Klimaneutralität: Wie die Wärmewende gelingen kann

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Deutschland heizt fossil. Erdgas wärmt mehr als die Hälfte aller privaten Haushalte, Ölheizungen wummern in knapp einem Fünftel des Bestands. Auch die Fernwärme – heute in etwa 15 Prozent der Wohnungen verfügbar – ist von der Klimaneutralität noch weit entfernt.
Immerhin liefern erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme, etwa aus Zementwerken oder Kupferhütten, ein Drittel der Fernwärme. Im gesamten Wärmesektor steigt der Anteil erneuerbarer Energien – von der Biomasse bis zur Wärmepumpe – seit 1990 aber nur langsam an, auf gerade mal 18,1 Prozent im vergangenen Jahr.
So ist es höchste Zeit für eine Wärmewende. Es steht eine fundamentale Umstellung an, damit der Wärmesektor bis zum Jahr 2045 klimaneutral wird.
"Im Vergleich zu Dänemark sind wir 50 Jahre zu spät dran" , sagt Andrea Arnold-Drmic, Expertin für die kommunale Wärmewende am Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn. Der Nachbar im Norden stellte bereits nach der Ölkrise in den 1970er Jahren seinen Wärmesektor von Grund auf um.
Zwei Drittel der Haushalte hängen heute an Fernwärmenetzen, die bis 2030 zu 95 Prozent klimaneutral gespeist werden. Öl, Erdgas und Kohle spielen nur noch eine sehr kleine Rolle, so dass die Klimaneutralität des gesamten Wärmesektors bis 2050 realistisch ist. Die Hauptstadt Kopenhagen könnte dieses Ziel bereits dieses Jahr erreichen.
Doch auch hierzulande sei das Bewusstsein für die sehr hohe Dringlichkeit in den Kommunen angekommen, sagt die BBSR-Expertin. Diese Einsicht gründet nicht zuletzt auf dem Wärmeplanungsgesetz der vorherigen Bundesregierung.
Gemeinden arbeiten an Wärmeplänen
Es verpflichtet deutsche Großstädte, bis Juni 2026 einen konkreten Wärmeplan zu erstellen. Kleinere Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohnern haben zwei Jahre mehr Zeit.
Dank großzügiger Förderung von 90 bis 100 Prozent der Kosten hat deutlich mehr als die Hälfte der 10.751 Gemeinden – Stand Dezember 2025 – mit der kommunalen Wärmeplanung begonnen. Fertige Wärmepläne legten bereits 819 Gemeinden vor.
Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein vorn
Den größten Ehrgeiz zeigen Kommunen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, da hier die Landesregierungen schon vor dem Bundesgesetz eine Wärmeplanung gefordert und gefördert haben. Bundesweit fehlen nur noch rund ein Fünftel der Städte mit mehr als 45.000 Einwohnern und knapp ein Drittel der kleineren Kommunen mit bis zu 45.000 Einwohnern.
Auch mehr als die Hälfte der kleinsten Gemeinden mit höchstens 10.000 Bürgerinnen und Bürgern ist aktiv in die Wärmeplanung eingestiegen. Den stetigen Fortschritt listet der KWW-Wärmewendeatlas der Deutschen Energie-Agentur (dena)(öffnet im neuen Fenster) . "Die Dynamik ist sehr gut und es sollten alle rechtzeitig schaffen" , ist Arnold-Drmic überzeugt.



