Klimaschutz: Verbrennerkauf - warum der Verkehrsminister recht hat

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) warnt vor dem Kauf neuer Autos mit Verbrennungsmotor, weil fossile Brennstoffe keine Lösung sind - auch nicht als E-Fuels.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind nicht die Zukunft.
Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sind nicht die Zukunft. (Bild: Pixabay.com/Pixabay License)

"Deshalb kann ich nur dazu raten, auf CO2-neutrale Antriebe umzusteigen. Die Nutzung fossiler Kraftstoffe wird in Zukunft teurer werden", sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing dem Tagesspiegel. Die Aussage wird und kann als Warnung vor dem Kauf neuer Verbrenner verstanden werden. Und damit hat Wissing einen Punkt getroffen, den viele so gar nicht wahrhaben wollen. Das Ende des Verbrenners in Pkw ist so gut wie besiegelt. E-Fuels werden keine Alternative sein, da viel zu teuer und wertvoll.

Ein kleiner Blick in die Geschichte zeigt zwar, dass Verbrennermotoren schon lange mit nicht-fossilen Brennstoffen betrieben werden können. Während des zweiten Weltkriegs fuhren zahlreiche private Pkw mit sogenannten Holzvergasern. In einem Kessel werden bei diesem Verfahren Holzstücke so stark erhitzt, dass ein brennbares Gas frei wird, das dann im Motor anstelle von Benzin eingesetzt wird.

Holz statt Benzin - das klingt doch nachhaltig, oder? Leider nicht. Zum einen stanken diese Verbrenner entsetzlich, zum anderen erreichten sie erheblich schlechtere Fahrleistungen und gingen zudem schnell kaputt. Dennoch soll es allein im Deutschen Reich über 1.000 Holztankstellen gegeben haben, bei denen das Brennmaterial gelagert wurde.

Bei der Produktion von E-Fuels hingegen sollen Elektrolyseure mittels Windstrom zunächst Wasser in Sauerstoff und grünen Wasserstoff spalten. Anschließend soll CO2 aus der Luft gefiltert und mit dem Wasserstoff zu synthetischen Kohlenwasserstoffen kombiniert werden, die die Basis für die E-Fuels bilden.

Lieber Akkus als E-Fuels

Die Wirkungsverluste beider Methoden sind immens. Besonders nachteilig bei E-Fuels: Bei ihrer Produktion muss elektrischer Strom eingesetzt werden. Alternativ könnte dieser direkt für das Laden von E-Auto-Akkus verwendet werden. Dass der Einsatz von E-Fuels in dieser Hinsicht nicht klug ist, liegt auf der Hand. Zudem ist er teuer: Abgesehen vom schlechten Wirkungsgrad der Treibstoffe fallen Prozess- und Transportkosten an. Schließlich muss der Sprit zu den Lagern und Tanksäulen transportiert werden.

Entsprechend harsch fiel schon die Kritik des Bundesverbands E-Mobilität (BEM) am Klimaschutzprogramm 2030 aus, das noch von der vorherigen Regierung beschlossen wurde und eine E-Fuels-Förderung erwähnt. E-Fuels würden durch einen energieintensiven Prozess hergestellt, der auf Basis erneuerbarer Energien für die Anforderungen des Individualverkehrs heute nicht realisierbar sei und der "gigantische Mengen an Biomasse und Wasser erfordert", so der BEM.

Der Teil der Automobilindustrie, der weiterhin Verbrennermotoren anbieten will, dürfte über Wissings Statement nicht glücklich sein. Porsche baut eine eigene Versuchsanlage in Chile und will zum Beispiel Fahrzeuge wie den 911er weiterhin mit einem Verbrennungsmotor ausstatten. Dabei geht es nicht um den Erhalt von Oldtimern und Bestandsfahrzeugen. Auch BMW wolle den Verbrennerantrieb weiterentwickeln, sagte Firmenchef Oliver Zipse Ende 2021: "Die Autoindustrie in Europa ist auf diesem Gebiet weltweit führend. Mit einem Verbot in Deutschland und der EU würden wir diese Stellung aufgeben."

Fossiles Beharren auf den Verbrennern

Eigentlich ein abstruses Argument angesichts der allgemeinen Aufbruchstimmung der Gesetzgeber. Immer mehr Länder planen das Verbot von Neuzulassungen von Verbrenner-Pkw ungefähr ab den 2030er Jahren, manche sogar etwas früher.

Der Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung legt einen solchen Ausstieg nicht expressis verbis fest, aber der Teufel steckt im Detail: Die Formulierung, dass "außerhalb des bestehenden Systems der CO2-Flottengrenzwerte nachweislich nur mit E-Fuels betankbare Fahrzeuge neu zugelassen werden können", hält Ralf Diemer, Geschäftsführer der E-Fuel-Alliance, für unverständlich. Sie ergebe vor dem Hintergrund eines faktischen Verbrennerverbotes, das die EU-Kommission bis 2035 durch die CO2-Flottengrenzwerte vorschlägt, keinen Sinn.

"Es wird dann regulatorisch keine solche Fahrzeuge mehr geben können", sagte Diemer. Wenn die Politik Neufahrzeuge mit synthetischen Kraftstoffen wolle, dann müssten diese auch in den CO2-Flottengrenzwerten berücksichtigt werden.

Dies scheint aber offenbar für den Pkw-Bereich nicht der Fall zu sein. Heißt es doch im Koalitionsvertrag: "Grüner Wasserstoff sollte vorrangig in den Wirtschaftssektoren genutzt werden, in denen es nicht möglich ist, Verfahren und Prozesse durch eine direkte Elektrifizierung auf Treibhausgasneutralität umzustellen."

Vor diesem Hintergrund ist die Warnung des Bundesverkehrsministers an die Verbraucher durchaus richtig und ernst zu nehmen. Was jedoch ebenfalls verständlich ist, sind die Argumente von Autofahrern, dass sie eine bessere Ladeinfrastruktur wünschen. Es ist eine wichtige Aufgabe der Regierung, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese errichtet und wirtschaftlich betrieben werden kann.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]

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Bendix 04. Dez 2022

Dein Beitrag enthält für so ein emotionales Thema meiner Meinung nach eindeutig zu viele...

Fernando-05 04. Dez 2022

Man kann ja um 16 Uhr anstecken, es muss ja nicht um diese Zeit geladen werden...

Fernando-05 04. Dez 2022

Ja genau. Ich fahre ein E-Auto und wenn ich mich vor allem jetzt bei der Kälte in einen...

ratti 04. Feb 2022

Nein. Warum soll man anfangen in die Falsche Richtung zu laufen? Und, noch...



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