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Klimawandel: Europa erhitzt sich doppelt so schnell wie die Welt

Messdaten zeigen Europa als Zentrum des Klimawandels. Eine neue Theorie kann erklären, wieso, und weshalb Linderung in Sicht ist.
/ Mario Petzold
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Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg: Nur noch zwei der sechs Blöcke sind regelmäßig aktiv. (Bild: Getty Images/Sean Gallup)
Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg: Nur noch zwei der sechs Blöcke sind regelmäßig aktiv. Bild: Getty Images/Sean Gallup

Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zeigt anhand neuester wissenschaftlicher Studien, dass die Durchschnittstemperatur in Europa fast doppelt so stark gestiegen ist wie im globalen Mittel. Das geht aus Daten des Erdbeobachtungsprojekts Copernicus(öffnet im neuen Fenster) hervor.

Zwar ist die vordergründige Ursache, eine Veränderung und Destabilisierung des Jetstreams, bekannt. Unklar war bisher jedoch, warum genau er sich vor allem über Europa derart verändert hat und entsprechend große Auswirkungen auch in Deutschland zu spüren sind.

Seit etwa 1980 hat sich dieses stabile und größtenteils gleichmäßig strömende Band aus Höhenwinden gewandelt. Ausbuchtungen über Zentraleuropa(öffnet im neuen Fenster) führen seitdem dazu, dass sich Hochdruckgebiete in den Sommermonaten festsetzen. Die Folge ist ein gut dokumentierter Anstieg extremer Hitzewellen, der sich seit knapp zwei Jahrzehnten beschleunigt.

Aerosole mit doppeltem Effekt

Mit dem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur und der steigenden CO2-Konzentration in der Atmosphäre allein lässt sich die Fokussierung auf Europa allerdings nicht erklären. Simulationen des Barcelona Supercomputing Centers, die in Geophysical Research Letters(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht wurden, zeigen einen Zusammenhang mit der Luftverschmutzung beziehungsweise mit deren Fehlen über West- und Mitteleuropa.

Weil die Aerosole Sonnenlicht in den Weltraum reflektieren, verursacht ihr Fehlen eine stärkere Erwärmung. Dadurch verringert sich das Temperaturgefälle in Richtung Afrika. Parallel steigt das Gefälle Richtung Osten, wo weiterhin insbesondere Stickoxide emittiert werden. Auf diese Weise ergibt sich die lokale Veränderung des Jetstreams, der für das europäische Wetter hauptverantwortlich ist.

Hinzu kommt laut Bericht ebenfalls, dass die Aerosole als Kondensationskeim für die Wolkenbildung fehlen. Neben der erhöhten Lufttemperatur soll das ein wichtiger Grund für die seit Jahren geringeren Niederschlagsmengen sein.

Einen Hoffnungsschimmer für die nächsten Jahre und Jahrzehnte gibt es: Andere Regionen der Welt holen beim Kampf gegen Luftverschmutzung gerade auf. Ohne das veränderte Temperaturgefälle könnten sich auch die atmosphärischen Luftzirkulationen ändern, so dass Europa nur noch so schnell heißer wird wie der Rest des Planeten.


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