Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Konkurrenz für Disney, Netflix und Sky: Das große Warten auf Warners HBO-Abo Max

Bald läuft ein Exklusivvertrag zwischen Sky und Warner für HBO-Inhalte aus - eine Zäsur. Dann kann Max starten, was den Markt verändern wird.
/ Ingo Pakalski
48 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
2025 wird das letzte Jahr ohne Warners HBO-Abo Max in Deutschland. (Bild: Pixabay)
2025 wird das letzte Jahr ohne Warners HBO-Abo Max in Deutschland. Bild: Pixabay

Noch bleibt den etablierten Anbietern von Streamingabos eine Schonfrist von mindestens einem Jahr. Ende 2025 enden Warners Exklusivverträge mit Sky, so dass das HBO-Abo Max im nächsten Jahr in Deutschland starten kann. Das könnte bedeuten, dass Abonnenten die HBO- und Warner-Inhalte endlich in einer besseren Streaming-App mit zeitgemäßer Bildqualität anschauen können.

Das hängt davon ab, wie gut Warner die Max-App macht und mit welchen Konditionen das Abo 2026 in Deutschland starten wird. Man will unter anderem eine TV-Serie zu Harry Potter starten, mit der das Hollywoodstudio an die Erfolge von Game of Thrones anknüpfen will.

Mit dem Markteintritt des HBO-Warner-Abos Max wird sich der deutsche Markt für Streamingabos deutlich verändern. Abonnenten haben ein weiteres Abo zur Auswahl und in Anbetracht der stetig steigenden Kosten für Streamingabos könnte es für Warner schwierig werden, Abonnenten davon zu überzeugen, für noch ein Abo zu bezahlen oder ein anderes Abo in der Zeit zu pausieren.

Was macht Warner mit Sky?

In den USA umfasst das Max-Abo aktuell knapp 1.750 Serien und über 1.650 Filme. Zum Vergleich: Der Netflix-Katalog enthält in Deutschland derzeit etwas mehr als 2.700 Serien und mehr als 5.250 Filme. Disney+ kommt auf rund 855 Serien und gut 2.000 Filme. Abonnenten von Paramount+ haben zurzeit Zugriff auf etwas mehr als 250 Serien sowie 480 Filme.

Wie groß die Änderungen für die Zuschauer sein werden, hängt vor allem davon ab, wie Warner das Abo für den deutschen Markt gestalten wird. Besonders einschneidend wird es voraussichtlich für Sky mit dem Streamingabo Wow sein.

Noch hat Sky einen strategischen Vorteil am Markt: Es kann exklusiv die meisten neuen HBO-Produktionen zeigen und bekommt auch Warner-Kinofilme zuerst. Allerdings ist der Wow-Katalog in Deutschland viel kleiner als der Max-Katalog in den USA: Bei Wow haben Abonnenten Zugriff auf 600 Serien sowie knapp 1.000 Filme.

Für Sky kann es schwierig werden

Sky setzt gerade alles daran, die Warner-Inhalte zumindest nicht zu verlieren, wenn das Unternehmen sie schon nicht mehr exklusiv erhalten wird. Noch liegen keine Informationen vor, ob Warner dem Wunsch von Sky nachkommen wird. Falls ja, ist nicht bekannt, wie das genau aussehen wird.

Schon als Paramount+ nach Deutschland kam, bedeutete das für Sky eine drastische Verringerung des Katalogs. Zum Ausgleich erhalten Pay-TV-Kunden von Sky das Abo von Paramount+ ohne Aufpreis dazu. Für Wow-Abonnenten gilt das nicht; Sky speist Streamingkunden seit Jahren mit einer schlechteren Leistung ab als die Pay-TV-Kundschaft.

Zurück zum Max-Marktstart: Falls Warner nicht so gnädig ist, sich weiterhin vertraglich an Sky zu binden, hätte der langjährige Pay-TV-Sender ein gehöriges Problem. Mit einem Schlag würde der Sender die meisten seiner prestigeträchtigen Inhalte verlieren.

Sky agiert anders als Netflix, Disney und Co.

Sky zog sich bereits vor anderthalb Jahren aus dem Geschäft deutscher Eigenproduktionen zurück , während die Konkurrenz rund um Apple, Disney, Netflix und Paramount ihre Aktivitäten auch bei Eigenproduktionen aus Deutschland intensiviert. Während also die übrige Streamingkonkurrenz auf möglichst wenig Abhängigkeit von anderen Firmen setzt, hofft Sky vor allem darauf.

Aber ohne die Warner-Inhalte wäre das Wow-Abo inhaltlich noch weniger attraktiv als jetzt schon. Selbst wenn Warner seine Inhalte parallel bei Sky anböte, wird es der Pay-TV-Sender schwer haben, vor allem neue Kunden davon zu überzeugen, die Inhalte nicht direkt bei Max zu schauen - vor allem, falls das Max-Abo mehr Warner- und HBO-Inhalte bietet als Wow.

In einem anderen Szenario bekäme Sky die Warner-Inhalte erst, nachdem diese im Max-Abo zu sehen waren. Falls sich das Hollywoodstudio für den Weg entscheidet, wäre es aus Kundensicht besonders blöd, wenn die Warner-Inhalte dann exklusiv zu Sky wandern und nicht mehr im Max-Abo wären.

