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Klimakrise: Manche Korallen leben 10.000 Jahre - nun ist bekannt warum

Korallenriffe bieten die größte Biodiversität auf unserem Planeten. Dennoch sind manche Riffe vom Aussterben bedroht. Andere sind stressresistenter. Ein Forschungsteam kennt wohl den Grund.
/ Patrick Klapetz
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Die Unterwasserwelt inmitten eines Korallenriffs (Bild: Pixabay)
Die Unterwasserwelt inmitten eines Korallenriffs Bild: Pixabay

Ein Forschungsteam der Universität Konstanz hat einen Datensatz zur Erforschung der Korallenriffe veröffentlicht. Zuvor fand eine zweijährige Expedition namens Tara-Pazifik(öffnet im neuen Fenster) statt. Dabei hat das Team die Lebens- und Überlebensbedingungen von Korallen erforscht.

Während ihrer Reise durchquerten die Forscher den gesamten Pazifik. Dabei erstellten sie die bislang größte Gen-Typisierungsstudie, die je in einem marinen System durchgeführt wurde. Für den Datensatz entnahmen sie den 100 erforschten Korallenriffen rund 58.000 Proben. Besonders angesichts des Korallensterbens beispielsweise im Great Barrier Reef an der Küste Australiens, kann ihr Datensatz Aufschluss über die lebenswichtigen Riffe – beispielsweise binden sie Kohlenstoffdioxid und schützen Küstenstädte – unseres Planeten bieten.

Korallen: Das größte Biotop der Erde

"Korallenriffe sind das biologisch vielfältigste marine Ökosystem der Erde. Auf einer Fläche von nur 0,16 Prozent der Weltmeere beherbergen sie rund 35 Prozent der bekannten marinen Arten", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die gesamte global geschätzte bakterielle Biodiversität ist laut ersten Auswertungen der Forschungsgruppe bereits in den Mikroorganismen der Korallenriffe zu finden. "Die mikrobielle Biodiversität, die wir im Moment weltweit annehmen, ist völlig unterschätzt", erklärte Christian Voolstra in einer Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster). Er ist Professor für genetische Adaption in aquatischen Systemen an der Universität Konstanz und Mit-Koordinator der Tara-Pazifik-Expedition.

Je nach Art passen sich die Korallen unterschiedlich an Umweltveränderungen an. Das Team fand heraus, dass bei sehr stressresistenten Korallen die Telomere immer gleich lang sind. Die Telomere sind die Schutzkappen am Ende der Chromosomen. Bei jeder Zellteilung werden sie eigentlich kürzer. Aus diesem Grund vermutet die Fachwelt, dass Länge der Telomere eng mit dem biologischen Alter verknüpft ist.

Einige Korallen leben 10.000 Jahre lang

Bei Korallen sei das anders, erklärte Voolstra und schlussfolgert: "Sie verfügen anscheinend über einen Mechanismus, diese Telomerlängen wieder aufzufüllen." Besonders bei eher kurzlebigen Korallengattungen – die vielleicht hundert Jahre überdauern – wird die Telomerlänge etwa von Umweltfaktoren wie Temperaturschwankungen beeinflusst. Diese Gattungen sind stressempfindlicher.

Stressresistente und damit langlebige Korallengattungen dagegen duplizieren bestimmte Gene. Dadurch sind viele wichtige Gene im Genom mehrfach vorhanden. Um dies festzustellen, hatte das Team die Genome mit einer neuen hochauflösenden Technik sequenziert. Dadurch konnten sie sich auch die einzelnen Gen-Abfolgen genau anschauen. Obwohl solche Korallengattungen im Flachwasser beispielsweise extremen ultravioletten Sonneneinstrahlungen ausgesetzt sind, können sie dennoch Tausende Jahre alt werden – einige sogar 10.000 Jahre. Laut Voolstra ist diese Gen-Duplizität eine mögliche Erklärung dafür.

Zu den Studien

Seine Ergebnisse veröffentlichte das Forschungsteam am 1. Juni 2023 im Fachmagazin Nature Communications unter den nachfolgenden Titeln:

Zwei weitere Studien wurden ebenfalls am 1. Juni 2023 veröffentlicht, jedoch in zwei unterschiedlichen Fachzeitschriften:

An der Studie nahmen 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Ländern teil. Trotz der unterschiedlichen Standorte der Probeentnahmen haben sie die Korallen an jedem Standort auf identische Weise untersucht. Das macht sie vollständig vergleichbar. Der Datensatz ist frei verfügbar und soll auf Jahre hinaus die Grundlage zur Erforschung der Lebens- und Überlebensbedingungen von Korallen bilden.


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