Abo
  • Services:

Klimaschutz: Unter der Erde ist das Kohlendioxid gut aufgehoben

Die Kohlendioxid-Emissionen steigen und steigen. Die auf der UN-Klimakonferenz in Paris vereinbarten Ziele sind so kaum zu schaffen. Fachleute fordern daher den Einsatz von Techniken, die Kohlendioxid in Kraftwerken abscheiden oder sogar aus der Luft filtern.

Ein Bericht von Daniel Hautmann veröffentlicht am
Braunkohle-Kohlekraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen: CCS ist nur in extrem kleinem Maßstab im Einsatz.
Braunkohle-Kohlekraftwerk Niederaußem in Nordrhein-Westfalen: CCS ist nur in extrem kleinem Maßstab im Einsatz. (Bild: Jörg Kutzera/CC-BY 3.0)

Im Prinzip lässt sich unser Klimaproblem ganz einfach lösen: Wir saugen das Kohlendioxid aus der Luft, speichern es und sorgen dafür, dass in Zukunft keines mehr in die Atmosphäre entweicht. So ließe sich der Kohlendioxid-Gehalt von derzeit über 400 parts per million (ppm) auf ein umweltverträgliches Niveau senken. Als vertretbar gelten 350 ppm.

Inhalt:
  1. Klimaschutz: Unter der Erde ist das Kohlendioxid gut aufgehoben
  2. CCS in der Industrie

Was da so futuristisch klingt, ist in Wirklichkeit längst im Einsatz - wenn auch in extrem kleinem Maßstab. Doch gibt es weltweit Kraftwerke, bei denen das entstehende Kohlendioxid abgeschieden und unterirdisch gespeichert wird. Genauso gibt es Anlagen, die das Gas aus der Luft filtern.

Die älteste Anlage, bei der Kohlendioxid im industriellen Maßstab abgeschieden, anschließend verflüssigt und im Untergrund verpresst wird (Carbon Capture and Storage, CCS), steht vor Norwegens Küste. Seit 1996 fördert der Öl- und Gaskonzern Statoil im Sleipner-Feld Gas und pumpt jährlich rund eine Million Tonnen Kohlendioxid in den Untergrund zurück. Aktuell plant der Konzern zudem, abgeschiedenes Kohlendioxid aus landbasierten Industrieprozessen ebenfalls in ausgedienten Offshore-Lagerstätten zu speichern.

Die weltweit größte CCS-Anlage steht in Kanada. Im Kohlekraftwerk Boundary Dam, das insgesamt fast 1.000 Megawatt Nennleistung hat, ist einer der Kraftwerksblöcke seit 2014 mit einer Kohlendioxid-Abscheideeinheit ausgerüstet. Pro Jahr entfernt die Anlage rund eine Million Tonnen Kohlendioxid aus dem Abgas. Der Großteil wird per Pipeline in das Erdölfeld zurückgepumpt, um den Förderdruck zu erhöhen.

Stellenmarkt
  1. über experteer GmbH, Karlsruhe
  2. Autobahn Tank & Rast GmbH, Köln

Einen innovativen Weg, Kohlendioxid im Untergrund zu "entsorgen", gehen die Isländer. Dort gibt es zwar keine großen Kohlekraftwerke - man heizt umweltfreundlich per Geothermie -, dennoch kommen auch mit dem heißen Wasser Schadgase wie Kohlendioxid an die Oberfläche. Deshalb testen die Isländer gemeinsam mit einem internationalen Forscherkonsortium einen chemischen Prozess, indem Kohlendioxid aus der Luft gefiltert und im Untergrund mineralisiert wird, also versteinert. Das hätte den Vorteil, dass das Klimaschadgas fest gebunden wird und nicht mehr entweichen kann. Bislang seien die Versuche vielversprechend, sagt Juerg Matter, Professor für Geoengineering an der University Southampton, der das Projekt betreut.

Die Deutschen sind skeptisch

Auf deutschem Boden spielt das Thema CCS indes kaum eine Rolle - zumindest nicht mehr. Im vergangenen Jahr wurde der Brandenburger Teststandort Ketzin geschlossen. Das Projekt, circa 40 Kilometer westlich von Berlin, lieferte jedoch wichtige Daten, für die sich Forscher aus aller Welt interessierten. Seit dem Start 2004 wurden 67.000 Tonnen Kohlendioxid in eine Tiefe von bis zu 650 Metern gepumpt. Der Untergrund besteht aus porösem Sandstein, der das Kohlendioxid wie ein Schwamm aufsaugt. Darüber liegen mächtige, undurchlässige Tonschichten. Zahlreiche Bohrungen dienten dem Monitoring - Wissenschaftler analysierten, wie sich das Gas im Untergrund verhält. Bislang zeigen sich die Forscher zufrieden: Das Gas bleibt, wo es sein soll. Doch nicht alle trauen der Technik. Viele Bürger vergleichen sie mit der Atomkraft oder dem Fracking.

