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Kiwifarms: Doxxing-Seite nach Ende von Cloudflare-Support offline

Lange weigerte sich Cloudflare , gegen die Doxxing-Seite vorzugehen. Nachdem dies nun geschehen ist, finden die Betreiber wohl keine neuen Hoster.
/ Sebastian Grüner
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Cloudflare-CEO Matthew Prince bezeichnet die Blockierentscheidung weiter als "gefährlich". (Bild: Reuters)
Cloudflare-CEO Matthew Prince bezeichnet die Blockierentscheidung weiter als "gefährlich". Bild: Reuters

Das Forum Kiwifarms ist offenbar dauerhaft offline, nachdem die Betreiber keine neuen Hoster und Anbieter für DDoS-Schutz finden können. Vorausgegangen ist dem eine Entscheidung des Internetdienste-Anbieters Cloudflare vom Samstag(öffnet im neuen Fenster) nach einer langen Weigerung, der Plattform Kiwifarms seine Dienste nicht mehr anzubieten und den Zugriff auf die Webseite über seine eigene Infrastruktur zu blockieren. Bei Kiwifarms handelt es sich um ein Forum, das vor allem zur Belästigung und dem Stalking bekannter Online-Persönlichkeiten genutzt wurde, bis hin zum Doxxing(öffnet im neuen Fenster) – also der Veröffentlichung persönlicher Informationen.

Zuvor gab es jahrelange Beschwerden von Nutzern an Cloudflare, das dem Forum einen Schutz vor DDoS-Angriffen bot sowie zuletzt eine große Online-Kampagne, die unter anderem von Twitch-Streamerin Clara "Keffals" Sorrenti initiiert wurde. Sorrenti war selbst von den Belästigungen und Swatting(öffnet im neuen Fenster) der Kiwifarms-Nutzer betroffen. Ziele der Belästigungen waren dabei oft Minderheiten, Frauen oder auch LGBTQ-Personen.

Langes Zögern bei Cloudflare

Cloudflare war einer der letzten Anbieter, die Dienste für das Forum bereitstellen wollten. Doch trotz der laufenden Kampagne veröffentlichte das Unternehmen noch vergangene Woche einen langen Blogpost(öffnet im neuen Fenster) , der als Verteidigung verstanden werden konnte(öffnet im neuen Fenster) , Kiwifarms weiter seine Dienste anbieten zu wollen. Die offizielle Position von Cloudflare dabei ist, dass das Unternehmen vor allem mit Blick auf seine große Marktmacht nicht selbst entscheiden möchte, wer oder was im Internet verfügbar sein dürfe. Das seien Rechtsfragen, die entsprechend behandelt werden müssten.

Die eigene Rolle und Entscheidungsgewalt ist Cloudflare dabei seit Jahren sichtlich unangenehm. Ähnliches Zögern seitens Cloudflare gab es etwa bereits vor fünf Jahren bei Diskussionen um die angebotenen Dienste für Neonazi-Webseiten wie Daily Stormer. Cloudflare selbst verweist auch auf die Diskussionen um Dienste für 8chan.

Auch in der aktuellen Entscheidung, Kiwifarms letztlich zu blockieren, bezeichnet Cloudflare-CEO Matthew Prince dies als "gefährlich" und betont, sich damit nicht wohlzufühlen. Grund für Entscheidung seien dann auch keine moralischen Überlegungen oder die Kampagne, sondern die dadurch gesteigerte Aktivität von Kiwifarms selbst. Diese habe zu einer "unmittelbaren Bedrohung von menschlichem Leben" geführt, wobei der Rechtsweg zu langsam gewesen sei, um diese auszuräumen, so dass Cloudflare habe reagieren müssen.

In der Ankündigung, das Forum zu blockieren, schreibt Cloudflare noch, dass dieses wohl schnell einen anderen Infrastruktur-Anbieter finden werde. Das ist aber offenbar nicht der Fall, wie Sorrenti schreibt(öffnet im neuen Fenster) . So habe der russische Anbieter DDoS-Guard seine Dienste für Kiwifarms schon nach einem Tag eingestellt. Sie schreibt: "Wir haben gewonnen, Kiwifarms ist tot."


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