Klöber Klimastuhl im Test: Wenn der Sitz leise säuselt
Als wir unser Mitmachprojekt zur Ermittlung der Bürotemperatur starteten, fragten einige: Aber wozu das Ganze? Einerseits wollen wir dem Thema Aufmerksamkeit verschaffen – und wir wollen erfahren, welche Lösungen unsere Leser finden, wenn Großraumbüro oder bauliche Verhältnisse die Wunschtemperatur verhindern. Überraschend sind wir dabei auf einen neuen Bürostuhl gestoßen, der das Problem direkt am Arbeitsplatz lösen soll. Der Hersteller Klöber(öffnet im neuen Fenster) hat ihn uns zum Ausprobieren angeboten, und so haben wir zum ersten Mal in der Redaktion einen Test tatsächlich bequem ausgesessen.
Die Technik ist gut versteckt
Dass in dem Klimastuhl Technik verbaut ist, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Nur zwei Kippschalter auf der rechten Seite zeigen die Heiz- und Kühlfähigkeit an. Wir lassen uns in den Sitz fallen. Obwohl in der Sitzfläche und der Rückenlehne Lüfter und Heizelemente sitzen, ist davon nichts zu spüren. Die Polsterung ist nicht härter ausgelegt als bei unseren anderen Bürostühlen.

Obwohl die Juni-Temperaturen es nicht erfordern, probieren wir zuerst die Heizfunktion. Wir stellen den vorderen Kippschalter auf Heizen, den hinteren auf Stufe 2. Es wird merklich warm, aber nicht heiß. Die Temperatur soll den Sitzenden nicht zum Kochen bringen, sondern nur den Wärmeverlust in einer kalten Umgebung kompensieren. Es fühlt sich an wie eine klassische Sitzheizung im Auto.
Es saugt der Heinzelmann
Bei mehr als 30 Grad Außentemperatur ist die Lüfterfunktion natürlich viel interessanter. Also stellen wir den Kippschalter auf Lüften. Und schon fängt der Sessel leise an zu surren. Je nach Dicke des Sitzfleischs oder der Hose sind auf Stufe 2 leichte, nicht unangenehme Vibrationen spürbar. Als wir auf Stufe 1 zurückschalten, merken wir nur noch die Kühle. Einen Luftstrom spüren wir dabei nicht. Die Lüfter pusten die Luft nicht etwa in den Rücken, sondern saugen die warme Luft vom Körper ab, ganz genauso, wie ein PC-Kühler die Abwärme einer CPU abtransportiert. Dass dabei auch die Luftfeuchtigkeit am Körper, sprich Schweißverdunstungen, abgeführt wird, ist vor allem nach der Radfahrt ins Büro eine willkommene Wirkung.
Nicht jeder dürfte sich aber über das Lüftergeräusch freuen. In einem stillen Büro ist es auch auf Stufe 1 hörbar und entspricht dem typischen Säuseln eines mäßig beschäftigten PC-Lüfters. Wer Kopfhörer trägt oder in einem Büro mit Getuschel und Vieltelefonierern sitzt, dürfte davon aber nichts mitbekommen. Leiser als ein klassischer Standlüfter ist der Stuhl auf jeden Fall.
Der Akku reicht für den Arbeitstag
Am Ende des ersten Arbeitstags entnehmen wir den Akku. Dazu brauchen wir ihn nur herauszuziehen. An seiner Seite befindet sich eine mehrfarbige LED als Anzeige für den Ladestand, bei Druck auf den zugehörigen Knopf zeigt sie die noch verfügbare Akkukapazität per Ampelfarben an. Bei uns ist sie noch im grünen Bereich, ein Resultat der Stromspartechnik der Elektronik. Der Bürostuhl ist mit einem Drucksensor versehen. Geheizt oder gelüftet wird nur, wenn jemand darauf sitzt.
Es ist uns während des Tests nicht gelungen, den Akku innerhalb eines Arbeitstages zu leeren. Laut Klöber reicht der Akku im Lüfterbetrieb für 32 Stunden (Stufe 1) beziehungsweise 16 Stunden (Stufe 2). Im Heizbetrieb ist die Akkulaufzeit deutlich kürzer: 17 beziehungsweise 8,5 Stunden. Die Kapazität des Akkus beträgt 5.200 mAh, die Ausgangsspannung 11,1 Volt. Ist der Akku doch einmal leer, muss er entnommen und mit dem mitgelieferten 12,6-Volt-Netzteil wieder aufgeladen werden. Statt darauf zu warten, luden wir den Akku aus Gewohnheit einfach alle drei Tage.
Einen speziellen Effekt bemerkten wir im Laufe des Tests bei unserer Sitzhaltung. Statt irgendwann im Stuhl zu lümmeln, hielten wir uns die meiste Zeit tatsächlich aufrecht, wie es Orthopäden empfehlen. Der Grund ist simpel: Die Lüfter und die Heizelemente befinden sind im hinteren Teil der Sitzfläche und im unteren Teil der Rückenlehne. Wer von der Technik profitieren will, muss zwangsläufig korrekt sitzen.
Preis und Verfügbarkeit
So angenehm der Stuhl ist, preiswert ist die private Klimaanlage nicht. In der von uns getesteten Ausstattung kostet der Klimastuhl mehr als 1.200 Euro. Der Hersteller rechtfertigt den hohen Preis mit den potenziellen Einsparungen bei klassischen, individuellen Heiz- oder Kühlmethoden und der Vermeidung baulicher Änderungen sowie mit der höheren Produktivität, wenn Mitarbeiter bei ihrer Wohlfühltemperatur arbeiten können.
Wer nicht alle Verstellfunktionen braucht oder wem die Heiz- beziehungsweise Lüfterfunktion in der Sitzfläche ausreicht, der kann den Preis aufgrund der modularen Bauweise um einige Hundert Euro reduzieren.
Der Hersteller Klöber vertreibt den Klimastuhl über den Fachhandel(öffnet im neuen Fenster).
Fazit
Während der heißen Tage schalten wir den Standlüfter beim Betreten des Büros fast automatisch an. Eine Klimaanlage hat bei uns nur der Serverraum, wir haben während des Tests nicht unter Hitze gelitten, obwohl der Standlüfter aus blieb. Endlich konnten wir mal wieder Zettelchen auf dem Schreibtisch liegenlassen, ohne Gefahr zu laufen, dass diese bei der nächsten Gelegenheit verwirbelt würden. Leider gibt unser Budget die Kosten für den Klimastuhl derzeit nicht her. Wer aber im Winter zum 2.000-Watt-Fußheizer greifen muss oder wer räumliche Maßnahmen aus baulichen oder aus Kostengründen ausfallen lassen muss, bei dem dürfte die Rechnung anders ausfallen.
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