphone bezahlen, das soll bald auch mit Luca möglich sein.
Kontaktlos mit dem Smartphone bezahlen, das soll bald auch mit Luca möglich sein. (Bild: Maxim Zmeyev/File Photo/Reuters)

Die Luca-App haben wir bereits als größten und teuersten Fehltritt der Digitalisierung im Jahr 2021 bezeichnet und gefordert, endlich aus Luca auszusteigen. Die Bundesländer, die Verträge mit Luca hatten, setzen dies nun auch eines nach dem anderen um.

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Für die Luca-Macher bricht damit das bisher mit 20 Millionen Euro Steuergeldern gut ausgestattete Geschäftsmodell weg und es muss schnell etwas Neues her. So soll das Luca-System zu einem kompletten Zahlungssystem für Restaurants ausgebaut werden. Der große Erfolg dürfte aber eine Wunschvorstellung bleiben.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist schon ein Skandal für sich. Schließlich hat der Staat eine bisher durch und durch gescheiterte App nicht nur mit reichlich Risikokapital ausgestattet, sondern ihr auch noch zu Millionen von Nutzern verholfen. Andere IT-Unternehmen, die versuchen, die Digitalisierung in diesem Land wirklich voranzubringen, können davon nur träumen.

Die Idee, die die Luca-Macher offenbar verfolgen, ist zunächst leicht nachvollziehbar: Sie setzen auf die Trägheit der Deutschen in Sachen Digitalisierung, bei Restaurantbetreibern wie auch bei den Kunden. So beschreibt das Unternehmen in seiner Ankündigung die derzeit noch aufgerufenen Gebühren für Zahlungsanbieter und Vermittler als hinderlich. Diese würden "bis zu 0,25 Euro je Transaktion zzgl. bis zu 2% des Umsatzes für Kartenzahlungsgebühren" verlangen.

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Das ist einer der wichtigsten Gründe dafür, warum kleinere Betriebe über Jahre nur Kartenzahlungen ab 10 oder 20 Euro angeboten haben. Tatsächlich ist es immer noch so, dass vor allem übliche Hausbanken wie Sparkassen oder Volksbanken derart hinderliche Gebühren verlangen. Luca will den davon betroffenen Restaurantbesitzern nun schlicht ein Angebot machen, das diese nicht ablehnen können.

Das war auch im vergangenen Jahr schon so, als Luca versprach, die von den Verordnungen geforderten Kontaktlisten für das Gesundheitsamt zu digitalisieren. Nun sollen also niedrigere Gebühren für Kartenzahlungen folgen. Wie viel genau, bleibt derweil aber völlig unklar. Bei einem Unternehmen, das von kaum einhaltbaren Versprechungen lebt, ist das aber auch nicht anders zu erwarten.

Deutsche nutzen, was sie eh schon haben und kennen

Viele Restaurantbetreiber haben sowieso schon einen Luca-Account, also könnten sie diesen auch für andere Sachen nutzen, ist dabei wohl die Überlegung.

Irreführend daran ist vor allem, dass Luca gerade die versprochenen geringeren Gebühren nicht exklusiv hat. Zahlreiche andere Dienstleister bieten sie ebenfalls an. Viele Betreiber wechseln aber eben nicht zu ihnen - wohl aus Trägheit, Unwissen und einem Rückstand bei der Digitalisierung.

Nur: Warum sollten die Betreiber ausgerechnet jetzt zu Luca wechseln, wenn sie sich bisher schon nicht um ein günstigeres Angebot gekümmert und sich mit ihrer vorhandenen Lösung arrangiert haben? Bestimmt nicht, weil Smudo so nett in die Kamera lächelt. Die Luca-Macher setzen also wohl eher auf die Kunden und die nach eigenen Angaben mehr als 35 Millionen Installationen in ganz Deutschland.

