Klimawandel: 40 Prozent der Windparks angeblich durch Starkwind gefährdet

Unter anderem Heise(öffnet im neuen Fenster) berichtete von dem extrem hohen Gefährdungspotenzial für aktuelle und geplante Offshore-Windparks und bezog sich auf eine Studie in Nature Communications(öffnet im neuen Fenster) . Wobei schon der erste Satz nach Überschrift und Einleitung in der Nachricht die komplette Aussage relativiert.
Wörtlich heißt es: "Über 40 Prozent aller in Europa und Asien installierten Offshore-Windparks sind Windgeschwindigkeiten ausgesetzt, die sich oberhalb der maximalen Auslegungslast einiger Windturbinen befinden." Gefährdet sind also lediglich Windräder einer ganz bestimmten Kategorie, sollten diese jetzt oder zukünftig an den untersuchten Orten im Meer aufgestellt werden.
Es handelt sich um die schwächste von drei genau definierten Klassen von Windrädern für den Betrieb auf dem offenen Meer. In dieser Klasse III, die internationalen Standards(öffnet im neuen Fenster) folgt, müssen Windgeschwindigkeiten von 37 Meter pro Sekunde (m/s) ausgehalten werden. In der Klasse I sind es 50 m/s; das liegt deutlich über dem Wert, der in der Nordsee zu beobachten ist.
Zieht man die stärkste Kategorie von Windkraftanlagen heran, verringert sich die Fläche mit zukünftiger Gefährdung erheblich. Aus einem Anteil von 40 Prozent wird ein kleiner Rest von 1 Prozent. Diese Zahl findet sich ebenfalls in der Studie.
Windkraftanlagen werden stabil gebaut
Für eine tatsächliche Gefahrenabschätzung durch aktuelle und zukünftige Starkwindereignisse fragte die Süddeutsche Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) bei den Herstellern von Windkraftanlagen nach. Siemens Energy gibt an, dass alle in der Nordsee betriebenen Windräder der Klasse I entsprechen und somit kaum gefährdet seien.
Auch werden die immer höher aufragenden Windräder mittlerweile mit schwereren und längeren Fundamenten ausgestattet und die Wände der Türme werden ebenfalls dicker. Geplant seien bereits zusätzliche Klassifizierungen für Offshore-Windparks, um stärkeren Stürmen und den größeren Abmessungen der Anlagen gerecht zu werden.
Eine Frage der Abwägung
Gleichzeitig sei der Aufwand für den Bau der Anlage zu berücksichtigen. Das Forschungsteam rechnete in der Studie mit Ereignissen, die einmal in 50 Jahren auftreten – ein deutlich längerer Zeitraum als die Lebensdauer eines Windrads.
Korrekt ist allerdings auch, dass vor allem in den Meeresregionen rund um China größere Schwankungen bei den Windgeschwindigkeiten zu beobachten sind als in der Nordsee: mehr Flauten, aber auch mehr starke Stürme. Und dass dort teils schwächer konstruierte Windkraftanlagen zum Einsatz kommen.
Für die Zukunft muss das sicher nicht bedeuten, dass zunehmender Wind ein tatsächliches Problem für Offshore-Windparks sein muss.