1.000 Meter tiefe Bohrungen reaktiviert
Prenzlau in der Uckermark in Brandenburg hat bereits ein Fernwärmenetz von 33 Kilometern Länge. Doch entsteht die Wärme für die 19.000 Einwohner heute weitestgehend aus dem Verfeuern von Erdgas.
"Aber in den 1980er Jahren wurde hier schon ein Großteil durch Geothermie gedeckt" , sagt Maximilian Zingelmann von den Stadtwerken Prenzlau. Stark vernachlässigt und damals störanfällig, verabschiedeten sich die Stadtwerke von dieser klimaneutralen Wärmeversorgung. Zu verlockend war in den Wendejahren der Umstieg auf seinerzeit billiges, russisches Erdgas.
Doch nun reaktivieren die Prenzlauer ihre alten, etwa 1.000 Meter tiefen Bohrungen und ergänzen eine neue. 44 Grad warmes Thermalwasser, 130.000 Liter pro Stunde, gelangt so an die Oberfläche. Auf 80 Grad mit Wärmepumpen erhitzt, wird es in wenigen Jahren in das Fernwärmenetz eingespeist.
Laut Wärmeplan wird diese Reaktivierung alter Geothermie-Bohrungen 60 Prozent des Wärmebedarfs decken. Dazu kommen 20 Prozent aus der Abwärme von Bio- und Klärgasanlagen und ein weiteres Fünftel aus einem Power-to-Heat-Wasserspeicher, der günstig mit Windstrom aus der Region erhitzt wird. "Unser Ziel ist es, bis 2040 100 Prozent erneuerbare Wärme einzuspeisen" , sagt Zingelmann.
Einen ebenso klimafreundlichen Weg geht die Gemeinde Alfhausen im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen. Das Dorf zählt kaum mehr als 4.000 Einwohner und ist umgeben von Mais- und Rübenfeldern. Alfhausen hat seit einigen Jahren ein Fernwärmenetz. Das ist sehr ungewöhnlich für eine ländliche Kommune.
"Unser Vorschlag, Fernwärme in Alfhausen umzusetzen – einstimmig beschlossen im Rat – kam zu einem Zeitpunkt, an dem die Zinsen sehr niedrig waren" , sagt Bürgermeisterin Agnes Droste. "Daher haben wir sehr gute Abnehmerpreise für die Fernwärme im Ort für unsere Bürger erzielen können."
Sozialverträgliche Wärmewende
In Alfhausen sehe man, wie die Wärmewende sozialverträglich vonstattengehen kann. Das Netz versorgt 460 von 876 Häusern mit Wärme, die in einem mit Biomethan betriebenen Blockheizkraftwerk erzeugt wird.
Der parallel produzierte Strom geht direkt ins Stromnetz, die Wärme wird in einem großen Wassertank zwischengespeichert und über Fernwärmeleitungen ins Dorf transportiert. Ein zweites Heizkraftwerk wird – trotz eines Großbrands in der ersten Anlage im vergangenen Jahr – bald folgen, zusätzlich ergänzt um Solar- und Windkraftanlagen.
Auch in Leipzig ist der Wärmeplan weit gediehen. Bis 2038 will die Großstadt ihre Wärme komplett klimaneutral erzeugen. Ein bereits weit verzweigtes Fernwärmenetz wird dazu ausgebaut. Genutzt wird dann nicht nur die Abwärme des Industrieparks Leuna, aus bestehenden Heizkraftwerken und einer Power-to-Heat-Anlage. Ab 2026 sammelt zudem ein Solarthermie-Areal auf 14 Hektar Fläche Sonnenwärme ein. Mit 13.200 Solarkollektoren, die bereits installiert sind, ist die Anlage für eine Spitzenleistung von 41 Megawatt ausgelegt.