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Allerdings können Nutzer auch schon jetzt über Apple Pay, Google Pay, Samsung Pay oder ähnliche Angebote fast beliebig mit ihrem Smartphones kontaktlos per NFC bezahlen. Für die Restaurantbetreiber ist das sogar kostenlos, von den sowieso schon üblichen Terminalgebühren einmal abgesehen. Doch die bleiben auch mit Luca erhalten, da entsprechende Kartenterminals bereits vorgehalten werden und dafür bezahlt werden müssen. Die Nutzung von Luca würde zusätzlich also für Betreiber noch extra kosten. Es sei denn, der Anbieter steigt groß ins Geschäft mit diesen Terminals ein.

Offenbar ist aber auch hier die Überlegung, auf die Trägheit der Nutzer zu setzen. Alle, die so einen Pay-Dienst bisher nicht mit ihrem Smartphone benutzen, könnten ihn durch die sowieso schon auf dem Smartphone installierte Luca-App entdecken, einrichten und dann darüber mit dem Smartphone bezahlen wollen. Machen das ausreichend viele Nutzer, könnten die Restaurantbetreiber sich genötigt fühlen, auf Luca zu wechseln.

Praxis zum Scheitern verurteilt

Doch dass in der Digitalisierungswüste Deutschland, in der das Fax mancherorts immer noch das bevorzugte Kommunikationsmittel ist, Nutzer plötzlich schnell und einfach in der Lage sind, ihre Kontodaten in Luca zu hinterlegen, ist nicht zu erwarten. Vor allem nicht, wenn die Funktion das erste Mal im Restaurant entdeckt wird, das Einrichten dort dann zu lange dauert und schließlich doch wieder die Karte oder gar das liebe Bargeld aus der Geldbörse gezogen wird.

Hinzu kommt, dass all jene, die solch eine kontaktlose Zahlungsfunktion aus technischer Unwissenheit bisher nicht benutzen, beim Einrichten wohl wieder auf ihre Kinder, Enkel oder andere IT-Auskenner zurückkommen werden. Ganz so wie beim Betriebssystem-Update des Routers zu Weihnachten oder bei Druckerproblemen. Dass diese Auskenner ausgerechnet Luca empfehlen, darf bezweifelt werden.

Datenskandale und technisches Unvermögen

So begleiten die Luca-App von Beginn an Skandale und harte Kritik an der oft als mangelhaft beschriebenen technischen Qualität. Das bezieht sich nicht nur auf den Datenschutz, sondern auch auf mehrere verschiedene Sicherheitslücken oder schlicht Unprofessionalität. Luca scheint eine unerschöpfliche Quelle technischen Unvermögens zu sein.

Ausgerechnet dieser App Zahlungsdaten anvertrauen zu wollen, erscheint geradezu haarsträubend widersinnig. Der Ruf der Verantwortlichen ist in der IT-Szene trotz allem Dagegenhalten der Macher inzwischen eigentlich völlig ruiniert. In der Ankündigung verspricht Luca "100 Prozent Datensicherheit". Allen ITlern ist bewusst, dass es diese 100-prozentige Sicherheit einfach nie geben kann und dies sinnvollerweise nicht versprochen werden sollte. Wer sollte einem Unternehmen mit derart unseriösen Versprechen noch vertrauen?

Was bleibt, ist also ein eher kläglicher Versuch der Luca-Macher, doch noch irgendwie weiter Profit aus der App zu ziehen. Besser für alle wäre es wohl, wenn dies nicht funktioniert und alle, die dies nicht schon getan haben, die App deinstallieren.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

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luke93 09. Feb 2022

Ich verstehe nicht warum Kleinbeträge (zB unter 10 Euro) nicht pauschal gebührenbefreit...

JackOfAllRaidz 08. Feb 2022

"Man stelle sich das mal bei einem anderen Stück Infrastruktur vor! Ja gut, unsere...

ptepic 07. Feb 2022

Immer gerne ;-)

ImBackAlive 07. Feb 2022

Ich bin so einer, der nie damit zahlt. Und ich weiß nicht einmal so recht, warum nicht...



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