Kometen erforschen: Rosetta muss brennen

Rosetta muss brennen, das heißt, die Triebwerke der Raumsonde müssen es. Denn sie ist auf dem Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, und damit sie dort auch ankommt, müssen in den nächsten Wochen einige kritische Manöver durchgeführt werden. Eines davon wurde gestern erfolgreich beendet.

Artikel veröffentlicht am , Florian Freistetter/Scienceblog
Rosetta ist auf dem Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko.
Rosetta ist auf dem Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. (Bild: Nasa)

Die Mission von Rosetta ist enorm spannend und war von Anfang an eines der ambitioniertesten Raumfahrtprojekte der letzten Zeit: Es geht darum, einen Kometen aus unmittelbarer Nähe zu beobachten und auf seiner Oberfläche zu landen. Und dabei wartet man nicht, bis der Komet in der Nähe der Erde vorbeikommt, sondern fliegt bis hinaus zur Jupiterbahn, um den kleinen Himmelskörper dort in Empfang zu nehmen. Rosetta soll 67P/Tschurjumow-Gerassimenko auf seinem Weg zur Sonne begleiten, um die Veränderungen, die die Annäherung beim Kometen verursacht, live beobachten zu können. Gestern hat die Sonde erfolgreich ein Testmanöver überstanden.

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Bis zur Jupiterbahn ist es ein weiter Weg und Rosetta ist deswegen schon seit 2004 unterwegs. Um ausreichend Geschwindigkeit aufbauen zu können, hat die Raumsonde mehrmals bei den Planeten Schwung geholt und sich mit Swing-By-Manövern ein wenig von deren Gravitationsenergie ausgeliehen. Dieses Video zeigt den Weg der Sonde zum Ziel:

Was man aber oft vergisst: Geschwindigkeit aufbauen, um das Ziel zu erreichen, ist nur der erste Schritt. Im Weltall gilt das zweite Newtonsche Axiom in voller Härte: Etwas, das sich bewegt, bewegt sich weiterhin, wenn man nichts dagegen unternimmt. Auf der Erde würde die Reibung an der Luft jedes sich bewegende Objekt irgendwann abbremsen. Aber im All flöge Rosetta einfach mit unverminderter Geschwindigkeit weiter und mit hoher Geschwindigkeit am Kometen vorbei, wenn man sich nicht rechtzeitig darum kümmert und bremst.

Es geht darum, die Geschwindigkeit von Rosetta an die Geschwindigkeit des Kometen anzugleichen, damit sich die Sonde am Ende aus Sicht des Kometen nicht mehr bewegt und in einen Orbit um den Fels- und Eisbrocken einschwenken kann. Genau das ist das Ziel der Manöver, die derzeit durchgeführt werden.

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Vor dem ersten Testmanöver, bei dem am 7. Mai 2014 nachgesehen wurde, ob auch alles so funktioniert, wie es sollte, betrug die Geschwindigkeit der Sonde relativ zum Kometen noch enorme 775 Meter pro Sekunde. Danach waren es 754 m/s - kein großer Unterschied, aber es war ja auch nur ein Test. Gestern aber wurden die Thruster für ganze 8 Stunden aktiviert, um die Relativgeschwindigkeit um ganze 291 Meter pro Sekunde zu verringern. Das hat geklappt. Zum Glück, denn wenn es bei der Abbremsphase der Mission irgendwelche Schwierigkeiten gibt, wird es kritisch, wenn man noch rechtzeitig genug Geschwindigkeit abbauen will, um den Kometen zu erreichen.

Die nächste Manövrierphase folgt am 4. Juni, wo Rosetta ebenfalls gleich 271 m/s Relativgeschwindigkeit auf einen Schlag verlieren soll. Bis zum Juli 2014 folgen dann 5 kleinere Bremsphasen, die die Relativgeschwindigkeit zum Kometen auf 8 Meter pro Sekunde reduzieren - dann kann sie anfangen, sich endgültig anzunähern und in einen Orbit um 67P/Tschurjumow-Gerassimenko zu schwenken.

Bis jetzt lief bei dieser Mission alles nach Plan und es bleibt zu hoffen, dass auch die kommenden Manöver so laufen, wie die Leute von der Europäischen Weltraumagentur sich das vorstellen. Eine erfolgreiche Annäherung und Landung auf dem Kometen, so weit von der Erde entfernt, wäre eine gewaltige Leistung. Die Sonde wird beeindruckende Bilder zur Erde schicken. Und wenn Rosetta erst mal angekommen ist, dann geht die eigentliche Reise ja erst los. Dann wird sie gemeinsam mit dem Kometen durchs All sausen und Daten sammeln, wie wir sie bis jetzt noch nicht gesehen haben.

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