Dabei sei das Potenzial für Untertagespeicher in Deutschland gigantisch, sagen Fachleute: rund zwölf Milliarden Tonnen. "Das entspricht den heutigen Kraftwerksemissionen von etwa 42 Jahren", sagt der Energietechniker Peter Markewitz vom Forschungszentrum Jülich. Und doch wendet man sich hierzulande von dem Thema ab. "Da die meisten Kohlekraftwerke in Deutschland bereits ein hohes Alter aufweisen und in absehbarerer Zeit stillgelegt werden, ist die Notwendigkeit nicht gegeben", erklärt Markewitz.

Doch nicht nur Kraftwerke emittieren Kohlendioxid.

CCS in der Industrie 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 84,90€ (Vergleichspreis 93,90€)
  2. für 319€ statt 379,99€ im Vergleich (+ 50€ Rabatt bei 0%-Finanzierung und Gutschein: LCD050)
  3. 295,99€ (Vergleichspreis 335€) - Aktuell günstigste 2-TB-SSD!
  4. (u. a. SimCity 4 Deluxe Edition für 2,19€ und The Witcher 3 Wild Hunt für 13,49€)

AndyO 29. Apr 2018

wird bei der Methanisierung benötigt! CO2 + 2H2O + alternativer Wind-/Sonnenenergie...

herscher12 24. Apr 2018

kwk

AllDayPiano 24. Apr 2018

Ich weiß auch gar nicht, was diese ganze CO2-Break-Even Geschichte soll. ALLES ist...

plutoniumsulfat 20. Apr 2018

Öl ist noch viel zu billig, deswegen funktioniert das auch so.

plutoniumsulfat 19. Apr 2018

Wärs nicht einfacher, Anreize zu schaffen, dass man erst gar kein Plastik ins Meer kippt?


Folgen Sie uns
       


Nvidia Geforce RTX 2080 und 2080 Ti - Test

Nvidia hat mit der RTX 2080 und 2080 Ti die derzeit leistungsstärksten Grafikkarten am Markt. Wir haben sie getestet.

Nvidia Geforce RTX 2080 und 2080 Ti - Test Video aufrufen
Zahlen mit Smartphones im Alltagstest: Sparkassenkunden müssen nicht auf Google Pay neidisch sein
Zahlen mit Smartphones im Alltagstest
Sparkassenkunden müssen nicht auf Google Pay neidisch sein

In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Möglichkeiten, drahtlos mit dem Smartphone zu bezahlen. Wir haben Google Pay mit der Sparkassen-App Mobiles Bezahlen verglichen und festgestellt: In der Handhabung gleichen sich die Apps zwar, doch in den Details gibt es einige Unterschiede.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Smartphone Auch Volksbanken führen mobiles Bezahlen ein
  2. Bezahldienst ausprobiert Google Pay startet in Deutschland mit vier Finanzdiensten

Network Slicing: 5G gefährdet die Netzneutralität - oder etwa nicht?
Network Slicing
5G gefährdet die Netzneutralität - oder etwa nicht?

Ein Digitalexperte warnt vor einem "deutlichen Spannungsverhältnis" zwischen der technischen Basis des kommenden Mobilfunkstandards 5G und dem Prinzip des offenen Internets. Die Bundesnetzagentur gibt dagegen vorläufig Entwarnung.
Ein Bericht von Stefan Krempl

  1. Frequenzauktion Auch die SPD will ein erheblich besseres 5G-Netz
  2. T-Mobile US Deutsche Telekom gibt 3,5 Milliarden US-Dollar für 5G aus
  3. Ericsson Swisscom errichtet standardisiertes 5G-Netz in Burgdorf

Leistungsschutzrecht: So viel Geld würden die Verlage von Google bekommen
Leistungsschutzrecht
So viel Geld würden die Verlage von Google bekommen

Das europäische Leistungsschutzrecht soll die Zukunft der Presse sichern. Doch in Deutschland würde derzeit ein einziger Verlag fast zwei Drittel der Einnahmen erhalten.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Netzpolitik Willkommen im europäischen Filternet
  2. Urheberrecht Europaparlament für Leistungsschutzrecht und Uploadfilter
  3. Leistungsschutzrecht/Uploadfilter Wikipedia protestiert gegen Urheberrechtsreform

    •  /