Koalitionsvertrag: Zeitenwende bei der IT-Sicherheit

In der Ampelkoalition deuten sich große Veränderungen bei der IT-Sicherheit an. Wir haben uns den Koalitionsvertrag genauer angeschaut.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Die Ampelkoalition will Sicherheit mit weniger Überwachung
Die Ampelkoalition will Sicherheit mit weniger Überwachung (Bild: Alessandro Bianchi/Reuters)

Otto Schily, Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière, Hans-Peter Friedrich und Horst Seehofer: Diese fünf Bundesinnenminister von Union und SPD haben seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dafür gesorgt, dass die Überwachung der Bürger, nicht nur im Internet, immer weiter verschärft wurde.

Inhalt:
  1. Koalitionsvertrag: Zeitenwende bei der IT-Sicherheit
  2. White-Hacking soll legal werden
  3. Vorratsdatenspeicherung nur "anlassbezogen"

Der neue Koalitionsvertrag, den SPD, Grüne und FDP am 24. November vorgestellt haben, will diese Entwicklung nicht nur stoppen, sondern teilweise sogar korrigieren. Messen lassen muss sich die Koalition aber am Ende an der tatsächlichen Umsetzung der Pläne.

Ob Vorratsdatenspeicherung, Staatstrojaner, automatische Gesichtserkennung, Nutzerverifzierung oder Bestandsdatenauskunft: In den vergangenen Jahren gab es kaum einen Überwachungswunsch der Sicherheitsbehörden, der nicht von den Innenministern gesetzlich umgesetzt werden wollte.

Nicht dauernd in Karlsruhe scheitern

Zwar versuchte die SPD in den vergangenen Jahren gelegentlich, die schlimmsten Auswüchse zu verhindern. Doch wie das Beispiel Vorratsdatenspeicherung gezeigt hat, waren sich auch die Sozialdemokraten innerhalb der Koalition nicht zu schade, offensichtlich europarechtswidrige Gesetze durchzudrücken.

Stellenmarkt
  1. (Junior) .NET Entwickler (m/w/d)
    dmTECH GmbH, Karlsruhe
  2. IT-Projektmanager Personaleinsatzplanung inhouse (m/w/d)
    Helios IT Service GmbH, Berlin, deutschlandweit
Detailsuche

Häufig genug mussten Gerichte die gesetzlichen Vorstöße von Union und SPD wieder stoppen. Das betraf beispielsweise die Reform des Bundesnachrichtendienstes (BND), die vom Bundesverfassungsgericht in großen Teilen abgelehnt wurde. Solche Fehler will die neue Koalition möglichst nicht mehr begehen.

Recht auf Verschlüsselung soll kommen

Wie eine Zeitenwende bei der IT-Sicherheit lesen sich daher die entsprechenden Passagen im Koalitionsvertrag. "Wir führen ein Recht auf Verschlüsselung, ein wirksames Schwachstellenmanagement mit dem Ziel, Sicherheitslücken zu schließen, und die Vorgaben 'security-by-design/default' ein. Auch der Staat muss verpflichtend die Möglichkeit echter verschlüsselter Kommunikation anbieten", heißt es. Letzteres lässt sich als Absage an die De-Mail verstehen.

Etwas unklar ist die Formulierung, wonach das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) "unabhängiger" werden soll. Das deutet darauf hin, dass das BSI keine oberste Bundesbehörde und damit nicht so unabhängig wie der Bundesdatenschutzbeauftragte werden soll. Aus Koalitionskreisen hieß es, dass die Teile des BSI, die beispielsweise für Beratung oder Schwachstellen zuständig sind, dem Innenministerium auf jeden Fall entzogen werden. Die Aufsicht über Netze des Bundes könnte unter der Ägide des Ministeriums bleiben.

Die besten Deals am Black Friday

Sicherheitslücken "schnellstmöglich" schließen

Zudem sollen alle staatlichen Stellen verpflichtet werden, ihnen bekannte Sicherheitslücken beim BSI zu melden und sich regelmäßig einer externen Überprüfung ihrer IT-Systeme zu unterziehen. Entscheidend für die IT-Sicherheit ist jedoch, dass das BSI diese Lücken auch den Unternehmen meldet und nicht für die Zwecke der Sicherheitsbehörden hortet. Innerhalb des Schwachstellenmanagements soll man sich "immer um die schnellstmögliche Schließung bemühen". Ebenfalls soll der Staat keine Sicherheitslücken "ankaufen oder offenhalten".

Damit würde die Ampelkoalition sogar noch über die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts hinaus gehen. Die Karlsruher Richter hatten den Sicherheitsbehörden in einem Urteil vom Juli dieses Jahres erlaubt, "eine Quellen-Telekommunikationsüberwachung mittels einer unbekannten Schutzlücke durchzuführen".

Zur besseren IT-Sicherheit soll laut Koalitionsvertrag die Legalisierung von White-Hat-Hacking beitragen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
White-Hacking soll legal werden 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Michael H. 25. Nov 2021 / Themenstart

Du meinst dann kommt die Telekom wieder mit irgend einem zamgebastelten extra Quatsch...

theFiend 25. Nov 2021 / Themenstart

Halte ich jetzt mal für ein schweres Gerücht und ist eigentlich auch nicht durch übliche...

Bobah 25. Nov 2021 / Themenstart

x,D erstma copyright claim! was ne nummer^^

Extrawurst 25. Nov 2021 / Themenstart

Quark. So wie du argumentierst, müsste der Vergleich eher lauten: Hauptsache wir haben...

theFiend 25. Nov 2021 / Themenstart

Im wesentlichen ist eine Leistungsbeurteilung abseits der Punkte die beim...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
MS Satoshi
Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs

Kryptogeld-Enthusiasten kauften ein Kreuzfahrtschiff und wollten es zum schwimmenden Freiheitsparadies machen. Allerdings scheiterten sie an jeder einzelnen Stelle.
Von Elke Wittich

MS Satoshi: Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs
Artikel
  1. Solar Orbiter: Letzter Gruß an die Erde vor der wissenschaftlichen Mission
    Solar Orbiter
    Letzter Gruß an die Erde vor der wissenschaftlichen Mission

    Die Esa-Raumsonde Solar Orbiter soll zur Sonne fliegen. Mit ihrem Vorbeiflug an der Erde beginnt die wissenschaftliche Missionsphase.
    Von Patrick Klapetz

  2. Gigafactory Berlin: Tesla verzichtet für Akkufertigung auf staatliche Förderung
    Gigafactory Berlin
    Tesla verzichtet für Akkufertigung auf staatliche Förderung

    Tesla verzichtet für die geplante Akkufertigung in Grünheide bei Berlin auf eine mögliche staatliche Förderung in Milliardenhöhe.

  3. 50 Prozent bei IT-Weiterbildung sparen
     
    50 Prozent bei IT-Weiterbildung sparen

    Die Black Week 2021 in der Golem Karrierewelt läuft weiter: 50 Prozent bei zahlreichen Live-Workshops, Coachings und E-Learnings sparen - noch bis Montag!
    Sponsored Post von Golem Akademie

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • Corsair MP600 Pro XT 1TB 167,96€ • Apple Watch Series 6 ab 379€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops (u. a. Lenovo Ideapad 5 Pro 16" 829€) • MS Surface Pro7+ 888€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /