Gebäudesanierung als wesentlicher Baustein
Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich kommunale Wärmepläne ausfallen können. "Auch die Inhalte der bisher erarbeiteten Wärmepläne sind sehr heterogen" , sagt BBSR-Expertin Arnold-Drmic.
Doch stechen immer wieder ähnliche Punkte hervor. "Die Sanierung von Gebäuden ist ein wesentlicher Baustein für die Wärmewende" , sagt sie. Denn wer ein altes Haus mit Energieeffizienzstufe G oder H auf die Stufe C bringt, senkt den Energiebedarf von mehr als 250 auf unter 100 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter.
Die für das Heizen benötigte Energie kann also mindestens halbiert werden. Historisch betrachtet liegt die jährliche Sanierungsquote bei etwa einem Prozent. Doch planen manche Kommunen mit sehr hohen Sanierungsraten von bis zu vier Prozent der Gebäude pro Jahr, um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen. Solche Raten klängen auch vor dem Hintergrund der heute schon sehr gut ausgelasteten Baubranche aber kaum realisierbar, warnt Arnold-Drmic.
Ein weiterer Schlüssel zur erfolgreichen Wärmewende ist der massive Ausbau der Wärmenetze von heute 15 Prozent auf rund 40 Prozent bis zum Jahr 2040. "Wärmenetze sind schlicht ein Gamechanger" , sagt Anna Billerbeck vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.
Erst sie ermöglichen den sinnvollen Betrieb von Großwärmepumpen an Flüssen oder Seen oder die Nutzung von Abwärme aus Industrie- oder Rechenzentren. "In dicht besiedelten Gebieten sind Wärmenetze eindeutig die beste Wahl" , sagt Billerbeck.
In ländlichen Regionen mit wenigen Häusern hat dafür die dezentrale, hauseigene Wärmepumpe die Nase vorn. "Dazwischen gibt es die Gebiete, in denen es nicht so eindeutig ist" , sagt Billerbeck. Da müsse man vor einem voreiligen Kauf einer eigenen Wärmepumpe die lokale Wärmeplanung genau verfolgen.
Mannheim hat eine eigene Wärmewende-Akademie
"Denn Kommunen sollten keine Angst vor dem Bau neuer Wärmenetze haben" , sagt sie und verweist auf derzeit noch sehr gute Fördermaßnahmen für die großen Investitionssummen zum Aufbau einer langfristig lohnenden Infrastruktur.
"Soll die Wärmewende erfolgreich ablaufen, müssen auch Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden" , fordert Arnold-Drmic. Denn ohne Informationsfluss und Transparenz bleibt die Akzeptanz etwa für hohe Investitionen oder langjährige Baustellen auf der Strecke.
Mannheim sei auf diesem Weg ein Vorbild mit einer eigens gegründeten Wärmewende-Akademie. Handwerker werden dort zu verfügbaren Techniken, deren Effizienz und Kosten geschult. Dieses Wissen können sie vertrauensvoll an Bürgerinnen und Bürger weitergeben und sie gut beraten.