• IT-Karriere:
  • Services:

Kommunikationspflicht: Gericht kritisiert "Ersatzgesetzgeber" Google

Eine E-Mail-Adresse im Impressum muss auch eine Kommunikation ermöglichen. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, haben Verbraucherschützer im Falle Googles nun auch in zweiter Instanz bestätigt bekommen.

Artikel veröffentlicht am ,
Google muss auch per E-Mail für Nutzer erreichbar sein.
Google muss auch per E-Mail für Nutzer erreichbar sein. (Bild: Dado Ruvic/Reuters)

Im Streit über die Erreichbarkeit per E-Mail hat der Suchmaschinenkonzern Google in zweiter Instanz eine Niederlage einstecken müssen. Das Berliner Kammergericht bestätigte in seinem Urteil eine Entscheidung des Landgerichts Berlin vom September 2014, wonach Google über eine im Impressum seiner Webseiten genannte E-Mail-Adressse tatsächlich erreichbar sein muss und nicht in automatisierten E-Mails antworten darf, über diese Adresse nicht erreichbar zu sein. Das Urteil vom 23. November 2017 war in dieser Woche bekanntgeworden (Az.: 12U 124/14).

Stellenmarkt
  1. Vodafone GmbH, Düsseldorf, Eschborn, Berlin
  2. Garmin Würzburg GmbH, Würzburg

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), der gegen Google geklagt hatte, begrüßte die Entscheidung. "Verbraucher haben ein Recht darauf, dass sie Online-Anbieter per E-Mail erreichen und unkompliziert Kontakt aufnehmen können", sagt Rechtsreferent Heiko Dünkel laut Pressemitteilung. "Diese Kommunikation darf ein Unternehmen nicht verweigern, indem es Kundenanfragen gar nicht erst liest."

Google darf Gesetze nicht ignorieren

Kommerzielle Betreiber von Internetdiensten müssen nach Paragraf 5 des Telemediengesetzes (TMG) auf ihren Webseiten Angaben machen, "die eine schnelle elektronische Kontaktaufnahme und unmittelbare Kommunikation mit ihnen ermöglichen, einschließlich der Adresse der elektronischen Post". Wer eine E-Mail an die von Google angegebene Adresse schickt, erhält jedoch die Antwort: "Bitte beachten Sie, dass aufgrund der Vielzahl von Anfragen, E-Mails, die unter dieser E-Mail-Adresse support-de@google.com eingehen, nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden können." Stattdessen werden die Nutzer in der E-Mail auf eine Vielzahl von Hilfeseiten verwiesen.

Das Gericht schloss sich der Auffassung der Verbraucherschützer an, dass dieser Umgang mit Kundenanfragen gegen das Telemediengesetz verstößt. Selbst unter der Annahme, dass das von Google praktizierte Verfahren den Verbraucherinteressen im Ergebnis besser diene als eine individuelle Kommunikationsmöglichkeit, bei der sogar alle eingehenden E-Mails unbeantwortet blieben, dürfe sich Google nicht über das Gesetz hinwegsetzen, heißt es in dem Urteil. Google könne "sich nicht als Ersatzgesetzgeber gerieren und unter Hinweis auf Sinn und Zweck der Vorschrift eine zwingend vorgeschriebene Angabe durch eine ihr geeigneter erscheinende Angabe ersetzen", schreibt das Gericht.

Das Urteil des Kammergerichts ist noch nicht rechtskräftig. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache hat das Gericht die Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen. Google hat auf Anfrage von Golem.de noch nicht geantwortet, ob das Urteil akzeptiert oder Revision beantragt wird.

Nachtrag vom 26. April 2018, 21:23 Uhr

Google teilte am Donnerstag auf Anfrage von Golem.de mit, einen Antrag auf Revision des Urteils zu prüfen. Zudem befinde sich das Unternehmen in Gesprächen mit dem VZBV.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. 19,20€ (Bestpreis!)
  2. (u. a. Cooler Master Hyper TX3 Evo CPU-Kühler für 19,99€, Cooler Master Masterair MA621P TR4...
  3. (u. a. Sharkoon Skiller SGM3 Gaming-Maus für 22,99€, BenQ GL2780E 27-Zoll-LED FHD für 127...
  4. 54,99€ (Bestpreis!)

Faksimile 26. Apr 2018

Wenn der Inhalt dem Unternehmen zur Kenntniss gelangt, können daraus auch Rechtspflichten...

Anonymer Nutzer 26. Apr 2018

Die Pflicht zum Impressum gilt für jede Firma die ihre Dienste in der EU erbringt, zB für...

Anonymer Nutzer 26. Apr 2018

Das Risiko der Entdeckung ist kein Maßstab für oder gegen untersagte Handlungen. Es...

blariog 26. Apr 2018

Vielleicht ganz einfach, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist?!

Eheran 26. Apr 2018

Welche Nummer denn?


Folgen Sie uns
       


Logistik: Hamburg bekommt eine Röhre für autonome Warentransporte
Logistik
Hamburg bekommt eine Röhre für autonome Warentransporte

Ein Kölner Unternehmen will eine neue Elbunterquerung bauen, die nur für autonom fahrende Transporter gedacht ist.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Intelligente Verkehrssysteme Wenn Autos an leeren Kreuzungen warten müssen
  2. Verkehr Akkuzüge sind günstiger als Brennstoffzellenzüge
  3. Hochgeschwindigkeitszug JR Central stellt neuen Shinkansen in Dienst

Energiewende: Wie die Begrünung der Stahlindustrie scheiterte
Energiewende
Wie die Begrünung der Stahlindustrie scheiterte

Vor einem Jahrzehnt suchte die europäische Stahlindustrie nach Technologien, um ihren hohen Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren, doch umgesetzt wurde fast nichts.
Eine Recherche von Hanno Böck

  1. Wetter Warum die Klimakrise so deprimierend ist

5G: Nokias und Ericssons enge Bindungen zu Chinas Führung
5G
Nokias und Ericssons enge Bindungen zu Chinas Führung

Nokia und Ericsson betreiben viel Forschung und Entwicklung zu 5G in China. Ein enger Partner Ericssons liefert an das chinesische Militär.
Eine Recherche von Achim Sawall

  1. Quartalsbericht Ericsson mit Topergebnis durch 5G in China
  2. Cradlepoint Ericsson gibt 1,1 Milliarden Dollar für Routerhersteller aus
  3. Neben Huawei Telekom wählt Ericsson als zweiten 5G-Ausrüster

    •  /