Abwegig ist das Szenario nicht, da die großen Hollywoodstudios nicht mehr alle Inhalte exklusiv halten wollen. Sie haben ihre Streamingstrategie längst geändert.

Streamingstrategie der Hollywoodstudios schadet Abonnenten

Disney hatte ursprünglich versprochen, dass sich Abonnenten von Disney+ darauf verlassen können, dort alle Disney-Inhalte zu finden. Das ist nicht mehr der Fall.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Rechte für die Filmreihe des Marvel Cinematic Universe (MCU)(öffnet im neuen Fenster) nicht alle bei Disney liegen. Anderthalb Jahre lang gab es auch die Spider-Man-Filme von Sony im Abo von Disney+ . Wer alle Marvel-Filme aus dem MCU schauen will, müsste aktuell mindestens drei Streamingabos buchen, sofern gezielt und vorausschauend die richtigen ausgewählt werden. Ansonsten könnten noch mehr Abos nötig sein.

Zum Teil wurden viele Disney-Produktionen nach dem Rausschmiss aus dem Abo von Disney+ nicht an andere Anbieter lizenziert, so dass die Inhalte nirgendwo anders zu sehen sind. Teilweise können diese Titel nicht einmal als Leih- oder Kauftitel digital erworben werden.

Gemeinsamkeiten zwischen Disney+ und Paramount+

Bei Paramount ist die Situation ähnlich: Paramount+ verlor vor einiger Zeit den hauseigenen Blockbuster Top Gun Maverick. Es gibt ihn seit dem 22. Dezember 2024 im Abo von Netflix - in 4K-Auflösung und mit Surround-Klang. Der erste Top-Gun-Teil läuft weiterhin bei Paramount+, so dass zwei Abos nötig sind, wenn Zuschauer beide Teile sehen möchten.

Aus Kundensicht sorgt das für Verwirrung, denn eigentlich wäre es für Film- und Serienfans doch gut, wenn sie wüssten, dass sie bei Paramount+ in Anbetracht des vergleichsweise kleinen Katalogs zumindest alle Paramount-Spielfilme und Showtime-Serien anschauen könnten, auch wenn sie dort nicht exklusiv sind. Diese Verlässlichkeit gab es bei Paramount+ allerdings nie.

Netflix ist einer der wenigen Anbieter im Streamingmarkt, der bereits seit Jahren keine exklusiven Inhalte mehr an andere lizenziert. Auch Apple folgt dem Beispiel, so dass die Inhalte von Apple TV+ bisher nur mit diesem Abo angeschaut werden können .

Gehen die Preiserhöhungen weiter?

Im vergangenen Jahr gab es bei vielen Abos Preiserhöhungen, aller Voraussicht nach wird das 2025 weitergehen. Am wahrscheinlichsten sind derzeit Erhöhungen bei Apple TV+, Netflix und vor allem Paramount+. Nach mehreren Terminverschiebungen wollen Letztere dieses Jahr wohl endlich Paramount-Inhalte in 4K-Qualität und mit Dolby-Atmos-Klang anbieten.

Dafür werden Abonnenten von Paramount+ mehr zahlen müssen, weil das Filmstudio neue Abostufen anbieten wird. Derzeit gibt es nur ein Abo, das noch immer keinen Surround-Ton abspielt. Abonnenten warten auf Raumklang seit mehr als zwei Jahren.

Kontensharing ändert sich

Änderungen könnte es auch beim Kontensharing geben: Vermutlich werden weitere Streamingdienste etwas dagegen unternehmen, dass Abos mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts geteilt werden. Netflix machte den Anfang, bisher ist nur Disney dem Beispiel gefolgt. Beide bieten kostenpflichtige Zusatzmitgliedschaften an, damit ein Abo mit anderen Haushalten geteilt werden kann.

Die Zusatzmitgliedschaften umfassen zwar alle Aboinhalte, sind jedoch beim Funktionsumfang eingeschränkt. Wer mit den Beschränkungen leben kann, muss weniger als für ein normales Abo zahlen, wenn er jemanden findet, der das Abo teilen möchte.

Durch die Erlaubnis zum Teilen könnte das Abospringen verringert werden. Aufgrund der stetigen Preiserhöhungen ist es für viele nicht mehr tragbar, mehrere Streamingabos parallel zu nutzen. Stattdessen werden Abos pausiert und immer wieder ein anderes der inaktiven Abos aktiviert, um ein oder zwei Monate nur dort zu schauen.

2025 sind derzeit keine großen Umbrüche im deutschen Streamingmarkt absehbar. Dafür kann der Marktstart von Warners HBO-Abo Max im kommenden Jahr für gehörige Veränderungen sorgen. Wenn sich Film- und Serienfans auf das Max-Abo stürzen und andere Abos pausieren, werden die anderen Anbieter das deutlich merken.

Ingo Pakalski beobachtet für Golem.de seit rund zehn Jahren den Markt für Videostreamingabos. Immer wieder verändert sich der Umfang der jeweiligen Kataloge und seitdem sind viele neue Anbieter gekommen, während andere längst nicht mehr existieren.


Relevante Themen