Klage: SAP soll unrechtmäßig an Geschäftsgeheimnisse gelangt sein

Der Softwarehersteller o9 Solutions hat in den USA Klage gegen SAP sowie drei namentlich genannte ehemalige Führungskräfte des eigenen Unternehmens eingereicht. In der Klageschrift (PDF-Dokument)(öffnet im neuen Fenster) erhebt o9 den Vorwurf, die drei Manager hätten kurz vor ihrem Wechsel zu SAP umfangreich interne Geschäftsgeheimnisse kopiert.
Eingereicht wurde die Klage am 25. November 2025 beim Bundesbezirksgericht für den Northern District of Texas. o9 legt detailliert dar, wie die drei früheren Führungskräfte mehr als 20.000 Dateien aus gemeinsamen Cloudspeichern abgerufen haben sollen, darunter Unterlagen zu Produktarchitektur, Softwaredesign, Implementierungsprozessen sowie strategisch relevanten Vertriebs- und Marketingkonzepten.
Auffällig ist für o9 vor allem der zeitliche Zusammenhang: Die umfangreichen Datenabrufe seien erfolgt, während die drei Manager bereits Gespräche mit SAP geführt hätten. An einigen Tagen sollen die Downloadzahlen deutlich über dem normalen Geschäftsbedarf gelegen haben, was aus Sicht von o9 den Verdacht untermauert, dass die Zugriffe nicht mehr durch operative Aufgaben gedeckt waren. Kurz nach den Abrufen wechselten alle drei zu SAP.
Laut Klage überarbeitete SAP daraufhin Teile seiner Software Integrated Business Planning und griff dabei Konzepte sowie Strukturen auf, die sich aus den vertraulichen Unterlagen von o9 ableiten ließen. o9 beschreibt dies als koordinierte Vorgehensweise, die Teil einer "aggressiven Kampagne" gewesen sei. "SAP hat nicht nur Mitarbeiter von o9 eingestellt, sondern auch einen Plan in Gang gesetzt, um große Mengen an Geschäftsgeheimnissen von o9 für die Verwendung bei SAP zu exfiltrieren" , heißt es in der Klageschrift.
SAP kündigt interne Prüfung an
SAP nimmt die Vorwürfe eigenen Angaben nach "sehr ernst" . Der Konzern erklärte dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) , man werde die Klage prüfen und darauf "angemessen" reagieren. Inzwischen habe man eine "gründliche interne Überprüfung eingeleitet" . "Wir prüfen außerdem Maßnahmen, um sicherzustellen, dass unsere Geschäftspraktiken weiterhin vollständig konform sind."
Für o9 ist der Schritt vor Gericht weit mehr als eine formale Reaktion: Das Unternehmen fordert(öffnet im neuen Fenster) neben Schadenersatz eine Unterlassungsverfügung, die SAP daran hindern soll, auf die mutmaßlich entwendeten Daten oder daraus gewonnenes Wissen weiter zurückzugreifen.
Weitere Verfahren
Auch jenseits des Falls o9 steht SAP in den USA unter juristischem Druck. Erst Anfang Oktober ließ der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten eine bereits seit 2018 laufende Klage des Datenbankherstellers Teradata zu, in der dem Konzern vorgeworfen wird, durch die Bündelung seiner Produkte HANA und S/4HANA gegen das US-Wettbewerbsrecht zu verstoßen.
Zusätzlich sieht sich SAP in einem weiteren Verfahren mit dem deutschen Unternehmen Celonis konfrontiert, das den Konzern im März vor einem Bezirksgericht in San Francisco verklagte. Celonis wirft SAP vor, Drittanbieter im Markt für Software zur Prozessoptimierung durch sein Geschäftsgebaren gezielt zu benachteiligen und aus dem Wettbewerb zu drängen.
Nachdem das Gericht Ende Juni laut Wirtschaftswoche(öffnet im neuen Fenster) zehn von elf Vorwürfen zunächst zurückgewiesen hatte, reichte Celonis eine überarbeitete Klage ein. SAP beantragte im August, auch diese abzuweisen. Anfang Oktober wurde darüber in San Francisco verhandelt – kurz darauf brachte SAP im US-Bundesstaat Delaware zusätzlich eine Patentklage gegen Celonis auf den Weg.



