Kirin 990: Huawei vereint Prozessor und 5G-Modem auf einem Chip

Die Gerüchte um den Kirin 990 bestätigen sich: Huawei fertigt sein kommendes SoC mit integriertem 5G-Modem in 7 Nanometer. Das System basiert auf ARM-Kernen und verbessert auch Grafikeinheit und Bildprozessor. Allerdings ist das 5G-Modem in seiner Funktion beschnitten.

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Der Kirin 990 verbindet Modem und CPU auf einem Die.
Der Kirin 990 verbindet Modem und CPU auf einem Die. (Bild: Heiko Raschke/Golem.de)

Auf Ifa-Plakaten groß angekündigt, hat Huawei auf der Messe in Berlin die neue CPU Kirin 990 vorgestellt. Diese integriert das 5G-Modem jetzt direkt auf dem Chip, statt dafür ein externes Modem zu verwenden. Der Prozessor wird im 7-Nanometer-Finfet-Plus-Verfahren mit Extreme Ultra Violet (EUV) beim Partner TSMC hergestellt - dieses wird auch als N7+ bezeichnet.

Trotz der Abkehr von der Lizenz durch eine Entscheidung von ARM basiert der Kirin 990 - wohl als vorerst letzter Huawei-Prozessor - auf dem Cortex A76 und dem Cortex A55 von ARM. Zwei Cortex-A76-Kerne takten für leistungsfordernde Anwendungen mit 2,86 GHz, zwei weitere mit 2,36 GHz. Dazu kommen vier A55-Kerne mit einem Standardtakt von 1,95 GHz. Huawei bezeichnet seinen Chip daher als Achtkern-CPU.

Es wird übrigens auch einen Kirin 990 ohne 5G-Modem geben, der mit seinen gleichen acht Kernen etwas niedriger taktet: zwei Kerne mit 2,09 statt 2,36 GHz und vier Kerne mit 1,86 statt 1,95 GHz. Der Leistungsvorsprung des 5G-Modells soll etwa 10 Prozent vor dem Snapdragon 855 liegen, den Qualcomm an viele Smartphonehersteller verkauft. Der Kirin 990 vereint etwa 10,3 Milliarden Transistoren auf dem Chip. Zum Vergleich: Der Vorgänger kommt bei gleicher Baugröße auf etwa 6,9 Milliarden Transistoren.

Kein mmWave beim Modem

Dabei ist zu beachten, dass das 5G-Modem selbst Platz auf dem Die einnimmt. Es handelt sich um eine Eigenentwicklung, die Frequenzen im Unter-6-Ghz-Bereich unterstützt. Auf den Standard mmWave verzichtet Huawei allerdings. Dieser schließt sehr hohe Frequenzen von 24 GHz bis 100 GHz mit ein und eignet sich etwa für schnelle Übertragungsraten auf kurze Distanz. Im Gegensatz zum eigenständigen Modem Balong 5000, das Huawei Anfang 2019 vorgestellt hat, ist die Datenrate des im Kirin 990 integrierten Moduls etwas geringer mit 2,3 zu 4,6 Gbit/s.

Auch die Neural Processing Unit hat Huawei ein wenig aufgewertet: Zwei Big- und zwei Tiny-Kerne auf ARM-Basis sollen maschinelles Lernen anwenden. Derzeit wird das bei Huawei-Geräten oft bei der digitalen Aufbereitung von Fotos und Videos verwendet. Die 4G-Version ohne integriertes 5G-Modem verwendet einen großen und einen kleinen ARM-Kern.

Auch beim Bildprozessor und bei der Grafikeinheit bessert Huawei nach: Ersterer soll Bildschrauschen effizienter vermindern - der Hersteller spricht von etwa 20 Prozent. Die angepasste Mali-G76-GPU MP16 im Kirin 990 hat etwa 60 Prozent mehr Recheneinheiten. Die Taktrate beträgt 700 MHz im Vergleich zu den 750 der MP10 des Vorgängers. Die Grafikeinheit nutzt zudem LPDDR4X-4266-Videospeicher.

Ein erstes Produkt mit Kirin 990 wird das Mate 30 Pro sein. Das Smartphone soll demnächst offiziell vorgestellt werden.

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