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Wieviel SF6 wird frei?

Mit Abstand am meisten SF6 wird seit Jahren beim Ausbau und der Entsorgung alter Schallschutzscheiben freigesetzt, 2017 stammten gut 138 von insgesamt 170 Tonnen des emittierten Gases allein aus dieser Quelle. "Das SF6 kriegen wir nicht zurück, es gibt keinen Weg, es zu entsorgen", sagt Elsner. Immerhin ist der Höhepunkt dieser SF6-Emissionen mittlerweile überschritten, laut Elsner werden sie bis 2035 auf null sinken.

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Auch der SF6-Ausstoß elektrischer Schaltanlagen hat sich von 2010 bis 2017 um ein knappes Drittel auf rund 13 Tonnen pro Jahr reduziert. Multipliziert mit dem Faktor 23.500 entspricht das etwa 300.000 Tonnen CO2 oder der CO2-Bilanz von 100.000 Passagieren, die von Frankfurt nach New York und zurück fliegen. Auf den ersten Blick immer noch eine gewaltige Klimasünde.

Im Vergleich relativiert sich das Problem allerdings etwas: So haben die erneuerbaren Energien 2018 in Deutschland rund 184 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden. Den größten Beitrag mit knapp 75 Millionen Tonnen erbrachte die Windenergie. Der klimaschädliche SF6-Ausstoß entspricht also nur einem knappen halben Prozent des von der Windkraft eingesparten Kohlendioxids oder 1,6 Promille der CO2-Minderung aller Erneuerbaren-Kraftwerke. Und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass SF6 natürlich auch aus elektrischen Anlagen konventioneller Kraftwerke leckt, die knapp 60 Prozent zum aktuellen Strommix beitragen.

Doch so gering der relative Klimaschaden sein mag, Ziel sollte es sein, möglichst komplett zu vermeiden, dass das stärkste aller Treibhausgase weiterhin in die Atmosphäre gelangt. Technisch werden dazu verschiedene Strategien verfolgt. Immerhin strömt aus modernen elektrischen Schaltanlagen dank empfindlicher Gassensoren und weit entwickelter Dichtungstechnik immer weniger SF6. Bei sachgemäßem Betrieb und regelmäßiger Wartung lassen sich die maximal erlaubten Verluste - je nach Anlage zwischen 0,1 und 0,5 Prozent - sogar deutlich unterbieten.

"Wir arbeiten stetig daran, die Leckraten zu verringern. 2019 lagen sie bei etwa 0,05 Prozent pro Jahr", sagt Ulrike Hörchens, Sprecherin des Netzbetreibers Tennet. Beim Netzbetreiber 50Hertz lag die Rate in den vergangenen Jahren bei 0,2 Prozent. Amprion gibt für 2019 einen Wert von 0,35 Prozent an. Für neue Anlagen verlangt Amprion eine so gute Abdichtung, dass weniger als 0,1 Prozent des Gases austritt. "Sehr kleine SF6-Verluste werden aber stets vorhanden sein", sagt Amprion-Sprecher Andreas Preuß.

Eleganter ist der vollständige Ersatz von Schwefelhexaflourid durch andere, möglichst wenig klimaschädigende Gase. Seit Jahren arbeiten Forschung und Industrie an Alternativen. Neben Fluoronitrilen und Hydrofluorolefinen kommt dafür auch trockene Luft infrage. SF6-freie Schaltanlagen sind mittlerweile reif für den Einsatz.

Das Berliner Startup Nuventura etwa hat ein System entwickelt, das auf komprimierter, trockener Luft basiert. In Schaltanlagen bis 36 Kilovolt können damit nach Firmenangaben Überschläge und Lichtbögen vermieden werden. Siemens testet ein ähnliches Verfahren bereits: 2018 installierte der Konzern im Windpark Nissum Bredning Vind in Dänemark gasisolierte SF6-freie Schaltanlagen für Hochspannungen bis 72,5 Kilovolt.

Zum einen nutzt das Unternehmen zur Isolation vollkommen gasfreie Bereiche unter Vakuum, zum anderen füllt es trockene und gereinigte Luft mit einem Mischungsverhältnis von 80 Prozent Stickstoff zu 20 Prozent Sauerstoff - Clean Air genannt - in die Schaltanlagen. Ende 2019 setzte Siemens seine Clean-Air-Technologie mit komprimierter Luft sogar in einem der größten Umspannwerke Deutschlands in Daxlanden bei Karlsruhe ein.

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 Klimaschutz: Kampf gegen den Klimakiller Nummer einsSchaltanlagen ohne SF6 
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Clown 06. Mai 2020

Erklär das mal Menschen mit Zölliakie :D

kreien 02. Mai 2020

SF6-Mittelspannungs- und Hochspannungsschaltanlagen sind deswegen ein schlechtes...

haichen 01. Mai 2020

Du könntest ja mit gutem Beispiel voran gehen und auf Strom verzichten. Damit wäre auch...

Pferdesalami 27. Apr 2020

-kT-

m9898 26. Apr 2020

Gase bilden mit ausreichend Zeit immer homogene Gemische, da sie ineinander...


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