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Klebstoff: Neandertaler verwendeten bereits Mehrkomponenten-Kleber

In einem Berliner Museum wurden Steinwerkzeuge von Neandertalern wiederentdeckt. Sie wurden mit einem frühzeitlichen Zweikomponenten-Kleber bearbeitet.
/ Patrick Klapetz
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Das entdeckte Steinwerkzeug von Neandertalern in einem Berliner Museum. (Bild: Patrick Schmidt, D. Greinert, Staatliche Museen zu Berlin)
Das entdeckte Steinwerkzeug von Neandertalern in einem Berliner Museum. Bild: Patrick Schmidt, D. Greinert, Staatliche Museen zu Berlin

Eine Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass Neandertaler für das Zusammenhalten ihrer Steinwerkzeuge Mehrkomponenten-Kleber verwendeten(öffnet im neuen Fenster). Die frühe Verwendung eines komplexen Klebstoffs in Europa weist darauf hin, dass Neandertaler über ein höheres Maß an Kognition und kultureller Entwicklung verfügten, als bisher angenommen wurde.

Untersucht wurden Werkzeuge aus Le Moustier, einer archäologischen Stätte in Frankreich. Diese Steinwerkzeuge wurden vor 120.000 bis 40.000 Jahren verwendet und kürzlich in einer Sammlung des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte wiederentdeckt. "Die Stücke waren seit den 1960er-Jahren einzeln verpackt und unangetastet. Dadurch waren die anhaftenden Reste organischer Substanzen hervorragend erhalten", erklärt Ewa Dutkiewicz in einer Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster).

Die Forschungsgruppe entdeckte Spuren einer Mischung aus Ocker und Bitumen auf Schabern, Abschlägen und Klingen. Ocker ist ein natürlich vorkommendes Erdpigment. Bitumen ist dagegen ein Bestandteil von Asphalt und kann aus Erdöl hergestellt werden, kommt aber auch natürlich im Boden vor.

Ein frühzeitlicher Kleber

Der Ockergehalt betrug mehr als 50 Prozent, was die Gruppe zunächst überraschte. "Das liegt daran, dass luftgetrocknetes Bitumen unverändert als Klebstoff verwendet werden kann, aber seine Klebeeigenschaften verliert, wenn ein so hoher Anteil an Ocker hinzugefügt wird", erklärt Patrick Schmidt von der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen.

Bei einem Test mit Flüssigbitumen zeigte sich laut Schmidt, dass dieser "nicht wirklich zum Kleben geeignet ist. Wenn man 55 Prozent Ocker hinzufügt, entsteht eine verformbare Masse." Das Gemisch war gerade so klebrig, dass ein Steinwerkzeug darin stecken bleiben konnte, ohne jedoch an den Händen zu haften, so dass es sich als Material für einen Griff eignete.

"Die Werkzeuge wiesen zwei Arten von mikroskopischen Abnutzungsspuren auf: Die eine ist die typische Politur an den scharfen Kanten, die im Allgemeinen durch die Bearbeitung anderer Materialien entsteht", erklärt Radu Iovita, Professor am Center for the Study of Human Origins der New York University. Er führte die Analysen durch. "Die andere ist eine helle Politur, die über das gesamte mutmaßliche Handteil verteilt ist, aber nicht an anderen Stellen, was wir als Ergebnis des Abriebs des Ockers durch die Bewegung des Werkzeugs im Griff interpretieren."

Neandertaler und Homo sapiens ähnlicher als gedacht

Die Verwendung von Klebstoffen mit mehreren Komponenten, darunter verschiedene klebrige Substanzen wie Baumharze und Ocker, war bereits vom frühen modernen Menschen in Afrika bekannt, nicht aber vom früheren Neandertaler in Europa.

Insgesamt gelten die Entwicklung von Klebstoffen und ihre Verwendung bei der Herstellung von Werkzeugen als einer der besten materiellen Belege für die kulturelle Entwicklung und die kognitiven Fähigkeiten der frühen Menschen – der Homo sapiens in Afrika und der Neandertaler in Europa waren sich also gar nicht so unähnlich.

Zur Studie

Die Studie erschien am 21. Februar 2024 in der Fachzeitschrift Science Advances: Ochre-based compound adhesives at the Mousterian type-site document complex cognition and high investment(öffnet im neuen Fenster) (Zusammengesetzte Klebstoffe auf Ockerbasis an der Mousterianischen Fundstelle dokumentieren komplexe Kenntnisse und hohe Investitionen).


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