Klimakrise: Autodesk, der Bagger 290 und der Hambacher Wald

Der Hersteller von CAD-Software hat damit geworben, dass RWE die Software für seine Braunkohlebagger nutze. Ein belgischer Künstler und Klimaaktivist hat die Firma darauf angesprochen - und der Hinweis auf das "Erfolgsprojekt" ist verschwunden.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Ein "Erfolgsprojekt"? Die Tagebaue im Rheinland gehören zu den klimaschädlichsten der Welt, weil Braunkohle besonders ineffizient ist.
Ein "Erfolgsprojekt"? Die Tagebaue im Rheinland gehören zu den klimaschädlichsten der Welt, weil Braunkohle besonders ineffizient ist. (Bild: Hanno Böck)

"Die besten Lösungen für den größten Schaufelradbagger der Welt": So lautet die Überschrift einer Werbepublikation über Erfolgsgeschichten der Firma Autodesk. Der Hersteller von CAD-Software rühmt sich damit, dass seine Software vom Energiekonzern RWE genutzt werde, um angepasste Ersatzteile für den Schaufelradbagger 290 zu erstellen. Dieser könne bis zu 240.000 Tonnen Kohle pro Tag fördern.

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Der Bagger 290 steht im Tagebau Hambach, an dessen Rand sich der zum Protestsymbol gewordene Hambacher Wald befindet. Durch den geplanten Kohleausstieg wird zwar vermutlich ein Reststück des Waldes erhalten bleiben, die klimaschädliche Braunkohleverbrennung soll aber noch jahrelang weitergehen. Nach wie vor plant RWE auch, mehrere Dörfer für den Braunkohlebergbau abzureißen.

Autodesk stellt sich als umweltbewusstes Unternehmen dar

Dass Autodesk es als ein Erfolgsprojekt bezeichnet, IT-Technologie für den Braunkohlebergbau zu liefern, überrascht den belgischen Künstler Jonaie Lemercier. Denn Lemercier nutzt selbst die Software von Autodesk und ging davon aus, dass es sich um eine Firma handele, die ökologische Ziele verfolge. Auf ihrer Webseite gibt sich die Firma umweltbewusst.

Autodesk verspricht, die ökologischen Auswirkungen von Geschäften und Produkten zu messen und sich selbst Ziele zu setzen, um umweltschädliche Folgen zu reduzieren. Lemercier sprach Autodesk auf Twitter auf die Werbebroschüre an - kurze Zeit später verschwand diese von der Webseite. Doch Lemercier fordert mehr: Er will, dass Firmen wie Autodesk die Zusammenarbeit mit Konzernen wie RWE beenden.

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Lemercier kontaktierte Vertreter von Autodesk, stieß zunächst auf scheinbares Verständnis, ihm zugesagte Gespräche fanden aber nie statt. Die US-Journalistin Maddie Stone veröffentlichte kürzlich auf der Webseite Drilled News ein ausführliches Portrait von Lemerciers Konflikt mit Autodesk. Lemercier selbst dokumentierte die Kommunikation und seine Proteste auf der Webseite Autodesk.earth.

Lemercier fordert, dass Autodesk zunächst eine Liste der klimaschädlichsten Konzerne von Geschäftskontakten ausschließe, das könnten etwa die 100 Firmen weltweit mit dem größten CO2-Ausstoß sein. Laut einem Bericht der britischen Umweltorganisation Carbon Disclosure Project schafft es RWE auf Platz 41.

Man kann fragen, wie relevant der Kampf eines einzelnen Klimaaktivisten und Künstlers ist. Doch Lemercier stellt Fragen, mit denen zuletzt viele Techkonzerne konfrontiert wurden. IT-Firmen sehen sich selbst gern als fortschrittlich, die Größen aus dem Silicon Valley haben alle ambitionierte Klimaschutzpläne für die eigenen Geschäfte. Doch zu einem sind sie bislang nicht bereit: Sie wollen ihre Geschäftsbeziehungen mit der fossilen Industrie nicht kappen.

IT-Firmen ignorieren Emissionen ihrer Kunden bei Klimaschutzplänen

Ob Amazon, Google oder Microsoft - die großen Konzerne aus dem Silicon Valley kündigten in den vergangenen Jahren Klimaschutzprogramme an. Doch alle bieten zugleich Cloudservices speziell für die Ölindustrie, für die das Datenmanagement immer wichtiger wird. Die dadurch indirekt erzeugten Treibhausgasemissionen fehlen meist in den Berechnungen der eigenen Klimabilanz.

Nicht nur IT-Firmen sind mit dieser Kritik konfrontiert. Zu einem PR-Desaster wurde dies vor kurzem für den Siemens-Konzern, der einerseits ankündigte, bis 2030 klimaneutral sein zu wollen, andererseits aber an der australischen Adani-Mine, einem der größten neuen Kohlebergbauprojekte der Welt, mitverdienen will.

Die Kritik an Autodesk richtet sich gegen einen im Vergleich zu Siemens oder Amazon eher kleinen Konzern. In Zeiten einer verschärften Klimakrise mit immer sichtbareren Auswirkungen müssen sich wohl zukünftig auch solche Unternehmen verstärkt fragen, welche Verantwortung sie für von ihnen indirekt verursachte Treibhausgase tragen.

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M.P. 27. Apr 2020

... dass man die 40000 ¤ nicht aufbringen kann. bei 55 ... 60 jährigen könnte ein...

Eheran 26. Apr 2020

Korrekter Vergleich zur CAD-Software hier wäre am ehesten noch ein Lackhersteller dessen...

Ach 26. Apr 2020

Beides ist der Fall, denn ich wüsste nicht, wie man dass Ausbremsen der Erneuerbaren...

Eheran 25. Apr 2020

Reden wir da von diesem Künstler? Wenn ja: Welche Argumente?



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