Was alles zum Wärmeplan gehört
Konkret umfasst ein Wärmeplan mehrere Komponenten. Essenziell ist die Bestandsaufnahme der aktuellen Wärmeversorgung in der Kommune: Wie viele Haushalte befeuern ihre Heizungen mit Erdgas, Öl oder Holzpellets? Gibt es ein Fernwärmenetz und wie viele Gebäude sind angeschlossen? Wie steht es um die Wärmedämmung der Gebäude?
Es folgt ein Blick auf die Potenziale für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in der Zukunft. Können Fabriken oder Rechenzentren Abwärme liefern? Lässt sich das Wärmereservoir von Seen oder Flüssen mit großen Wärmepumpen anzapfen? Kann mehr Biomasse gewonnen oder überschüssiger Wind- und Solarstrom für das Erhitzen von Warmwasserspeichern – Power to Heat – genutzt werden?
Ein grobes Bild von Bestandsbauten und Potenzialen dient als Grundlage für einen möglichen Transformationspfad. Der mündet in einem selbst gesetzten Ziel, wie bis 2045 oder gar Jahre früher die Versorgung mit Wärme komplett klimaneutral gesichert wird.
"Die meisten Kommunen mit bereits fertiggestelltem Wärmeplan wollen dieses Ziel bis 2040 erreicht haben, manche schon 2035 und Tübingen sogar bereits 2030" , sagt Arnold-Drmic.
Doch die Wege zur Klimaneutralität sind vielfältig und unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Warendorf beispielsweise hat seine insgesamt 12.466 Gebäude mit 15.165 Feuerstellen für Öl, Gas und Holz analysiert.
Mehr als die Hälfte davon wurde vor 1977 errichtet – mit entsprechend dürftiger Wärmedämmung. Ein rudimentäres Wärmenetz in der westfälischen Kleinstadt ist gerade mal vier Kilometer lang.
14 Kilometer langes Fernwärmenetz geplant
Der Wärmeenergiebedarf – heute zum Großteil fossil gedeckt – summiert sich auf rund 400 Gigawattstunden. Allein die Sanierung der Gebäude könnte diese Menge um ein knappes Drittel reduzieren.
Parallel sollen dichter besiedelte Quartiere an ein neues Fernwärmenetz angeschlossen werden. Beispielhaft ist der Bau von vier großen Wärmepumpen mit je zwei Megawatt Leistung an der Ems. Schon ab 2027 sollen die Flusswärmepumpen 1.100 Haushalte im Stadtkern über ein neues, 14 Kilometer langes Fernwärmenetz versorgen.
Wärme durch Erdsonden in 150 Metern Tiefe
"Mit der EmsWärme gehen wir einen nächsten Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Energieversorgung in unserer Region" , sagt Ulrich K. Butterschlot, Geschäftsführer der Stadtwerke Warendorf.
Das Neubaugebiet "In de Brinke" setzt von Anfang an auf ein Wärmenetz. Diese Wärme wird von bis zu 116 Erdsonden in 150 Metern Tiefe gewonnen und bei relativ niedrigen Wassertemperaturen, deutlich unter 100 Grad, an die gut isolierten Neubauten verteilt. Schließlich bietet sich für das weniger dicht besiedelte Umland mit Einzelhäusern der Einsatz von hauseigenen, kleinen Wärmepumpen an.