Kolonie im Weltall: Nasa forscht an Pilzhäusern für Mond und Mars

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa plant, bis zum Jahr 2040 Häuser auf der Mondoberfläche zu bauen. Beim Projekt Mycotecture Off Planet(öffnet im neuen Fenster) forschen die Architekturfirma Redhouse und das Ames Research Center der Nasa gemeinsam an lunaren Pilzhäusern.
Es sollen Lebensräume auf dem Mond, dem Mars und darüber hinaus mithilfe der unterirdischen Fäden der Pilze entstehen(öffnet im neuen Fenster) . Die Myzelien machen den Hauptteil der Pilze aus. Diese winzigen Myzelien-Fäden bauen mit äußerster Präzision komplexe Strukturen auf und vernetzen sich zu größeren Gebilden wie Pilzen. Unter den richtigen Bedingungen kann man sie dazu bringen, neue Strukturen zu bilden – von einem lederähnlichen Material bis hin zu den Bausteinen für ein Habitat.
Aufbau des Habitats aus Myzelien
Diese kompakten Habitate bestehen aus leichtem Material. Während des Transportes zu einem anderen Himmelskörper befinden sich die Pilze in einem ruhenden Zustand. Nach der Ankunft können die Pilze durch die Zugabe von Wasser um das aufblasbare Gerüst herum zu einem voll funktionsfähigen menschlichen Lebensraum heranwachsen.
Anschließend werden die Myzelien gebacken und damit abgetötet. So wird nicht nur die strukturelle Integrität gewährleistet. Die möglichen Mikroben auf dem Mars werden dadurch zusätzlich vor der Kontamination bewahrt.
Die Errichtung eines solchen Hauses soll laut einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera(öffnet im neuen Fenster) lediglich 30 bis 60 Tage dauern. Im Innenraum werden sich zudem ein Waschbecken und eine Toilette befinden. Das Konzept umfasst eine Art eigenes Ökosystem mit verschiedenen Arten von Organismen. Diese sollen den Menschen vor den extremen Herausforderungen in anderen Welten schützen.
Eine Art lebendes Habitat
Da es sich bei dem Pilz ebenfalls um ein Lebewesen handelt, muss er auch essen und atmen. Hier kommen die sogenannten Cyanobakterien ins Spiel – eine Art Bakterium, das die Energie der Sonne nutzen kann, um Wasser und Kohlendioxid in Sauerstoff und Pilznahrung umzuwandeln.
Neben den Wänden sollen die Weltraumhäuser mit einer dreischichtigen Kuppel ausgestattet sein. Die äußerste Schicht besteht aus gefrorenem Wassereis, das möglicherweise aus den vorhandenen Vorkommen auf dem Mond und Mars gewonnen wurde.
Dieses Wasser dient als Schutz vor Strahlung und sickert in die zweite Schicht – die Cyanobakterien. Diese Schicht kann das Wasser aufnehmen und mithilfe des durch die Eisschicht einfallenden Außenlichts Fotosynthese betreiben. Dadurch werden Sauerstoff für die Astronauten und Nährstoffe für die letzte Myzelschicht produziert.
Zudem könnten die Myzelien zur Wasserfiltration und für Biomining-Systeme eingesetzt werden, die Mineralien aus Abwasser extrahieren können. Denkbar wären auch eine biolumineszente Beleuchtung, Feuchtigkeitsregulierung und selbst generierende Lebensräume, die sich selbst heilen können.
Weltraumtest für 2028 geplant
Bis zur Umsetzung wird aber noch viel Zeit vergehen. Das in den Pilzen enthaltene Melanin lenkt die Weltraumstrahlung ab und schützt vor extremen Temperaturen.
Die ersten Haltbarkeits- und Tauglichkeitstests der Pilzhäuser außerhalb der Erde sollen auf dem Nachfolger der Internationalen Raumstation ISS, dem Starlab, erfolgen. Anfang des Jahres gab der Starlab-Mutterkonzern Voyager Space bekannt, dass er seine Raumstation mit einem Starship des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ins All bringen wolle. Dies soll frühestens ab dem Jahr 2028 geschehen .