Klimaschutz: Wie schmutzig ist ein Klick?

Über die ökologischen Kosten der Digitalisierung ist wenig bekannt. Doch aktuelle Forschung zeigt einen nahezu ungebremsten Energiehunger von Herstellern und Anwendern.

Eine Analyse von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Die Klimaampel steht auf Rot, finden Klima-Aktivisten schon lange (hier bei einer Demo im Spätsommer 2020). Doch welchen Anteil am Kohlendioxid-Ausstoß haben eigentlich Internetfirmen?
Die Klimaampel steht auf Rot, finden Klima-Aktivisten schon lange (hier bei einer Demo im Spätsommer 2020). Doch welchen Anteil am Kohlendioxid-Ausstoß haben eigentlich Internetfirmen? (Bild: Joe Klamar / AFP via Getty Images)

Es gibt nicht viele Zahlen, die Aufschluss über den CO2-Fußabdruck von Internetfirmen geben. Zum Beispiel gibt es aber folgende Überschlagsrechnung: Der Stromverbrauch der Milliarden Abrufe des Youtube-Videos Gangnam Style könnte so hoch sein wie der Jahresverbrauch von über 100.000 britischen Haushalten. Die Rechnung basiert auf Zahlen der British Computer Society, die aber mit großen Unsicherheiten verbunden sind.

Inhalt:
  1. Klimaschutz: Wie schmutzig ist ein Klick?
  2. Net-Zero für Rechenzentren im Jahr 2030
  3. Schmutzige künstliche Intelligenz?

"Das ist schon sehr beeindruckend, wenn man sich das vergegenwärtigt", sagt der Leiter der Stabsstelle Künstliche Intelligenz im Bundeswirtschaftsministerium, Marco-Alexander Breit mit Verweis auf diese Überschlagsrechnung.

Solche Zahlen machen nämlich klar, dass Digitalunternehmen ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz sind. Denn um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, müssen die globalen Emissionen bis 2030 halbiert werden.

Nur wenn die Digitalfirmen zu einem klaren Klimaschutz-Commitment finden, können sie die notwendige Transformation vorantreiben. Wirtschaften sie hingegen weiter wie bisher, befördern sie sogar den Weg in die Klimakatastrophe. Davor warnte unter anderem der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).

Was bewirkt ein Klick?

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Welche Emissionen nutzerseitige Handlungen genau verursachen, ist jedoch noch immer weitgehend unbekannt. Der französische Think Tank Shift Project untersucht seit Jahren Unternehmensberichte und Studien systematisch auf genauere Angaben zur Klimawirksamkeit von Digitalprodukten.

Er weist darauf hin, dass die veröffentlichten Daten zu selten präzise Schlussfolgerungen zulassen, obwohl seit 2019 unter der Maßgabe der Transparenz immer mehr Daten veröffentlicht wurden. Daher gebe es auch keine Aussagen zu einzelnen Unternehmen.

Kein Wunder, dass Breits Überschlagsrechnung ebenso nicht etwa auf einer wissenschaftlichen Studie basiert, sondern auf groben Schätzungen. Das Kernproblem ist der sogenannte Scope 3: Er umfasst Emissionen, die in der vor- oder nachgelagerten Lieferkette verursacht werden, aber nicht unter der unmittelbaren Kontrolle von Herstellern und Dienstleistern stehen.

In den Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen werden inzwischen Angaben zu Emissionen gemacht, die nach dem GHG-Protokoll, einem von vielen Unternehmen verwendeten Standard für Klimabilanzen, Scope 1 etwa bei unternehmenseigenen Flotten oder Kraftwerken betreffen sowie nach Scope 2 die vom Unternehmen bezogenen Energiedienstleistungen. Angaben zu Scope 3 beziehen sich meist auf die Mobilität von Mitarbeitern.

Für Marco-Alexander Breit ist gleichwohl klar, dass in der Nutzung von Digitaldiensten dennoch bereits einige "niedrig hängende Früchte" zu ernten sind. Dazu zählt er Streamingdienste für Cloud-Computerspiele, das Ausschalten von Autoload bei Twitter oder bei der Lokalisierung von Fotos und Videos auf Social-Media-Plattformen.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Andere Nutzeraktionen sind hingegen wesentlich schwieriger zu bewerten und zu beeinflussen. Beispielsweise lässt sich mangels Daten derzeit die Frage, wie viel Gramm Kohlendioxid bestimmte Eingaben in Spracherkennungssysteme verursachen, nicht beantworten.

Das Umweltsiegel Blauer Engel, das auch Hersteller von Digitaltechnik verwenden, deckt zwar seit 2020 nicht nur Hardware, sondern auch Software ab, doch Cloud-Dienste sind derzeit noch ausgenommen. Bei Cloud-Diensten müsste man nämlich auch berechnen können, welche Energiekosten die Anwendungen in bestimmten Rechenzentren verursachen.

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Net-Zero für Rechenzentren im Jahr 2030 
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Spiritogre 11. Jan 2021

Zurück in die Steinzeit ist keine Perspektive!

Cerdo 06. Jan 2021

Nö. Nicht einmal die Ökosteuer wird zu diesem Zweck verwendez, sondern landet im Topf.

zilti 06. Jan 2021

Werden bei der Vegivariante die Zutaten auch aus Südamerika eingeflogen, oder wird nur...

Benutztername12345 06. Jan 2021

Deine Sicht- und Argumentationsweise erinnern mich stark an einen Freund von mir. Ich...



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