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Klima und Raumfahrt: SpaceX-Feuerball hinterlässt Spuren

Eine Forschungsgruppe konnte erstmals Raketen -Verschmutzung in einer Höhe von 95 Kilometern nachweisen. Die Langzeitfolgen durch mehr Raketenstarts bleiben unklar.
/ Patrick Klapetz
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Raketenstart einer Falcon-9 und Atmosphärendarstellung der Forschungsgruppe (Bild: SpaceX/ R. Wing, M. Gerding, J. M.C.Plane, et al.)
Raketenstart einer Falcon-9 und Atmosphärendarstellung der Forschungsgruppe Bild: SpaceX/ R. Wing, M. Gerding, J. M.C.Plane, et al.

Der unkontrollierte Wiedereintritt einer Falcon-9-Rakete von SpaceX im Februar 2025(öffnet im neuen Fenster) hat nicht nur für einen Feuerball gesorgt, sondern auch messbare Spuren in der oberen Atmosphäre hinterlassen. Eine deutsche Forschungsgruppe(öffnet im neuen Fenster) konnte in einer Höhe von 95 Kilometern eine eindeutig zuordenbare Lithiumverschmutzung ausmachen.

Mithilfe von hochpräzisen Lasermessungen (Lidar) in Norddeutschland wiesen die Forscher unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) an der Universität Rostock nur 20 Stunden nach dem Ereignis eine Lithiumkonzentration nach, die den Normalwert um das Zehnfache überstieg. In diesen extremen Höhen kommt Lithium natürlicherweise kaum vor, jedoch wird es häufig in der Raumfahrt verbaut.

Nachweis der Herkunft der Lithiumkonzentration

Das Forschungsteam nutzte komplexe atmosphärische Windmodelle, um die Herkunft der Wolke auszumachen. Die Spur führte direkt zurück zur Flugbahn einer Falcon-9-Oberstufe, die zuvor unkontrolliert über dem Atlantik, westlich von Irland, in die Erdatmosphäre eingetreten war. "Dies ist die erste bekannte, direkte Zuordnung dieser Art von Verschmutzung zu einem bestimmten Wiedereintritt" , teilen die Autoren in ihrer Studie mit.

Die entstandene Metallwolke erstreckte sich über eine vertikale Distanz von drei Kilometern und konnte von den Instrumenten 27 Minuten lang verfolgt werden, bevor die Datenaufzeichnung endete.

Die Experten warnen jetzt vor den noch völlig ungeklärten chemischen Langzeitfolgen dieser metallischen Rückstände in der Thermosphäre. Sie ist die zweitäußerste Schicht der Erdatmosphäre, die sich von etwa 80 bis ungefähr 800 km über der Mesopause bis zur Thermopause erstreckt.

Weckruf für die Raumfahrt

Bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf Trümmerteile, die den Boden erreichen könnten. Die Auswirkungen auf die Mesosphäre (50 bis 85 km Höhe) und die untere Thermosphäre (85 bis 120 km Höhe) blieben weitgehend eine Black Box der Wissenschaft.

Zwar handele es sich um eine Einzelfallstudie, doch besonders wegen der weltweit massiven Zunahme von Raketenstarts seien die Luftverschmutzungsfolgen ungewiss. Im vergangenen Jahr wurden weltweit mehr als 320 Orbitalmissionen gestartet, 165 Missionen davon wurden mit dem Falcon-9-Raketentyp durchgeführt.

Zur Studie

Die Forschungsergebnisse wurden am 19. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht: Measurement of a Lithium Plume from the Uncontrolled Re-entry of a Falcon 9 Rocket(öffnet im neuen Fenster) (Messung einer Lithiumwolke aus dem unkontrollierten Wiedereintritt einer Falcon-9-Rakete).


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