Konkurrenz zu Disney+ und Prime Video: Netflix versteckt werbefreies Basisabo vor Neukunden

Mit großem Aufwand verheimlicht Netflix Neukunden, dass es eigentlich vier Varianten eines Abos gibt. Das normale Basis-Abo wird neuerdings schlicht nicht angezeigt, wenn sich Kunden ein neues Netflix-Konto anlegen(öffnet im neuen Fenster) . Erst im Kleingedruckten wird sehr versteckt angedeutet, dass es weitere Abo-Optionen geben könnte. Der Schritt deutet darauf hin, dass Netflix verzweifelt bewirken will, dass sich mehr neue Abonnenten für das Werbeabo entscheiden.
Das Werbeabo kostet 4,99 Euro monatlich und das nicht angezeigte Basis-Abo wird für 7,99 Euro pro Monat angeboten. Indem Netflix das Basis-Abo ausblendet, wird der Eindruck erweckt, dass ein Netflix-Abo ohne Werbung mindestens 12,99 Euro monatlich kosten würde. Das ist der Preis für das Standard-Abo von Netflix. 4K-Auflösung gibt es nur im Premium-Abo für 17,99 Euro monatlich und gehört eindeutig zu den teuersten Abos im Streaming-Markt.
Mitte Dezember 2022 hat ein Bericht von Digiday(öffnet im neuen Fenster) aufgedeckt, dass Netflix große Probleme hat, die gebuchte Werbung ausspielen zu können. Der Grund liegt darin, dass das Werbeabo zu wenige gebucht haben respektive diese es zu selten nutzen, also zu wenig bei Netflix schauen. Netflix bietet Werbekunden an, für nicht ausgespielte Werbung Geld zurückzuzahlen. Das haben einige Werbetreibende genutzt. Zum Teil sollen nur 80 Prozent der versprochenen Ausspielungen erreicht worden sein.
Netflix-Werbeabo mit vielen Einschränkungen
Unverändert informiert Netflix neue Abonnenten nur sehr lückenhaft über die vielen Beschränkungen, die eine Buchung des Netflix-Werbeabos nach sich zieht. Zum einen müssen sich Abonnenten damit abfinden, dass pro Stunde etwa vier bis fünf Minuten Werbung mit Werbespots zwischen 15 und 30 Sekunden Länge ausgespielt werden.
Zudem ist keine Offline-Nutzung möglich – und nur auf diese Beschränkung weist Netflix eindeutig hin. Auf der Netflix-Buchungsseite fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass das Werbeabo von Netflix weder auf Apple TV, der Playstation 3 von Sony noch dem klassischen Chromecast von Google genutzt werden kann. Wenn Neukunden angeben, dass sie das Werbeabo auf diesen Geräten einsetzen wollen, gibt es keinen Hinweis auf diese Beschränkung.
Netflix hält Informationen zurück
Zudem erhalten Abonnenten des Netflix-Werbeabos nur einen verringerten Katalog an Inhalten . Dabei fehlen auch Filme und Serien, die in den übrigen Abomodellen als Netflix Originals zu finden sind. Welche Titel genau fehlen, verschweigt Netflix aktiv. Interessenten müssen sich anderweitig erkundigen und erhalten von Netflix keine Unterstützung. Generell gibt es das Werbeabo nur mit einer HD-Qualität von 720p. Es gibt keine Möglichkeit, das Werbeabo mit einer zeitgemäßeren Auflösung zu bekommen.
Bei der Buchung eines neuen Netflix-Kontos geht der Anbieter davon aus, dass Kunden das Abo bereits kennen. Denn sie werden danach gefragt, welche Filme und Serien sie besonders gut finden. Dabei werden ausschließlich Netflix-Eigenproduktionen genannt, die zum Großteil nur dort angeschaut werden können. Wer noch keine Erfahrungen mit Netflix hat, kann diese Funktion somit nicht sinnvoll nutzen.
Nachtrag vom 2. Februar 2023
Seit Anfang Februar 2023 gilt für Abonnenten des Netflix-Basis-Abos mit Werbung eine weitere Beschränkung : Es gibt keine Inhalte mehr in 3D-Audio alias 3D-Raumklang alias Spatial Audio. Auch in den Abos Basis und Standard wurde diese Funktion entfernt. Wer sie weiterhin nutzen will, muss das teuerste Abo von Netflix buchen – das Premium-Abo für 17,99 Euro im Monat.