Klaus Esser: Ex-Mannesmann-Chef wollte Kabelnetz der Telekom kaufen
Der Ex-Chef von Mannesmann, Klaus Esser (72), berichtete der Rheinischen Post(öffnet im neuen Fenster), der Konzern habe schon im Jahr 1999 versucht, die TV-Kabelnetze der Deutschen Telekom zu kaufen, die Vodafone später erworben hat. Esser sagte: "Wir hatten in 1999 geboten auf das Kabelnetz der Deutschen Telekom für die Fernsehversorgung in Wohngegenden. Das hätte uns in der Telekommunikation ab 2000 sehr stark gemacht. Genau deshalb wollte die Deutsche Telekom absolut nicht, dass wir das Kabelnetz bekämen. Dieser Konflikt war hochpolitisch. Hätten wir in 2000 Mannesmann fortgeführt, hätten wir mit sehr guten Argumenten sehr gute Chancen gehabt."
In den Jahren 2013 und 2014 gab Vodafone 20 Milliarden US-Dollar für den Kauf großer Kabelnetzbetreiber in Europa aus, darunter Kabel Deutschland für 7,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2018 erwarb Vodafone von dem US-amerikanischen Konzern Liberty Global Unitymedia sowie weitere Netze in Osteuropa. Unitymedia und die kleineren Netze in Tschechien, Ungarn und Rumänien wurden zusammen mit 18,4 Milliarden Euro bewertet. Vodafone bezahlte 10,8 Milliarden Euro an Liberty Global und übernahm Schulden in Höhe von 7,6 Milliarden Euro.
Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor 20 Jahren bezeichnete Esser als "großes Unglück". Anlass ist der Jahrestag des Aufsichtsratsbeschlusses vom 4. Februar 2000, das Unternehmen für 190 Milliarden Euro an Vodafone zu verkaufen.
Nur rund dreieinhalb Monate hatte die spektakuläre – zeitweise feindliche Übernahme – gedauert, die am 22. Oktober 1999 begann. Vodafone unternahm den Vorstoß, nachdem Esser den Kauf des britischen Mobilfunkbetreibers Orange angekündigt hatte. Anfang Februar 2000 einigten sich Vodafone und Mannesmann schließlich.
Esser sagte: "Die Fortführung unserer Strategie wäre für die Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre besser gewesen, weil es mehr Wachstum und Gewinn gegeben hätte. Die Integration von Mobilkommunikation und Festnetzkommunikation war damals schon bei uns praktiziertes Konzept."
Esser zeigte Verständnis dafür, dass die Öffentlichkeit entsetzt auf die hohe Prämie an ihn nach der Übernahme reagiert hatte: "Die Aktionäre fanden, dass die 16-Millionen-Prämie passend sei, bei dieser einzigartigen Kurssteigerung von 150 Milliarden Euro. Aber die meisten Menschen waren eben nicht Aktionäre, hatten keinen Grund, sich zu freuen und fanden, meine Prämie sei zu hoch. Das verstehe ich." Trotzdem sei der Bonus an ihn nicht rechtswidrig gewesen, sagte er.
Er wäre lieber Mannesmann-Chef geblieben als das Geld zu erhalten: "Natürlich hätte ich lieber keine Prämie bekommen und weiter meine Arbeit gemacht für Mannesmann und die Aktionäre."
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