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Knowledge Engine: Wirbel um angebliche Wikipedia-Konkurrenz zu Google

Plant die Wikimedia-Stiftung eine Suchmaschine, um Google anzugreifen? Dokumente über eine zweckgebundene Spende bringen neue Unruhe in die Wikipedia-Community.

Artikel veröffentlicht am ,
Logo der Knowledge Engine vom Juni 2015
Logo der Knowledge Engine vom Juni 2015 (Bild: Wikimedia Foundation)

Nach dem Streit über die Neubesetzung eines Vorstandspostens gibt es neuen Krach zwischen der Wikipedia-Community und der Wikimedia-Stiftung (WMF). Auslöser sind Pläne für eine Suchmaschine, für die die Stiftung eine zweckgebundene Spende in Höhe von 250.000 Dollar erhalten hat. Unklar ist derzeit, welche Aufgaben die "Wissensmaschine" (Knowledge Engine) tatsächlich erfüllen soll.

Inhalt:
  1. Knowledge Engine: Wirbel um angebliche Wikipedia-Konkurrenz zu Google
  2. Wales wirft Kritikern Paranoia vor

Will die Stiftung damit kommerziellen Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo Konkurrenz machen? Verschiedene Passagen aus einer Vereinbarung zwischen der WMF und dem Geldgeber, der Knight-Stiftung legen diesen Schluss nahe. Darin heißt es: "Die Knowledge Engine von Wikipedia wird das Auffinden von Medien, Nachrichten und Informationen demokratisieren. Sie wird die relevantesten Informationen des Internets besser zugänglich und öffentlich kuratiert machen. (...) Heutzutage dominieren kommerzielle Suchmaschinen die Internetsuche. Dabei nutzen sie proprietäre Technik, um die Zugangswege zu Wissen und Informationen im Internet zu verfestigen. Ihre Algorithmen verschleiern den Weg, wie die Internetinformationen gesammelt und angezeigt werden."

Die erste transparente Suchmaschine

Dass die Knowledge Engine mehr Inhalte suchen soll, als in den verschiedenen Wikimedia-Projekten (Wikipedia, Wictionary, Wikidata, Wikibooks, Wikicommons etc.) enthalten sind, deutet ein weiterer Satz an. Darin wird die Suchmaschine als "System für das Finden von zuverlässigen und vertrauenswürdigen öffentlichen Informationen im Internet" beschrieben. Damit werde die Knowledge Engine die "erste transparente Suchmaschine des Internets". An einer anderen Stelle wird davor gewarnt, dass Google, Yahoo oder andere kommerzielle Suchmaschinenbetreiber die neue Wikipedia-Suche torpedieren könnten, indem sie ein ähnliches Projekt starten könnten.

Letzteres könnte bedeuten: Die neue Wikimedia-Suche soll längst nicht so umfassend sein, wie es Google oder Bing heute schon sind. Sonst müsste die kommerzielle Konkurrenz nicht ein vergleichbares Projekt starten, um Wikipedia abzuwehren. Es könnte auch gemeint sein, dass Google oder Bing selbst einen transparenten Ableger starten könnten, der nicht so viel Geheimniskrämerei um den Suchalgorithmus betreibt.

Kritik an Intransparenz der Stiftung

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Fehlende Transparenz ist in diesem Fall aber genau das, was die Community der Wikimedia-Stiftung in San Francisco vorwirft. Angeheizt wurde die Debatte durch das frühere Vorstandsmitglied James Heilman, der Ende Dezember 2015 vom übrigen Vorstand (Board of Trustees) geschasst wurde. In der internen Mitgliederpublikation Signpost behauptet Heilman nun indirekt, wegen seiner Kritik an der Spende aus dem Vorstand gedrängt worden zu sein. Zudem warf er der Geschäftsführung um Lila Tretikov vor, die Inhalte der Vereinbarung nicht veröffentlichen zu wollen. Tretikov hatte Ende Januar einige Details zu dem Projekt erläutert, die Vereinbarung aber aus Datenschutzgründen damals noch zurückgehalten.

Der nun vorgelegte Text wirft jedoch mehr Fragen auf, als er beantwortet. So wird das gesamte Budget für das Projekt in den Jahren 2015 und 2016 mit etwa 2,5 Millionen Dollar angegeben. Das erscheint reichlich wenig, um damit eine Google-Konkurrenz aufzubauen. Dem Dokument zufolge verfügt die Knowledge Engine über vier Stufen: Finden (Discovery), Beratung (Advisory), Community und Erweiterung (Extension). Die Spende soll die erste Stufe der Suchmaschine mitfinanzieren, für die ein Entwicklungszeitraum von 16 bis 18 Monaten veranschlagt wird.

Beobachter schätzen die Gesamtkosten für die mehrjährige Entwicklung der Engine auf zwölf Millionen Dollar. Daneben soll das Discovery-Projekt beispielsweise eruieren, inwieweit die Wikipedia vorab auf Endgeräten installiert werden kann. Ebenfalls soll herausgefunden werden, ob die Nutzer auch dann zur Wikipedia gehen, wenn sich hinter dem Lexikon ein offener Kanal verbirgt. Einem ersten Konzept zufolge könnte die Startseite der Wikipedia künftig derjenigen von Google stark ähneln.

Wales wirft Kritikern Paranoia vor 
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fehlermelder 17. Feb 2016

Eine Suchmaschine, die 0 Treffer liefert, die zu Shops führen, sondern nur zu relevanten...

Icestorm 17. Feb 2016

Kommt dann bald wieder der Hinweis beim Aufruf von WP, man möge doch spenden? Da wird...

Trollversteher 16. Feb 2016

Klar, eine unabhängige, gemeinnützige Organisation ohne jeden kommerziellen Hintergrund...

NukeOperator 16. Feb 2016

"Wissen demokratisieren" das erklärt einiges. In meiner jugendlichen Naivität hatte ich...

jungundsorglos 16. Feb 2016

Verkaufen ist eine ganz schlechte Idee. Patente und andere Rechte sollen nicht auf einer...


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