Klimakrise: Radikale Klimaproteste haben geringeres Ansehen

Ein Forschungsteam aus zwei Soziologen und einer Soziologin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) haben die Klimaproteste und ihre Akzeptanz in Deutschland untersucht(öffnet im neuen Fenster) . Dafür haben sie 2.800 Erwachsene im Januar 2023 in einem experimentellen Setting befragt. Demnach finden 52 bis 55 Prozent der Probanden, dass die Bundesregierung den Klimawandel entschiedener bekämpfen sollte - selbst nachdem den Probanden verschiedene Protestformen vorgeführt wurden. Auseinander gehen die Meinungen in der Form des Protestes. Radikale und konfrontative Klimaproteste finden weniger Anklang in der Bevölkerung.
Zunächst zum Versuchsaufbau. Die Befragten wurden mit drei Protestszenarien konfrontiert: einer großen Demonstration, einer Kartoffelbrei-Wurfaktion und einer Straßenblockade, bei der sich Protestierende festklebten. Anschließend wurde der Hälfte der Befragten eine apokalyptische Botschaft der Klimaaktivisten zum Lesen vorgelegt. Daraufhin wurden die Probanden gefragt, ob die Protestaktion legitim (52 Prozent) sei und ob sie die Form des Protestes unterstützen (55 Prozent) würden.
Höhere Unterstützung bei weniger radikalen Protestformen
"Unsere Studie macht deutlich, wie wichtig es ist, zwischen dem Ansehen der Protestgruppe und ihrem Einfluss auf die politischen Einstellungen der Menschen zu unterscheiden" , erklärt Daniel Saldivia Gonzatti in einer Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) . Er ist Forscher am WZB und Erstautor der Studie.
Zunächst zur grundlegenden Unterstützung der Klimaproteste, unabhängig der Form des Protestes. Hier lag der Wert bei 55 Prozent. Dieser Wert sank beim genauen Betrachten der Protestform. Große Demonstrationen erhielten einen Unterstützungswert von 44 Prozentpunkten. Hier fand sich die höchste Zustimmung. Bei den radikalen Protestformen rutschte der Wert um beinah die Hälfte nach unten. Straßenblockaden erhielten noch 25 Prozentpunkte, wogegen der Angriffe auf Kunstwerke bei 22 Prozentpunkten lag.
Wenn nach der Legitimation gefragt wurde, waren noch 52 Prozent dafür. Bei Angriffen auf Kunstwerke sank der Prozentwert auf 40 Punkte, bei Straßenblockaden auf 41 Prozentpunkte. Nun mag man meinen, dass diejenigen, die mit einer apokalyptischen Botschaft konfrontiert wurden, anders reagierten. Dem war aber nicht so. "Nur jene Befragten, denen eine apokalyptische Botschaft in Verbindung mit Straßenblockaden vorgelegt wurde, äußerten mehr Unterstützung für diese Form des Klimaprotests" , heißt es in der Pressemitteilung.

"Kurzfristig wirken sich radikale Aktionen auf die Unterstützung und Legitimität von Klimaprotesten aus, aber nicht auf die Unterstützung klimapolitischer Maßnahmen" , so der Erstautor.
Zur Studie
Die Studie wurde am 23. Juni 2023 auf dem Pre-Print-Server OSF unter dem Titel Analysebericht zur Studie Environmental Protest Effects on Public Opinion: Experimental Evidence from Germany(öffnet im neuen Fenster) (Analysebericht zur Studie Auswirkungen von Umweltprotesten auf die öffentliche Meinung: Experimentelle Evidenz aus Deutschland) veröffentlicht.



