Klimaschutz: Erstes CO2-neutrales Containerschiff fährt zur See

Die Elbblue wurde als erstes Containerschiff mit CO2-neutralem synthetischen Treibstoff betankt. Emissionsfrei ist das nur bedingt.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Können Containerschiffe in Zukunft CO2-neutral fahren?
Können Containerschiffe in Zukunft CO2-neutral fahren? (Bild: David McNew / Getty Images News)

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) ist das erste kommerzielle Containerschiff mit CO2-neutralem Treibstoff in See gestochen. Am 29. September wurde es mit synthetisch hergestelltem CO2-neutralem Flüssigerdgas betankt. Dabei handelt es sich um tiefkaltes und verflüssigtes Erdgas, dem Liquefied Natural Gas, kurz LNG. Erst ab einer Temperatur unter -162 Grad Celsius wird Erdgas flüssig.

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Die Elbblue wurde laut dem BMWI am schleswig-holsteinischem Hafen in Brunsbüttel betankt. Der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann, sieht dies als Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Schifffahrt: "Heute ist ein wichtiger Tag für die maritime Energiewende. Mit der erstmaligen Betankung eines Containerschiffes mit synthetischem, CO2-neutralem LNG machen wir einen großen Schritt in Richtung maritimer Klimawende und hin zum Zero-Emission-Ship. Denn Motoren, die heute fossiles LNG verbrennen, werden morgen mit klimaneutralem LNG betrieben." 

Unterstützung bei der Umrüstung auf LNG

Laut dem Klimaschutzbericht 2019 befanden sich 2018 etwa 11.600 Schiffe im europäischen Wirtschaftsraum, die eine Bruttoraumzahl von mehr als 5.000 besaßen. Diese haben mehr als 138 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen ausgestoßen.

Das bedeutet Handlungsbedarf für den Bund, wozu die Planung einer anteiligen Förderung zur Umrüstung von emissionsintensiven Schwerölen zu klimaschonenden Kraftstoffalternativen gehört. Bis 2030 soll das Null-Emissionen-Schiff auf See gebracht werden. Das Umrüsten "von kommerziellen Schiffen auf CO2-neutrales LNG" ist laut dem BMWI ein erster wichtiger Schritt dahin.

Ist der Treibstoff wirklich so klimaneutral?

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Um CO2-neutralen synthetischen LNG-Treibstoff herzustellen, müssen aber mehrere Punkte erfüllt sein, erklärt Benjamin Stephan von Greenpeace Golem.de: "Der Wasserstoff für den Treibstoff muss zu 100 Prozent auf Basis erneuerbaren Stroms erzeugt werden. Der notwendige Kohlenstoff wird idealerweise aus der Luft abgeschieden. Übergangsweise wäre die Gewinnung aus Bioabfällen ebenfalls möglich. Die zentralen Fragen sind also: Woher kommt der Strom? Und woher kommt der Kohlenstoff?"

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Bei der Herstellung von synthetischem LNG handele es sich, wie bei anderen strombasierten Kraftstoffen auch, um einen sehr energieintensiven Prozess. CO2-neutral sei er nur, wenn dabei nicht auf fossile Quellen zurückgegriffen wird. Aufgrund der niedrigen Effizienz sollte man strombasierte Kraftstoffe nur dort einsetzen, wo es keine technischen Alternativen gibt. Im Luftverkehr und in der Hochseeschifffahrt seien batterieelektrische Antriebe keine Option. Ob in der Schifffahrt strombasiertes LNG oder vielleicht eher Antriebe auf Basis von Ammoniak oder Wasserstoff die beste Lösung sind, müsse sich noch zeigen. Die Technologien befänden sich noch am Anfang ihrer Entwicklung und mehr Forschung und eine stark beschleunigte Energiewende seien notwendig, um die Schifffahrt zumindest CO2-neutral zu machen.

Der Naturschutzverband Nabu bemängelte das Umschwenken auf Flüssigerdgas im Januar 2020. Dabei zitierte er eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT). Laut dieser führt LNG im Vergleich zu Marinediesel als Schiffstreibstoff zu 70 bis 82 Prozent höheren Treibhausgasemissionen. 

Sobald die Schiffe auf See sind und ihren Treibstoff verbrennen, komme es unweigerlich zu einem CO2-Ausstoß. Wenn der Treibstoff aber aus synthetischem LNG bestehe und vollständig verbrannt werde, würde bilanztechnisch nur das CO2-Gas freigesetzt, das man vorher aus der Luft gewonnen habe, erklärt Stephan. Luftschadstoffe wie Feinstaub würden nur einen Bruchteil der Mengen ausmachen, die bei konventionellem Schiffsdiesel freigesetzt würden.

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